Reisebericht Miskolc (Ungarn) vom 10.-12.04.09
von Cani F.A.I.R.

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Für mich ist es schon fast Tradition, mein Osterfest in Ungarn zu verbringen und auch dieses Mal war Margit mit von der Partie und erstmalig unser versiertes Pflegefrauchen Silvia, die endlich mal schauen wollte, wo die ganzen Pflegis denn eigentlich herkommen.
Silvia reiste schon am Vorabend bei mir an, ihren Irischen Wolfshundmix Finn im Gepäck, der die Ostertage bei meinem Mann Carsten und unserem Rudel verbringen würde.
Margit traf dann am Freitag um 04:45 Uhr auf unsere kleine Reisegesellschaft und so ging es super pünktlich um 5 Uhr auf in Richtung Ungarn.

Schon nach 45 Minuten Reise bekamen wir weiteren Zuwachs in Gestalt der kleinen blinden Pumi, die wir für einen anderen Tierschutzverein mit in Richtung Bayern nehmen wollten, damit sie dort ihr Gnadenbrotzuhause erreicht.

Weitere 45 Minuten später bereits der nächste Stopp in Medenbach, wo uns gleich ein ganzes Komitee mit tollen Sachen erwartete.
Simone Schrader und ihr Mann brachten jede Menge Futter und tolle Hundekekse, Gisela Willig und ihr Partner hatten uns einen ganz professionellen OP Tisch und eine OP Lampe mitgebracht, sowie jede Menge weiterer medizinischer Nützlichkeiten.

Leider konnten wir aufgrund des hohen Gewichts nicht alles mitnehmen und so warten noch viele Kanister Desinfektionsmittel darauf, bei der nächsten Fahrt mit nach Ungarn zu fahren.
Last not least war Alexandra Glock mit dabei, der wir den tollen OP Tisch und die Lampe zu verdanken haben. An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank dafür!

Weiter ging es zum Bayerischen Wald, wo die kleine Pumi ihrer Brückenfahrerin übergeben wurde, die sie in ihr Zuhause bringen würde.

Problemlos und bei sommerlichen Temperaturen sind wir dann um 21:45 Uhr am Hotel angekommen, wo Nina für uns Pizza und kaltes Bier organisiert hatte. Man glaubt kaum, wie schön so was nach 17 Stunden Fahrt ist :-).

Um 9 Uhr sind wir zusammen mit Nina zum Tierheim gefahren. Wir wurden schon sehnlichst erwartet und sehr nett empfangen. Nach der ersten schnellen Tierheimrunde ging es zunächst an das Entladen des Wagens, bis auf die Dinge, die in der Stadt gelagert werden mussten.
Es gab ganz große Augen bei den vielen tollen Spenden, die wir im Gepäck hatten. Besonders Tierärztin Angela kam diesmal auf ihre Kosten.

Den mitgebrachten Computer nebst Drucker und Scanner haben wir bei Nina im Büro untergestellt und den OP Tisch und die Lampe durften wir in der Fa. eines Bauunternehmers unterstellen, der im Moment den Bau des neuen Tierheims kostenfrei unterstützt aber dazu später noch etwas mehr.

Der nächste Stopp was der lokale Fressnapf, bei dem wir knapp 800 kg Futter abholen konnten, welches wir vorbestellt hatten. Dank dieses Futters bekommen die Hunde inzwischen wesentlich weniger ausgekochte Schweineknochen und für die Helfer ist es einfacher, das Futter zu verteilen.

Endlich war dann um Mittag herum, Zeit für die Hunde. Wir sahen viele alte aber auch neue Gesichter, haben Fotos gemacht von Kandidaten, die schon viel zu lange warten, gestreichelt und Leckerlis verteilt.


Tessy, jetzt Dulce

Margit und Silvia konnten nicht anders und haben sich jeweils einen Pflegehund ausgesucht. Silvia hat ihr Herz an Tessy verloren und Margit hat sich in Star verguckt. Beide Hündinnen waren glücklicherweise bereits kastriert und geimpft und der fehlende Microchip würde von Angela noch vor Fahrtbeginn gesetzt werden.
Die kleine Star hat sich leider geschickt meinen Fotokünsten entzogen.

Man kann die Hunde eigentlich in ein paar wenige Gruppen aufteilen, wenn man so durch das Tierheim geht:

die gut vermittelbaren Hunde, bei denen man sicher ist, dass sie schnell tolle Zuhause finden, die, die sich schwer tun werden und die, von denen man weiß, dass alle Bemühungen wahrscheinlich umsonst sein werden und dass diese Tiere ihr Leben im Tierheim beschließen werden.
Natürlich gibt man auch diese Tiere nicht auf aber man widmet sich ihnen mit einem Kloß im Hals, weil man weiß, dass man wahrscheinlich scheitern wird. Hier ein paar besonders einprägsame Kandidaten, stellvertretend für die vielen anderen:

warten schon sehr lange:


Ancsi

 

Elena

 

Mendy

 

Böbe

Turcsi

die Senioren:


Nándi

Marci

 

und die ohne Aussicht auf Rettung:


namenloser blinder Schäferhund

 

blinde Rottihündin Bella

 

Morszi

 

Leider rutscht das alte Tierheimgelände immer weiter ab, sodass vom alten Gebäude weitere Wände eingestürzt sind und man erwartet bald auch den Einsturz der verbliebenen Wände, weswegen einige Zwinger evakuiert werden müssen, weil die schiefen Mauern zu dicht an den Zäunen stehen. Das Ganze ist inzwischen für Mensch und Hund eine wirkliche Gefahr und die Helfer müssen sehr aufpassen, dass sie sich nicht verletzen.


Bullyzei

Um 16:30 Uhr, nachdem wir kaum noch Eindrücke aufnehmen konnten und etwa 180 Fotos gemacht hatten, ging es weiter zum neuen Tierheim. Seit der letzten Fahrt hat sich leider noch nicht viel getan, weil nach wie vor etwa 25000 Euro fehlen aber zumindest wurde von dem helfenden Bauunternehmen schon ein Teil des Bodens begradigt und das Gelände ist eingezäunt, sodass die beiden super lieben "Wachhunde" dort frei laufen können.

Von Nina wurde nochmals ein riesen Dankeschön mit nach Deutschland geschickt an die Zwingerpaten, die so sehr geholfen haben, den Bau voran zu treiben.
Alle Dankeschön Schilder liegen schon bereit und können hoffentlich bald an die ersten fertigen Zwinger geschraubt werden.

Am Abend wurden wir von Nina und ihrem Mann zum Essen eingeladen und konnten noch mal über die vielen Eindrücke sprechen. Im Gespräch kam heraus, dass ein großer Mangel an Spot on Präparaten in Ungarn besteht und wir wurden gebeten, nach möglichen Quellen zu suchen für Frontline und Advantix. Beides wird ständig in großen Mengen gebraucht. Auch abgelaufene Ampullen, die nicht älter als ein Jahr sind, werden gerne genommen.
Sehr nett fand ich, dass man uns aber im gleichen Satz versichert hat, dass für unsere reisenden Hunde niemals abgelaufene Produkte verwendet werden. Selten habe ich gesehen, dass man sich so große Mühe gibt die Hunde so gut es irgendwie geht, auf die Reise vorzubereiten.

Um 21:30 Uhr ging es in die "Falle" und wie stellten fest, dass man auch in den unbequemsten Betten schlafen kann, wenn man nur müde genug ist. Um 03:30 Uhr war die Nacht dann vorbei und um kurz nach 4 Uhr standen wir zum Einladen am Tierheim parat.

Man hatte eine kleine Flutlichtanlage organisiert und Dank des tollen Dauerlichts, welches uns Familie Paprotny eingebaut hatte, konnten wir die Tiere gut und schnell einladen. Erstmals zeigte sich auch, wie toll die neuen Regale für die Boxen uns die Arbeit erleichtern werden, denn alles stand fest und sicher, war schnell befestigt und es bestand keinerlei Gefahr, dass eine Box kippt oder Ähnliches. Auch hier noch mal ein riesen Dankeschön, weil uns die viele Neuerungen im Wagen, das Leben extrem erleichtert haben.

Um 05:30 Uhr konnten wir starten Richtung Budapester Ring, wo wir uns mit Gizi, Imre und Janos aus Siofok treffen wollten, um weitere Hunde aufzunehmen.
Pünktlich um 07:45 Uhr waren wir dort und es stiegen der unglaublich tolle und liebe Apollo und Lili aus Siofok zu, sowie Linda, Joschi und Nessy aus Cegled.
Leider ging es Linda extrem schlecht. Ihre Kastration war nicht gut gelaufen und sie wurde vor der Fahrt erneut operiert, sodass wir im Zweifel waren, ob die Süße mit uns fahren kann. Wir haben uns dann aber aufgrund der besseren medizinischen Möglichkeiten in Deutschland für die Mitnahme entschieden und während der gesamten Fahrt gut auf Linda aufgepasst.
Es sei noch gesagt, dass Linda am Ostermontag noch mal unter's Messer musste aber dass sie Dank ihrer Familie inzwischen auf dem Weg der Besserung ist. Wir danken Lindas Familie sehr für das Verständnis und die tolle Betreuung, die die Maus jetzt genießen darf.

Auf der Rückfahrt haben wir uns ausnahmsweise nicht über das gute Wetter gefreut, denn es war sehr warm, was für die Tiere natürlich eine zusätzliche Belastung darstellt. Dank der neuen Temperaturanzeigen für den Laderaum konnten wir immer genau überprüfen, wie es bei den Tieren aussah und haben entsprechend viele Pausen gemacht und sehr viel Wasser verteilt.
Die Welpen taten sich anfangs schwer und wollten nicht so recht trinken, wenn wir das wollten aber mittels Einwegspritze, Elektrolytpulver und viel Überredungskunst haben wir die Mäuse versorgen können ohne das ein gesundheitliches Risiko zu befürchten war. Wir freuen uns aber schon jetzt, dass wir bald Dank neuer Klimaanlage, vor solchen spontanen Temperaturanstiegen keine Angst mehr haben müssen.

Unsere gute Reisezeit hatte in Deutschland leider ein jähes Ende, da wir beim Wässern der Hunde von der Polizei kontrolliert wurden und man uns fast 3 Stunden nicht weiter fahren ließ.
Wir wurden bereits in Österreich kontrolliert, was nach 10 Minuten erledigt war aber die deutschen Kollegen hatten leider andere Pläne mit uns und hatten auch kein Mitleid mit den Tieren, für die das am Schlimmsten war. Uns unverständlich ist, dass in der langen Wartezeit nichts kontrolliert wurde, sondern die Polizisten Eis gegessen haben und uns einfach haben stehen lassen. Der angekündigte Veterinär kam nicht, sondern lediglich ein Einsatzwagen mit mobilem Kopiergerät, mit dem man die 2 Seiten der Transportpapiere kopiert hat. Danach durften wir dann endlich die Reise fortsetzen. Wir sind immer froh, wenn Tiertransporte kontrolliert werden und finde das super wichtig aber diese Kontrolle hat bei uns doch einen negativen Eindruck hinterlassen und das Gefühl, willkürlich festgehalten worden zu sein.

Netterweise hatten alle Abholer viel Verständnis und haben sehr geduldig auf ihre Vierbeiner gewartet. Wir haben uns für jeden gefreut, der aussteigen durfte in sein neues Leben.

Kurz vor Schluss ist mir dann leider doch noch genau das passiert, was ich auf alle Fälle vermeiden wollte, denn ich habe 2 unserer schwarzen Babies verwechselt. Die arme Familie von Amarilla hat wahrscheinlich erstmal einen riesen Schreck bekommen, als nur noch ein kleiner Rüde an der Endstation dabei war. Nach 18 Stunden war wohl meine Konzentration doch etwas in Mitleidenschaft gezogen.
Gottseidank konnten wir die Verwechslung aber schnell klären und super lieb und hilfreich war die spontane Bereitschaft der Familie, die Welpen noch in der Nacht selbst zu tauschen und noch nach Köln zu fahren. Auch dafür ein großes Dankeschön. Ich wäre natürlich auch selbst noch mal nach Köln zurückgefahren, war aber total froh, dass das nicht nötig war.

Um 24 Uhr war dann die diesjährige Osterfahrt für uns zu Ende und 36 Hunde und eine Katze hatten den Weg ins neue Zuhause oder in die Pflegestelle geschafft.

Wir hoffen, dass alle sich gut einfinden werden und wünschen einen guten Start.

Alle Fotos finden Sie unter:

picasaweb.google.de/schuebsi/MiskolcOstern2009?authkey=Gv1sRgCMi588q1yKSlGQ#

Petra Schubert / 14.04.2009


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