Reisebericht Miskolc (Ungarn)
vom 21.05. – 23.05.10 von Cani F.A.I.R.

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Wenn einer eine Reise tut, hat er viel zu erzählen. Am Freitag, 21.05.2010 begann unsere Reise nach Ungarn morgens um 6.00 Uhr an der Raststätte Medenbach. Das heißt Sandra Dzwinik startete bereits zwei Stunden früher an ihrem Wohnort und lud uns an der Raststätte nebst unseren Mitbringseln für Ungarn ein.

Unsere Fahrt führte uns durch Deutschland, Österreich nach Ungarn. Anfangs verlief alles reibungslos. Vor Budapest bekamen wir die Auswirkungen des Hochwassers der letzten Woche in Ungarn zu spüren. Die Autobahn war wegen eines großen Loches in der Fahrbahn gesperrt und wir mussten eine Umleitung in Kauf nehmen, die uns ca. 4 Stunden gekostet hat. Das Fahrverhalten vieler anderer Verkehrsteilnehmer brachte uns in Rage, weil sie aus dem Stau ausscherten, die Gegenfahrbahn nutzten und weiter vorne probierten, sich wieder in den Stau einzufädeln. Das verzögerte das Weiterkommen aller, die im Stau standen. Die Emotionen der Wartenden steigerten sich immer mehr umso mehr PKWs aus der Reihe "tanzten".

Während der Fahrt lernten wir uns kennen und Sandra und Thomas erzählten von ihrer ersten Fahrt nach Ungarn. Für mich war es die erste Fahrt und für die beiden die erste Fahrt ins Tierheim Miskolic. Keiner von uns wusste, was ihn in Miskolic erwartete. Wir waren sehr gespannt und angespannt. Ich selbst wusste nicht, was auf mich zukommt und ob ich die Bilder vor Ort gut verarbeiten kann.

Gegen 22 Uhr checkten wir in der Pension ein und begaben uns direkt auf unsere Zimmer. Am nächsten Morgen konnten wir bisschen länger schlafen. Gegen zehn Uhr holte uns Nina an der Pension ab, um mit uns gemeinsam ins neue Tierheim zu fahren. Hier führte uns Nina durch das Gebäude und die Außenanlage mit den bereits vorhandenen Hunden. Uns begrüßte die Hündin Agneta, die dort das Tierheim und die Hunde "bewacht". Die freundliche Hündin begleitete uns überall hin und war keinem Leckerli abgeneigt.

Der Transporter wurde entladen und viele Hilfsgüter an Ort und Stelle verstaut.

Während wir Leckerlis an die Hunde verteilten, schossen wir bereits die ersten Fotos von ihnen. Nina warbesonders überrascht, weil während unserer Zeit im neuen Tierheim dreimal interessierte Besucher da waren, die sich nach einem Hund erkundigten. Wir drücken fest die Daumen, dass sie sich für Hunde von dort entscheiden.

Nun ging unsere Tour weiter zum alten Tierheim. Was wird uns dort erwarten, war unsere bange Frage! Es ging ein kurzes Stück eine Schnellstraße entlang und dann bogen wir in einen Feldweg ein. Ein paar Minuten später konnten wir das alte Tierheim bzw. was davon übrig ist, erblicken. Wir wurden zunächst von lautem Gebell der Hunde begrüßt. Alle Hunde waren in Aufregung durch unsere Anwesenheit versetzt. Nach einiger Zeit beruhigten sich die Tiere wieder und wir starteten unseren Rundgang gemeinsam mit Nina und den Helfern, die uns gerne unsere vielen Fragen beantworten. Auch hier verteilten wir Leckerlis und streichelten die Hunde. Wir verweilten lange vor den einzelnen Zwinger und fotografierten, drehten kleine Videos oder stellten Fragen zu den Hunden.

Besonders berührt hat mich ein alter brauner Jagdhund, der mit vier anderen Hunden in einem größeren Zwinger lebt und mich mit seinen traurigen Augen beobachtete während ich durch das Gelände streifte.

Den Rüden Ernö und seine Freundin Siluett möchte ich besonders erwähnen, die beiden sind wahre Kletterkünstler. Sie überraschten uns, in dem sie am Zwingergitter hoch kletterten und da sie beide schon mal entwischt sind, wurde der Zwinger oben herum abgeschottet, um dies zu verhindern. Es wäre schön, wenn die beiden in den nächsten Wochen ein neues Zuhause finden und ihre Energie in einem entsprechend ansprechenden Umfeld ausleben.

Alle Hunde begrüßten uns freundlich und nahmen gerne unsere Leckerlis oder Streicheleinheiten.

Kurz gab es Aufregung, ein kleiner Welpe blieb mit seinem Kopf im Zwingergitter stecken und konnte gemeinsam von den Helfern befreit werden. Er weinte herzerweichend. Aber gleich darauf tobte er wieder mit seinen Hundekumpels.

Schön war, dass ein Hund während unserer Zeit im Tierheim eine neue Familie gefunden hat. Traurig wiederum, dass ein "Kettenhund" abgegeben wurde, weil sein Herrchen verstorben war und seine Nachbarn keine Alternative für ihn fanden wie das Tierheim. Zwei kleine Katzenbabies wurden gefunden und von zwei jungen Männern ins Tierheim gebracht. Livia hat sie gleich verpflegt und sie abends mit zu sich nach Hause genommen. Sie verfügt über viel Erfahrung im Umgang mit kleinen Kitten, das konnte man gleich erkennen.

Gemeinsam mit allen nahmen wir vor Ort unser Mittagessen ein und am Nachmittag ging es für uns zurück in unsere Pension. Ein kurzes Verweilen dort und später holte uns Nina zum Abendessen ab, gemeinsam mit ihrem Sohn verbrachten wir den Abend in Miskolic. Zunächst in einem Lokal, wo man aufgrund des schönen Wetters draußen sitzen konnte und nach einem kalorienreichen Abendessen gab uns Nina einen Einblick über die Altstadt Miskolic. Ihr Sohn lud uns ein, gemeinsam mit ihm seine Kirche zu besuchen und so betraten wir diese kurze Zeit später. Nina gab uns eine kurze Einführung über die Religion, Bauweise und Gottesdienste.

Am nächsten Morgen rief uns der Wecker gegen 4.00 Uhr aus den Federn, weil wir um 5.00 Uhr beim alten Tierheim sein sollten/wollten, um die Hunde aufzunehmen. Zu unserer Freude war es draußen bereits taghell und das Einladen der Hunde nebst Kontrolle der Papiere und Chipnummern konnte ohne Taschenlampe vollzogen werden.

Um 6.00 Uhr verabschiedeten wir uns von den Helfern am Tierheim und fuhren in Richtung Budapest. Dort übernahmen wir weitere neun Hunde, so dass wir 38 Hunde an "Bord" hatten. Das Wetter und die Auslastung der Autobahnen spielten sehr gut mit und wir kamen gut voran. Anfangs weinte einer der Welpen sehr, aber nach einiger Zeit beruhigte er sich und alle Hunde waren still. Zunächst verlief unsere Reiseroute in Richtung Österreich und dann weiter nach Deutschland. Wir hielten regelmäßig an, um zu tanken und den Hunden Wasser anzubieten.

An der Raststätte Würzburg gab es den ersten Kontakt mit den "Abholern/innen". Alle freuten sich sehr uns zu sehen und ihre Hunde zu übernehmen. Der Rüde Tigris verließ den Transporter total selbstbewusst und souverän, andere Hunde waren zunächst etwas ängstlich.

In Würzburg verließen uns nicht nur Hunde, sondern wir nahmen auch einen neuen Reisegefährten auf, der junge Rüde Morris wurde von seiner Familie wegen Überforderung abgegeben und reiste mit uns weiter. Wir drücken ihm fest die Daumen, dass er bald ein schönes neues Zuhause findet.

Es war schön zu erleben wie sehr sich die neuen Herrchen und Frauchen auf ihre neuen Mitbewohner freuten. Unsere Reise ging weiter bis Wiesbaden-Medenbach, wo Thomas und ich den Trip beendeten. Das heißt für mich ging er weiter nach Limburg, um meine Pflegehündin Lina abzuholen und beim Ausladen der weiteren Hunde zu helfen. Die acht Welpen wurden ihrer Pflegestelle übergeben, Sharon, Bogi und Kormos verließen etwas ängstlich den Transporter und auch die Hündin Uszi wurde von ihren Pflegeeltern abgeholt.

Gegen 22 Uhr waren Lina und ich zuhause in Wiesbaden und wurden von meiner Hündin Lily stürmisch begrüßt. Für Sandra ging die Reise weiter und sie erreichte gegen 1.00 Uhr ihr zuhause.

Ich habe viele Eindrücke auf mich wirken lassen und konnte die Bedingungen vor Ort, mit denen die Hunde und die Helfer täglich umgehen müssen, selbst erleben. Gerne bin ich wieder dabei bei einer Fahrt nach Ungarn.

Martina Schmidt


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