Reisebericht Miskolc (Ungarn)
vom 05.03. – 07.03.10 von Cani F.A.I.R.

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Nachdem es Anfang des Jahres lange Zeit nicht klar war, wer Zeit hätte, die nächste Fahrt zu übernehmen - es muss schließlich wenigstens einer dabei sein, der sich Vorort und mit dem Ablauf einer solchen Fahrt auskennt -, stand dann endlich Anfang Februar fest, dass Inka am 1. Märzwochenede die nächste Fahrt übernehmen könnte. Nun brauchte sie noch 2 Begleiter und fragte bei meinem Mann an, der bereits bei ihrer letzten Fahrt im November dabei war, ob er nicht noch einmal Lust hätte.
Da ich bei der Abfahrt im November schon ein wenig neidisch war, dass er nun mit nach Miskolc fuhr und ich mit unseren 3 Hunden alleine zuhause bleiben sollte, haben wir innerhalb weniger Tage eine Unterbringung für unsere Hunde organisiert und beschlossen beide mitzufahren.

Am Donnerstag war es dann soweit. Wir haben den Transporter bei Frank und Birgit in Möchengladbach abgeholt, unsere Hunde weggebracht und los ging es zu Inka in den Westerwald. Die Nacht bei Inka zu verbringen, sparte uns 1-2 Stunden Fahrzeit am nächsten Morgen und zuhause gab es ja schließlich nichts sinnvolles mehr zu tun.

Wir gingen an dem Abend früh ins Bett, weil wie bei jeder Ungarnfahrt klingelte auch bei uns der Wecker in der halben Nacht, Freitagsmorgens um 4:00 Uhr.

Nach einen kurzem Frühstück ging es los. Erstmal bis Medenbach, dort warteten Martina und Simone mit weiteren Sachspenden, Kaffee und lecker Blaubeer-Muffins auf uns. Also Sachspenden einladen, Kaffee trinken, Muffins essen und wieder auf die Autobahn.

Wir kamen super durch, keine Staus und angenehmes Fahrwetter und so waren wir gegen 20:00 Uhr in Miskolc am Hotel.

Dort trafen wir Nina, weil sie diesmal netterweise eine Pension, die einer Freundin gehört und in der wir umsonst übernachten konnten, für uns organisiert hatte. Nina zeigte uns den Weg zur Pension und wir bezogen unsere Zimmer.

Am Samstagmorgen holte uns Nina an der Pension ab und wir fuhren mit ihr erstmal zum neuen Tierheim.

Wenn man ungarische Tierheime kennt, ist das neue Tierheim einfach nur beeindruckend. Das Hauptgebäude ist sehr gut geplant und es ist an alles mögliche gedacht worden. So dass es für sämtliche Abläufe möglichst kurze Wege gibt.

Es gibt eine große Garage, die auch als Futterlager dienen soll und von dort gelangt man ohne Umwege in die Futterküche.
Direkt neben dem Eingangsraum befindet sich ein Raum, um die neu ankommenden Hunde zu waschen. Dort gibt es eine extra "höhergelegte" Badewanne, so dass man sich beim Waschen nicht ständig bücken muss. (Sehr praktisch, vielleicht sollte ich unser eigenes Badezimmer auch noch mal umplanen ;-) In diesem Raum ist auch die Krankenstation untergebracht und von dort kann man entweder zum OP-Raum gelangen oder zu den Quarantäne-Zwinger für die - dann gewaschenen - Neuankömmlinge.

Bei dem Bau mussten auch eine Menge Auflagen und Vorschriften erfüllt werden. Leider nicht so sehr für die Hunde, sondern für die Menschen, die dort arbeiten und vor allem für die zukünftigen Besucher des Tierheims. So gibt es unter anderem getrennte Umkleide- und Sanitärräume für männliche und weibliche Mitarbeiter und eine Behindertentoilette, falls mal ein Rollstuhl fahrender Besucher ins Tierheim kommen sollte. Eine weitere, noch zu erfüllende Auflage ist der Bau eines eigenen Löschwasserreservoirs.

Der Innenausbau des Hauptgebäudes soll Ende dieser Woche abgeschlossen sein.

Das Zwingergebäude ist bereits fertig und alle Hundehütten sind gebaut. Die Arbeiter einer Holzfirma, die in ihrer Freizeit die Hütten gebaut haben, werden am 15. März (ungarischer Feiertag) wieder ihre Freizeit "opfern" und noch mal kommen, um die Hütten zu streichen bzw. zu ölen.

Zwei erste Bewohner, die auch schon probeliegen in den neuen Hütten, gibt es bereits ;-)

Dann ging es zurück zur Pension, um den Transporter abzuholen, dann zum alten Tierheim, um die mitgebrachten Sachspenden auszuladen. Auf dem Weg dahin gab's noch einen kleinen Zwischenstop, bei Nina zuhause. Sie musste sich noch kurz um die bei Ihr untergebrachte Hundefamilie kümmern. Da waren dann Esbeta und ihre 10 kleinen Welpen, die natürlich alle, während Nina den Zwinger säuberte, raushüpften und um uns herum wuselten.
Als Nina fertig war, hatten wir alle Hände voll zu tun, die niedliche Rasselbande wieder vollständig einzusammeln und sicher in ihrem Zwinger unterzubringen.

Endlich am alten Tierheim angekommen, war ich dann, obwohl ich es nun schon lange von Bildern her kannte, doch etwas geschockt. Gerade im direkten Vergleich zum neuen Tierheim, mit all seinen Auflagen und Vorschriften, ist es schon erschreckend zu sehen, unter welchen Umständen dort sowohl die Tiere leben als auch die Mitarbeiter arbeiten müssen. Da gibt es einen Container, der ist Büro, Aufenthaltsraum und Umkleideraum in einem und der Waschraum ist eine Schüssel unter freim Himmel, mit Wasser, das in Kanistern mitgebracht wird.

Das Gelände rutscht ständig weiter ab, so dass momentan zwischen den Container und dem rutschenden Abhang nur noch wenige Meter liegen und die unteren Zwingern nur über einen bukligen und bei Regen sicher auch total matschigen Pfad zu erreichen sind.

Nachdem wir die Sachspenden ausgeladen hatten, ging es dann endlich zu den Hunden. Da waren sie alle, die ich bislang nur aus dem Internet kannte. Saßen in ihren Zwingern, streckten die Köpfe durch den Zaun und bellten in freudiger Erwartung, dass man endlich auch zu ihnen kommen würde, ihnen Leckerchen geben würde und vor allem die ersehnten Streicheleinheiten. Ich hätte gern mindestens zehn Hände mehr gehabt, um auch ja keinen zu vergessen oder zu vernachlässigen.

Aber leider ist gar nicht soviel Zeit, allen gerecht zu werden, und so konzentrierte ich mich ein wenig mehr auf die, von denen man denkt oder weiß, dass sie nur sehr wenig Chancen auf ein Zuhause haben.

Da war Buddy, der als Staff-Mix leider die falschen Eltern hatte und mit der Rasse noch nicht einmal nach Deutschland gebracht werden darf. Nachdem ich das erste Mal vor seinem Zwinger gesessen und mit ihm geschmust hatte, stand er jedes Mal freudig wedelnd und wartend am Zaun, sobald er mich auch nur in der Ferne erblickte. Zu ihm musste ich einfach immer wieder hingehen.

Oder der alte Schäferhund. Er ist erst vor kurzem gefunden worden und noch nicht in der Vermittlung. Ihm tun wohl sämtliche Knochen weh und er konnte nur sehr schwerfällig aufstehen und nur langsam gehen. Die zugigen Zwinger und das kalte Wetter, das zur Zeit auch in Ungarn herrscht, tun ihm bestimmt nicht gut.

Natürlich gab es zwischendurch auch noch die Hundefoto- und Video-Termine. Ich hoffe, die neuen Bilder und Videos helfen den Hunden in der Vermittlung ein wenig, endlich ihr neues Zuhause zu finden.

Gegen 16:00 Uhr fuhren wir zurück zur Pension. Wir machten uns kurz frisch und ruhten uns ein wenig aus, um dann von Nina zum Abendessen abgeholt zu werden. Wir fuhren in ein belgisches Brauhaus, haben lecker gegessen und uns noch über die Hunde, das alte und das neue Tierheim und über Ungarn im Allgemeinen unterhalten.
Aber egal, wie viel es zu erzählen gibt, lange kann so ein Abend nicht werden, denn am nächsten Morgen klingelt der Wecker mal wieder um 4:00 Uhr früh.

Sonntagmorgen waren wir um 5:00 Uhr im Tierheim und die glücklichen, die nun auf die Reise in ihr neues Zuhause oder ihre Pflegestelle gehen durften, wurden aus ihren Zwingern geholt und in ihre Transportboxen geladen.

Und dann ging's auf die Heimreise. Bei Budapest gab es noch eine kurzen Stop. Dort warteten Gizi und Imre mit ihren Hunden aus Cegled, die auch noch zugeladen wurden, auf uns. Leider fehlte Rudi, da er plötzlich sehr schlimm erkrankt war und so auf keinen Fall reisen konnte. Hoffentlich wird er bald wieder gesund und kann dann doch noch in sein Zuhause nach Deutschland reisen.

Vom Rest der Faht gibt es nicht mehr viel zu erzählen. Die Autobahn war staufrei und von dem Schneechaos, das wohl Freitagabend und Samstag in Österreich und Süddeutschland geherrscht hatte, sahen wir nur noch die riesigen Schneemengen am Straßenrand.

Wir kamen zügig voran und erreichten erstaunlicher Weise alle unsere Haltepunkte fast pünktlich. An unserm Endziel, die Raststätte Ohligserheide, fuhren wir zur Verwunderung aller Wartenden sogar auf die Minute genau vor ;-)

Es ist ein schönes Gefühl, nicht nur zu wissen, dass es den mitgebrachten Hunden nun viel besser gehen wird, sondern auch die glücklichen Gesichter der wartenden neuen Besitzer zu sehen, wenn man ihnen ihren Hund übergibt.

Und wie alle anderen, ja auch ich werde es wieder tun, nach Ungarn fahren, um Hunde dort abzuholen und nach Deutschland zu bringen.

Astrid Flörchinger 10.03.2010


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