Bericht: Tierschutzfahrt
nach Miskolc / Ungarn (26.-28.09.2008)

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Unsere Fahrt begann um 06:00 Uhr ab dem Rasthof Medenbach. Dort traf sich Gisela mit Inka Wendel, die bereits eine Stunde zuvor im Westerwald gestartet war. Wir luden noch schnell ein paar Hilfsgüter um und starteten Richtung Kriftel (bei Frankfurt) um Attila unseren 3. Fahrer mit aufzunehmen. Der erste Schock fuhr uns in die Knochen, als auf dem Weg nach Kriftel beim Blinken unseres Autos das Licht ausging. Da es nur wenige Sekunden aus war, fuhren wir weiter.

Attila wartete bereits auf uns. Sogleich wurde er über das Lichtproblem unseres frisch aus der Werkstatt kommenden Leihwagens informiert. Die Fahrt konnte beginnen, jetzt waren wir komplett. Kaum waren wir hinter Frankfurt, packte Attila seinen Kamillentee aus, den er recht dezent in einer Southern Comfort Flasche abgefüllt hatte. Wir bekamen das magenfreundliche Getränk von ihm angeboten, konnten uns aber einfach nicht überzeugen lassen.

Weiter ging die Reise mit fahren, tanken, essen und natürlich dem Toigang. Kurz vor Wien legten wir unsere Mittagspause ein. Es war sehr kalt und beim Essen froren uns die Hände ein. Weiter ging es Richtung Budapest. Attila packte ungarische Musik aus, um uns auf seine Heimat einzustimmen.

Inka, die bei ihren anderen Ungarnfahrten immer die Landesgrenze bei Dunkelheit passierte, wollte nun unbedingt den Tule-Adler bei Tageslicht sehen. Dieses mal war es hell, aber Inka hat ihn leider verschlafen.

Bei Budapest kamen wir auf der neu eröffneten Straße M0 (seit einer Woche geöffnet) in einen riesen Stau. Fast zwei Stunden haben wir mit Stop and Go verbracht. Nach Budapest hatten wir dann endlich wieder freie Fahrt. Auf dem weiteren Weg erzählte uns Attila einiges zu den Städten, die wir auf dem Weg nach Miskolc passierten. Wir erfuhren den Lieblingsort von Kaiserin Sissi, wo das berühmte Sauerkraut herkommt und die Stadt ist, wo fast alle Waisenkinder Ungarns damals aufgewachsen sind. Diese Reiseführung erleichterte uns die letzten zwei Fahrtstunden zu ertragen, die sich wie ein Gummiband hinzogen. Wie wenn man auf uns wartete wurden wir mit einem Feuerwerk in Miskolc empfangen.

Nina vom Tierheim hatte sich bereits mehrfach bei uns telefonisch gemeldet und uns nach unserer Ankunft befragt. Sie bestellte uns eine Pizza und Bier, dass wir im Hotel bekommen würden. Nach kurzem Suchen fanden wir auch das Hotel. An der Rezeption wartete die bestellte Pizza. Wir gingen von einer normalen Größe aus. Tatsächlich hatte Nina uns eine XXXXL-Pizza bestellt. Attila liess uns mit der Riesenpizza alleine, da er bei seinem Onkel übernachtete. Dieser holte ihn am Hotel ab. Dessen kleiner Hund Stimpi und seine Nichte waren ebenfalls dabei. Wir waren einfach nur müde und gingen sofort schlafen.

Hotel in Ungarn

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück trafen wir uns um 09:00 Uhr mit Nina vor dem Hotel. Attila war mit seinem Onkel, Stimpi und seiner Nichte auch schon da. Wie schön, einen so tollen Übersetzer dabei zu haben. Dann fuhren wir zum Tierheim.

Jeder von uns hatte eine Vorstellung, wie das Tierheim und seine Bewohner aussieht. Wir alle kannten die Bilder, die auf der CaniFAIR-Seite sind. Aber dies nun "live" zu sehen war ganz anders.

Zunächst fährt man an den Außenbewohnern des Tierheims vorbei, den "Kettenhunden".

Zwinger-Hunde im ungarischen Tierheim Hunde im Zwinger im Tierheim in Miskolc

Dann kommen direkt die Zwinger und ein paar wenige gerade noch intakte Tierheimgebäude, wo Futter, Wasser, Decken und Baumaterial, eine Krankenstation, sowie die Verwaltung untergebracht sind. Geht man daran vorbei, kann man den Erdbebenschaden sehen, der das Tierheim auf zwei Etagen geteilt hat. Eine abenteuerliche Treppe führt zu den unteren Zwingern.

Als Erstes haben wir die mitgebrachten Sachspenden ausgeladen. Eines der Highlights war das Narkosegerät auf das sich Angela besonders freute. Nina machte vor Freude einen Luftsprung und war total "aus dem Häuschen". Außerdem zeigte man uns sofort das Baumaterial für neue Hundehütten, das vom gespendeten Geld gekauft werden konnte. Mit dem Bau von Hütten wurde bereits begonnen, diese sollen zum nächsten Winter einzugsbereit sein.

Sachspenden für das Tierheim in Ungarn Sachspenden für das osteuropäische Tierheim

Selbstgebaute Hundehütten für im Tierheim in Miskolc Bau von Hundehütten im Tierheim in Ungarn

Gisela hatte Geldspenden gesammelt und konnte Inka zu den 500,- Euro Einkaufsgeld für Futter von Canifair noch 340,- Euro drauflegen. Danke an alle, die uns dies durch ihre Spende ermöglicht haben! So konnte eine große Menge an Futter gekauft werden, was stets dringend gebraucht wird.

Als Inka mit Attila und Nina das Futter kauften, baute Gisela mit den Tierheimmitarbeitern und Attila's Onkel und Nichte die Transportboxen zusammen und prüften, ob die Boxen für die vorgesehenen Hunde auch groß genug waren. Zwischendurch kam noch ein Tank-LKW mit Wasser für das Tierheim. Bei etwas für uns so Selbstverständlichem, einfach aus dem Wasserhahn kommenden "Kleinigkeit" wie Wasser, dass hier per LKW angeliefert werden muss, wird einem erst bewusst, was für eine riesen Arbeit in der Unterhaltung dieses Tierheims steckt.

Wassertransport für die Not leidenden Hunde Hunde im osteuropäischen

Als die anderen mit dem Großeinkauf zurückkamen, packten alle beim Entladen mit an. Schnell war eine Futterkette gebildet und die Säcke im Lager verstaut. Inka prüfte noch einmal die Mitfahrliste mit Livia ab, die die Größe der Hunde und deren Charakter super gut kennt. Diese Frau ist für das Tierheim einfach ein Goldstück. Dann kamen die Transportboxen ins Auto. An jede Box kam ein kleiner Steckbrief des baldigen Reisenden und kurz vor Fahrtantritt folgten die Impfausweise. Dann wurden alle Boxen fest verspannt. Sicherheit ist oberstes Gebot!

Futterspenden für das Tierheim in Ungarn Futterspenden für das osteuropäische Tierheim

Dann verabschiedete sich Attila vorerst. Ein Besuch bei seiner Familie ist selbstverständlich. Leider konnten wir die Einladung seines Bruders zum Mittagessen aus Zeitgründen nicht annehmen. Sehr gerne wären wir dort mit hingegangen, aber die Zeit arbeitete gegen uns. Inka wollte noch neue Hunde für die Vermittlung fotografieren und Gisela sich ihren neuen Hund aussuchen.

Hund im ungarischen Tierheim

So gingen wir durch die Reihen der Zwinger streichelten viele Hunde und verteilten Leckerchen. Was für unglaubliche Schönheiten dort sind! Auch einige Kettenhunde sind totale Schmuser. Jedoch sollte man vorher fragen, welchen Kettenhund man meiden muß. Kaum zu glauben, wie die Zeit bei so einem Rundgang schnell vorbeigeht. Gisela hatte sich nach viel Unentschlossenheit endlich für Mari entschieden, also mußten auch ihre Papiere noch reisefertig gemacht werden.

Große Schmuse-Hunde aus Osteuropa Hunde in Tierheimzwinger in Osteuropa

Kettenhunde im ungarischen Tierheim Leckerchen für ungarische Hunde im Tierheim

Dann folgte ein letzter Gang durch die Reihen und plötzlich schauten Inka und Gisela auf ein kleines Häufchen Hundeelend in einem Zwinger. Ein kleiner schwarzer Hund lag zusammengerollt auf dem Boden, sah auf den ersten Blick aus wie ein Welpe. Sein linkes Auge fehlte. Dort war nur eine Wunde zu sehen, weiterhin hatte der Hund eine frische Bisswunde am Maul, die blutete. Dieser kleine Kerl wäre wohl ein nächstes Zwingeropfer geworden. Die Stimmung in diesem Zwinger war alles andere als nett. Eine Welle von Mitleid ergriff uns. Wir riefen die Tierheimmitarbeiter und machten auf diesen Hund aufmerksam. Sofort holte man diesen Hund heraus und verarztete ihn. Der kleine Kerl war nur Haut und Knochen. Gisela, die ihren alten Hund im Frühjahr für immer hergeben mußte, war total gerührt und entschied spontan außer Mari auch noch diesen Hund für sich mitzunehmen. Inka war sofort damit einverstanden und überlegte wo man diesen kleinen Kerl, der eine Dame ist, noch platzieren konnte. Inka, die solche kurzfristigen Mitnahmen, schon häufig organisieren mußte, schaffte es auch dieses Mal, obwohl sogar am Mittag noch zwei Hunde von Petra Schubert als Mitfahrer nachgemeldet wurden. Die kleine Maus musste ja auch noch einen Namen bekommen und Gisela entschied sich für Kim.

Häufchen Hundeelend in Ungarn im Tierheim Kleiner schwarzer Hund findet ein Zuhause

Wir fuhren dann zu unserem Hotel zurück, um uns noch einmal kurz hinzulegen. Mit Ruhe war dort leider nicht viel los. Ein Benefizkonzert für die Kinder in Afrika mit landestypischer Musik heizte uns beiden ein. So verließen wir gerne unser Hotel um 20:00 Uhr, um zum Tierheim zu fahren und die Hunde einzuladen. Attila, frisch gestärkt, war nun auch wieder da.

Mit viel Ruhe verlief das Verladen. Nicht alle Hunde fanden die Idee gut in eine Box zu müssen. Die blinde Vicky biss Inka in den Finger. Kim wurde als letzte in Miskolc verladen. Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung starteten wir um 21:30 Uhr. Kurz vor Budapest trafen wir Imre und Gisi, die uns noch weitere vier Hunde und vier Katzen übergaben.

Unser Lichtproblem am Transporter bestand immer noch. Wir fanden heraus, dass beim Blinken, sprichwörtlich die Lampen ausgingen. Also bemühten wir uns nicht mehr blinken zu müssen. Ein Totalausfall wäre eine Katastrophe gewesen.

Hanga und ihre sechs Welpen mußten alle zwei Stunden zusammengesetzt werden, damit sie ihre Jungen säugen konnte. Dies bedeutete für uns, alle zwei Stunden anzuhalten. So wurde die Rückfahrt sehr lange. Wir kamen sehr gut voran und schmiedeten noch Pläne für den Nachmittag. Dann kam ein langer Stau bei Würzburg und alle Pläne waren dahin. Trotz Stop and Go hatten wir eine tolle Stimmung. Attila erzählte Begebenheiten von zwei Schafen seiner Familie. Wir lachten Tränen. Dann löste sich der Stau auf und die Übergaben konnten recht flott erfolgen. Durch das schöne Wetter waren die Raststätten überfüllt. Viele positive wie negative Zuschauer folgten unserem Tun und gaben ihre Kommentare dazu ab. Hier die Fassung zu waren ist nicht leicht.

Um ca. 16:00 Uhr erreichten wir Medenbach. Für Attila und Gisela endete hier die Reise. Inka mußte noch bis zur Ohligser Heide weiterfahren, erhielt aber Unterstützung von ihrem Freund und einem ihrer Nachbarskinder, die im Westerwald zustiegen.

Die Fahrer des Hilfstransports nach Ungarn

Inka, Attila und Gisela

Nachtrag: Die kleine Kim war am Montag gleich beim Tierarzt. Das linke Auge ist kaputt, wahrscheinlich in Folge von Staupe. Da sie so starkes Untergewicht hat (11 kg 29.09.08, ca. 18 kg ist ihr Normalgewicht) kann die erforderliche Augen-OP noch nicht stattfinden.


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