Reisebericht Miskolc (Ungarn)
vom 14.01. – 16.01.11 von Cani F.A.I.R.

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Raja (ehemals Rezeda), meine ungarische Drahthaarvizslahündin, ist nun schon seit 18 Monaten bei uns. Ob sie sich noch an ihre Heimat, an Miskolc, an die Tage im Tierheim erinnert? Ob sie davon träumt, während sie gerade auf der Couch liegt und schläft?

Ich wollte gerne mehr erfahren, den Schritt vom passiven Förderer zum aktiven Tierschützer wagen. Vielleicht, so hoffte ich, auch etwas mehr über die von meiner Familie so geliebten Vizslas zu erfahren. Auf mein Erlebnis am Samstag war ich allerdings nicht vorbereitet (siehe unten).

Zur Chronologie der Reise: am Donnerstagabend bin ich mit dem Transporter noch von Mönchengladbach in den Westerwald nach Niederrossbach (Danke an die Navi) gefahren. Am Freitag ging es dann um 5 Uhr in der Früh mit dem erfahrenen Westerwälder Dreamteam Inka Wendel und Christoph Konrad weiter gen Miskolc, mit vielen Sach- und Futterspenden an Bord. In Wiesbaden kamen von Martina Schmidt weitere hinzu, ebenso im Wien, wo wir Heidi Khaelss trafen, eine befreundete Tierschützerin. Es war eine absolut reibungslose Fahrt: mitten im Winter kein Schnee, kein Stau, kaum Regen, nur etwas Nebel. Gegen 20 Uhr trafen wir im Hotel Karoly ein, leicht zu finden am Rande von Miskolc, ganz in der Nähe des Tierheims.

Den Samstag verbrachten wir dann größtenteils im Tierheim:

  • sehr herzliche Begrüßung durch das Team, allen voran von Nina
     
  • Ausladen des Transporters und Übergabe der "Mitbringsel"
  • ehrliche Dankbarkeit seitens des tollen Tierheimteams für die Unterstützung aus Deutschland und Österreich
     
  • Foto-Shooting mit einigen Hunden und speziell gespendeten Geschenken
  • Durchgang durch die Krankenstation
  • anregende Gespräche und Diskussionen mit Nina und Angela
     
  • Leckerchen hier und dort
  • Streicheleinheiten, wo immer es die Gitter zuließen
  • zwischendurch ein Ausflug in den (ländlichen) Norden von Miskolc, wir besuchten eine Sintifamilie mit ihren Hunden.

Was ich hier versuche, neutral zu schildern, beinhaltet sehr viele emotionale Momente, sicherlich für alle Miskolcfahrer nachvollziehbar, für alle weiteren Leser vielleicht ein Anreiz, sich auch selbst aktiv zu beteiligen.

Und dann, ja dann saß sie da, verstört, verängstigt, einer der Neuzugänge, gerade mal 2 Stunden im Tierheim, namens Baba (zu deutsch Puppe), etwa 1,5 Jahre alt, eine wunderhübsche drahtige Vizslahündin. Sie sei dominant, springe zu viel, so hatte der über 80jährige Besitzer berichtet, wenn das (eigentlich überfüllte) Tierheim sie nicht nähme, so bliebe für ihn nur die Tötungsstation.

Wie oben geschrieben, Vizslas sind unsere Traumhunderasse (neben Raja schnarcht auf der Couch unsere 14jährige UD-Hündin Gusti). Ich durfte Baba an der Leine herumführen, während eine Einzelbox vorbereitet wurde. Wie konnte ein Züchter diesem alten Herrn ein Tier einer so lebhaften Rasse verkaufen, wie konnte sich der Herr einen jungen Hund mit Bewegungsdrang (und Jagdinstinkt) aussuchen, wie konnte er eine sensible, menschenbezogene Hündin abgeben, ..., viele unbeantwortete Fragen. Und was sollte nun mit Baba geschehen? Ständig schaute sie zum Ausgang, ließ sich nach kurzer Zeit zunächst vorsichtig streicheln, nach 30 min sprang sie an mir hoch, stellte ihre Vorderpfoten an meine Brust und schaute mich mit ihren braunen Augen an ...

Hier beende ich den Ausflug in meine Gefühlswelt, alle Leser können sich ja vielleicht ausmalen, wie nah mir ein solches Schicksal geht. Im Tierheim wird Baba jetzt toll versorgt, aber hoffentlich findet sich eine schnelle Lösung mit Familienanschluss und Couchplatz.

Samstagabend folgte das traditionelle Essen mit Nina, sehr lecker, angereichert mit Gesprächen über Tiere, Politik, Zukunftsplänen des Tierheims, auch dem Sinn der 1%-Einkommenssteuerregel (siehe letzten Fahrbericht vom November 2010), anschließend eine kurze, in meinem Fall recht schlaflose Nacht (Grund s.o.).

Am Sonntag um 5 Uhr dann zurück aus dem Hotel ins Tierheim, routiniert mit Hilfe des Teams Verladen der Hunde, dieses Mal zahlreiche Tiere eines befreundeten Tierheim, um 6.30 Uhr konnten wir die Rückfahrt beginnen. Im Verlauf ein pünktliches Eintreffen der befreundeten Tierschützer in Ungarn zur Übergabe von zwei weiteren Hunden (somit dann 29 Tiere), zwei harmlose Polizeikontrollen in Ungarn und Österreich, eine harmonische Atmosphäre "an Bord", friedliche Passagiere, tolles Reisewetter mit viel Sonne und Frühlingsgefühlen bei Christoph, dazu eine Einführung seinerseits in den tieferen Sinn des Dschungelcamps bei RTL, pünktliches Erreichen der Übergabestellen in Deutschland an pünktliche und glückliche Abholer und somit ein pünktliches Ende am Sonntag gegen 22 Uhr auf der Autobahnraststätte Solingen-Ohligs.

Und doch: es war aufregend, beeindruckend, teils auch bedrückend, es war eine motivierende Fahrt, die den Sinn einer aktiven Mitarbeit im Tierschutz unterstrichen hat.

Danke daher an dieser Stelle an Christoph und vor allem Inka für die Bereitschaft, mich als Neuling mitzunehmen. Ein Dank gilt auch dem Logistikteam um Petra, das für den reibungslosen Ablauf dieser Fahrt gesorgt hat.

Martin Loer

1. Foto-Album mit Bildern der Fahrt

2. Foto-Album mit Bildern der Fahrt


Zur Hauptseite von CaniFAIR e.V.