Tierschutzfahrt nach Ungarn/Miskolc vom 14.-16.11.2008

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Mit an Bord: Inka Wendel, Reinhold Riesenbeck und Ilka Bettien.

Freitag Morgen, 5:00 Uhr Niederroßbach im Westerwald. Hier beginnt meine zweite Fahrt nach Miskolc. Reinhold und Ilka kamen bereits am Donnerstag Abend und übernachteten bei mir, damit wir Freitag Morgen zusammen los fahren können. Der Transporter ist bepackt mit vielen Sachspenden, Futter und Medikamenten für die Tiere. Es sind so viele Sachen zusammen gekommen von netten Menschen, die das Tierheim unterstützen wollen. Unter anderem habe ich vom Fressnapf in Rennerod ca. 200 kg Futter bekommen! Vielen Dank hier noch einmal an alle Spender!

Dann ging es los, den ersten Stopp hatten wir bereits an der Raststätte Weiskirchen, wo Simone und Stefan auf uns warteten. Ihre Autos waren bis unters Dach mit weiteren Sachspenden bepackt, die wir rasch umluden. Simone hatte außerdem noch Geschenke für die Ungarn dabei.
Dann ging es weiter, bis zur Grenze Österreich. Dort wartete Ines Holzer mit Medikamenten fürs Tierheim auf uns. Die Fahrt verlief ansonsten ohne Probleme, wir lagen gut in der Zeit, wechselten uns mit dem fahren ab und hatten uns viel zu erzählen.

Die Strecke in Ungarn zog sich trotzdem wie Kaugummi. Man darf nur 80 km/h fahren, um Budapest gab es wieder Stau und es wurde ca. 22:00 Uhr, bis wir im Hotel ankamen. Erschöpft und müde fielen wir in die Betten. Am nächsten Morgen, ausgeschlafen und frisch gestärkt, holte Nina uns dann am Hotel ab und wir fuhren ins Tierheim. Es war den ganzen Tag sehr neblig, was man deutlich auf einigen Bildern sehen kann.
Wir machten uns direkt ans Ausladen, die Ungarn freuten sich wieder über die vielen tollen Sachen, die wir für die Hunde und auch für sie an Bord hatten. Es gab nämlich unter anderem Arbeitsschuhe für die Helfer, die ihnen netterweise gespendet wurden. Da war die Freude groß und sie wurden direkt anprobiert und nicht mehr ausgezogen.

Sachspenden für das Tierheim in Ungarn Sachspenden für Hunde in Not in Ungarn

Danach fuhr ich mit Nina nach Miskolc. Dort wollten wir von dem gespendeten Geld Futter für die Hunde kaufen. Wir mussten bar bezahlen, was hieß: Erst mal auf die Bank und Geld tauschen.

Hunde-Denkmal in Miskolc Ungarn

Mitten in der Fußgängerzone war ein Denkmal, welches einem Hund Namens Mancs gewidmet ist. Er hat scheinbar vielen Leuten das Leben gerettet.

Es ist schon sonderbar, wenn man sieht, daß die Menschen dort einerseits das Denkmal mit Blumen und Kerzen beschmücken und es andererseits noch so viel Elend und Leid unter den Hunden gibt.

Miskolc ist eigentlich eine sehr schöne Stadt, allerdings ist sie sehr dreckig. Nina erzählte mir, daß es dort sehr viele Obdachlose gibt, die den Müll nach etwas Brauchbarem oder Essbarem durchsuchen. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch und es gibt ganz viele Zigeuner dort.

Miskolc in Ungarn Die Stadt Miskolc in Ungarn

Dann fuhren wir in einen Laden, wo wir für das Geld ganz günstig Futter erwerben konnten. Das Gute ist auch, das das Futter dort lagern kann und die Mitarbeiter es erst holen, wenn sie es brauchen.

Im Tierheim ist kaum Platz zum lagern und es gibt mittlerweile einige kleine Mitesser dort, die wir allerdings nicht mit durchfüttern wollen: Mäuse!

Futterspenden für das ungarische Tierheim

Danach ging es dann ins neue Tierheim, da hatte sich schon wieder einiges getan und ich habe ein paar Bilder gemacht. Die ersten Hunde sollen bereits Ende des Jahres dort einziehen können. Es geht also mit großen Schritten voran, auch dank der vielen netten Menschen, die eine Zwingerpatenschaft übernommen haben.

Im Haupthaus wird es unter anderem einen Schulungsraum geben, damit dort Schulklassen über den Tierschutz vor Ort aufgeklärt werden können. Man möchte schon den Kindern beibringen, wie wichtig der richtige Umgang mit Tieren ist.
Es wird dort ein Behandlungszimmer geben, eine Quarantänestation und ein Krankenzimmer für die Tiere. Ein Büro, eine kleine Küche und sogar Schlafräume, unter anderem für uns, wenn wir vor Ort sind, werden gebaut.

Tierheim in Ungarn will Tierschutz-Aufklärung vor Ort anbieten

Das Gelände wird dann später komplett eingezäunt sein, ich kann es mir schon bildlich vorstellen, wie es aussieht wenn alles fertig ist.

Die Hunde werden in kleineren Gruppen gehalten, es wird weniger Beißereien geben und sie haben ein richtiges Dach über dem Kopf und sind nicht mehr jeder Witterung ausgesetzt.

Bau des neuen Tierheims in Miskolc Ungarn Neues Zwingergebäude im Tierheim in Ungarn
Das neue ungarische Tierheim in Miskolc Neues Hauptgeäude im Tierheim mit geplanter Quarantänestation und Krankenzimmer

Als wir dann endlich zurück ins Tierheim kamen, hatten Ilka, Reinhold und die Tierheimmitarbeiter schon die Boxen zusammen gebaut und wir machten uns daran, sie im Transporter zu verstauen. Das ist immer die meiste Arbeit, denn es muß genau geschaut werden, welcher Hund welche Box bekommt und alles muß sicher fixiert werden, damit wir am Sonntag morgen die Hunde schnell einladen können und die Boxen gesichert sind für die lange Fahrt.

Und nun hatte ich endlich Zeit, einen Rundgang zu machen um mir die Hunde anzusehen. Es waren wieder so viele herzzerreißende Blicke, die mich trafen, als wollten die Hunde sagen, nimm mich mit, hol mich hier raus. Manche standen nur da, schauten einen traurig an, andere versuchten den Kopf durchs Gitter zustecken um wenigstens eine kurze Streicheleinheit abzubekommen oder ein Leckerli. Wir hatten viel zu wenig Hände und auch zu wenig Zeit, denn es fing schon wieder an dunkel zu werden.

Das alte ungarische Tierheim in Miskolc Hunde in Not im Tierheim in Ungarn
Hunde im ungarische Tierheim in Miskolc Hunde im Tierheim in Ungarn
Herzzerreissende Hunde-Blicke im Tierheim Hol mich hier raus!
Hunde im ungarische Tierheim in Miskolc Hunde im Tierheim in Ungarn

Ganz besonders hatte es mir diesmal Bors Máté angetan, der wegen seiner Unverträglichkeit mit anderen Hunden einsam an einer Hütte angebunden ist. Bors war schon ganz heiser vom vielen bellen, denn eigentlich wollte er doch auch alles mitbekommen. Er ist allerdings etwas unsicher, wenn man zu ihm geht. Er will ja schon gerne gestreichelt werden, ihm fehlt nur noch etwas mehr Mut, damit er es auch genießen kann.

Bors Máté: Kettenhund im ungarische Tierheim Einsamer Hunde im Tierheim in Ungarn
Kettenhund lässt sich streicheln

Ich bin dann zu ihm und er hat mir ganz vorsichtig und schüchtern seine Pfote gegeben und mir zugehört. Streicheln ließ er sich auch von mir, obwohl er der Sache nicht so ganz traute. Hörte ich aber auf, stupste er mich vorsichtig an, damit ich weiter mache. Sein Hinterbein wurde operiert, da es nach einem Bruch falsch zusammen gewachsen ist. Mittlerweile ist der Gips ab, aber es sieht noch nicht so super aus.
Er bräuchte dringend ein Zuhause, wo man sich gut um ihn kümmert. Ich bin mir sicher, daß er ganz schnell seine Angst und Scheu verlieren wird und dann ein ganz anhänglicher, lieber Hund aus ihm wird. Nur sollten keine anderen Hunde im Haus sein und am besten auch keine kleinen Kinder, damit es für Bors nicht zu hektisch und laut wird. Vielleicht kennt ja jemand so einen Platz? Ich würde mich sehr für ihn freuen.

So ging der Tag im Tierheim recht schnell um, wie immer. Man könnte noch stundenlang von Zwinger zu Zwinger gehen und die Hunde streicheln. Wir wollten schon langsam ins Hotel aufbrechen, als Nina mich ganz aufgeregt zu sich rief. Ich lief hin und sah alle um einen Karton stehen.

In dem Karton lag ein kleiner Welpe, ca. 3 Monate alt, der von einem Auto angefahren wurde. Zum Glück fand ihn jemand und brachte ihn ins Tierheim. Wenig später wäre es dunkel gewesen und man hätte ihn am Straßenrand liegend nicht mehr gesehen.

Der kleine Kerl, den wir später Felix tauften, muß sehr große Schmerzen gehabt haben, sein Beinchen war total zertrümmert und kann wohl nicht mehr gerettet werden. Er zitterte am ganzen Körper und hatte riesengroße Angst. Angela, die Tierärztin gab ihm sofort was gegen die Schmerzen und behandelte ihn.

Verletzter Welpe im Tierheim in Ungarn
Ausgesetzter Welpe im ungarische Tierheim Welpe von einem Auto angefahren im Tierheim in Ungarn

Ich hoffe, daß es Felix nun besser geht, wir werden in jedem Fall berichten, wenn wir was aus Ungarn hören.
 

Tierschützer in Ungarn: Gemütliches Abendessen

Dann fuhren wir ins Hotel und machten uns etwas frisch, denn Nina und Angela hatten uns Abends zum Essen eingeladen. Wir saßen in gemütlicher Runde zusammen und erzählten uns einige Geschichten. Natürlich ging es da meist um die Hunde.

Als das Essen kam, gab es Gelächter, denn scheinbar gibt es in Ungarn nur XXL Gerichte. Wie schon beim letzten Besuch die Riesen-Pizza, hatte ich nun ein Riesen- Schnitzel vor mir auf dem Teller. Ich schaffte gerade mal ein viertel, den Rest nahmen wir mit und haben es am nächsten Tag auf der Heimfahrt gegessen. So sind wir alle noch mal satt geworden.

Verletzter Welpe im Tierheim in Ungarn

Müde und satt fielen wir dann in unsere Betten, am nächsten Morgen hatten wir uns für vier Uhr im Tierheim verabredet. Es war sehr neblig und kalt. Angela, Livia und Zoltan erwarteten uns und wir begannen die Hunde einzuladen. Alles klappte gut und gegen halb sechs konnten wir die lange Heimreise starten. Der Nebel wurde immer schlimmer und wir kamen nur langsam voran. Die Strecke in Ungarn zog sich wieder wie Kaugummi. Ab und zu kam dann doch mal die Sonne hervor, aber der Nebel war sehr hartnäckig. Dann hatten wir unseren ersten Stopp, kurz vor Budapest und trafen Gizi und Imre, die uns noch ein paar Passagiere übergaben. Wir konnten uns leider nicht lange aufhalten, wir wollten ja zügig weiter kommen.

In Österreich hatten wir dann mit heftigem Wind zu kämpfen, weshalb wir auch nicht so schnell fahren konnten. In Deutschland kam dann noch Regen dazu, es war also alles an Wetter dabei, außer Schnee, zum Glück! In Würzburg warteten dann die ersten Familien auf ihre neuen Mitbewohner. Es hatte sich leider alles etwas verzögert, aber die meisten hatten doch Verständnis dafür und waren froh und glücklich ihre Hunde in Empfang nehmen zu können. Gegen 0:00 Uhr kamen wir endlich an der letzten Raststätte der Ohligser Heide an, wo die letzten Hunde aussteigen sollten. Der Regen hatte auch nachgelassen und alles hat so weit gut geklappt. Die Hunde waren froh endlich raus zu kommen, obwohl manche das wohl erst hinterher gemerkt haben. Einige waren so ängstlich und trauten sich erst nicht aus ihrer Box. Mit etwas Überredungskunst schafften wir es aber bei allen. Ich hoffe, daß es allen Hunden gut geht und daß alle Frauchen und Herrchen glücklich und zufrieden mit ihren neuen Vierbeinern sind.

Inka Wendel November 08

 

Ilka hat noch einen kleinen Film zusammengestellt, der ein paar Eindrücke aus dem Tierheim in Miskolc wiedergitb.

Den Film "Hilfe für Hunde in Ungarn" finden Sie hier.


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