Tierschutzfahrt nach Miskolc von Elke Kissel

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Am Donnerstag, den 16.7.2015 abends nach 23.00Uhr ging es für mich los, bei subtropischen Temperaturen wurde ich von Stefan und Heiko direkt vor meiner Haustür abgeholt - was ein Service. Leicht erschrocken über die Größe des „Sprinters“ und die Temperaturen in der Fahrerkabine bin ich dann eingestiegen. Dieses Monstrum von AUTO hat mir so viel Respekt eingeflößt, so dass ich auf „meinen“ Fahrtstrecken niemals mehr als 120 Stundenkilometer schnell gefahren bin.
Unterwegs zwischen Aschaffenburg und Nürnberg war ausgesprochen hohes Verkehrsaufkommen und es ging leider nicht mal mehr im Schritttempo voran. Ganz viele Holländer, Belgier und andere Nationalitäten waren auf der Autobahn oder bevölkerten die Rastplätze. Es glich einem Jahrmarkt am Mittag, sprudelndes Leben, unendlich viele Menschen und Autos und das nach Mitternacht, (wenn bei uns im Dorf normalerweise die Bürgersteige hochgeklappt werden). So etwas hatte ich noch nicht erlebt, allem Anschein nach war Ferienbeginn in unseren Nachbarländern Die vielen LKW-Fahrer, die keinen Platz mehr auf den Parkplätzen bekommen konnten und jetzt auf den gefährlichen Seitenstreifen parken mussten, taten mir unendlich leid.
Nach einem kleinen Umweg Richtung München, (Heiko hatte sich etwas verfranzt, da das Navi auf stumm geschaltet war, damit wir anderen mal kurz die Augen schließen konnten) konnten wir aber dann ohne weitere Verzögerung und Umwege direkt nach Miskolc durchfahren. Gerne hätten wir uns mal in den Kofferraum gelegt, denn dort waren es nur 26-28 Grad warm im Gegensatz zur Fahrerkabine, da wurden wir gebraten. Wir sind dann aber doch am nächsten Nachmittag gegen 15.00 Uhr, triefend nass geschwitzt und müde (Sauna ist ein Dreck dagegen), wohlbehalten im Tierheim angekommen.

Wir wurden dort auch sehr herzlich empfangen und konnten nach dem Ausladen der Sachspenden – Orin hat ein eigenes Carepaket bekommen - und einem Rundgang auf dem Gelände kurz ins Hotel fahren und uns noch ein paar Stunden aufs Ohr legen.

Pünktlich um 20.00Uhr wurden wir von Nina abgeholt und konnten ein wunderbares ungarisches Abendessen genießen.
Livi, die den ganzen Tag von früh morgens bis spät in der Hitze dieses knallheißen Sommertages gearbeitet hatte, kam dann auch noch zu dem Essen hinzu. Auch sie wirkte recht müde, was aber bei ständigen 12 oder mehr Stunden Arbeitstagen kein Wunder ist. Sie erzählte uns, dass täglich mindestens 2 oder mehr Hunde und Katzen abgegeben werden und dass das Tierheim an die Aufnahme- und die Mitarbeiter an ihre Arbeits- Kapazitätsgrenze stoßen würden.
Bei unseren Rundgang am Nachmittag war uns, die wir das erste Mal dort waren schon aufgefallen, wie liebevoll sie und ihre Mitarbeiter mit den Tieren umgehen. Uns ist aber auch die Geräuschkulisse und der Geruch, der trotz sauberer Zwinger von den mehr als 300 Hunden ausgegangen ist, aufgefallen und dass es für die Hunde, die an der Kette liegen keinen Schatten gibt. Dies alles wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Samstag, 18.7.2015
Nach einer erholsamen Nacht, in der ich trotz nicht vorhandener Verdunklungsgardinen bis kurz vor 8 Uhr durchgeschlafen habe (eigentlich sollten wir vom Hotel um 7.15 Uhr geweckt werden, schließlich ist das ja kein Erholungsurlaub gewesen-wir wollten was vom Tierheim sehen und die tägliche Arbeit miterleben) ging es zum Frühstücken. Das Büfett war etwas geplündert, eine Bus-Reisegruppe aus der Ukraine hatte sich vor uns bedient und es war noch nicht wieder aufgefüllt, aber es gab genug Kaffee und verhungert sind wir auch nicht.
Gegen 10 Uhr waren wir dann im Tierheim. Heiko hatte seine Arbeitskleidung und ich meine alten Gartenschuhe und alte Jeans an und eigentlich hätten wir loslegen können- nur mit was???

Wir kamen uns etwas deplatziert vor und hätten doch so gern irgendwo / irgendwie geholfen.
Immer wieder konnten wir beobachten, dass Menschen vorwiegend Frauen kamen, die in Gruppen Hunde ausführten, dass Familien kamen und sich Tiere anschauten.

Wir haben gesehen wie liebevoll die Mitarbeiter die Tiere betreut und gefüttert, die Boxen und Käfige gereinigt haben und das bei Temperaturen, bei denen man eigentlich nur noch im Schatten liegen und sich ausruhen möchte.

Ich habe außerdem beobachten können wie rührend und selbstverständlich und ohne Berührungsängste sich die Kinder der Mitarbeiter mit den Hunden beschäftigt haben.

Kathi (Hickl) und Philipp kamen aus Österreich und brachten mit ihrer positiven Art zusätzlichen Schwung herein.
Jetzt wollte ich dann auch einen Hund ausführen und hab eine „ältere“ Dame angesprochen, die gerade die Boxen sauber machte und den Tieren frisches Wasser und Fressen brachte. Sie gab mir ein jüngeres Hundemädchen (den Hund, der aussah wie meine Luna- den wollte/konnte sie mir nicht geben).
Mittags bin ich dann mit Beni spazieren gegangen, Heiko hat Hexi an die Leine genommen, beide waren ganz brav. Nach höchstens 10 Minuten hat mir Benny signalisiert, dass er seinen Ausflug beenden möchte und hat sich einfach auf seinen Hintern gesetzt, Heiko und Hexe sind noch ein bisschen weiter gegangen, kamen dann aber auch gleich zurück. Wir konnten feststellen - es geht auch ohne Sprache. Beni ist ein Traumhund und braucht DRINGEND ein Gnadenplätzchen und Hexi wünschen wir eine supertolle Familie in Österreich, denn sie darf leider nicht nach Deutschland einreisen.

Stefan und eine Tierheimmitarbeiterin haben in der Zwischenzeit Welpenfutter eingekauft. Heiko hat dann beim Ausladen kräftig mit angepackt.

Dann sind wir zum Mittagessen gefahren, haben selbst noch kurz etwas für die Heimfahrt eingekauft und sind wieder ins Tierheim zurück.
Ich habe dann später Kathi beim Fotografieren der Hunde zugeschaut, aber auch dafür war es uns und den Hunden zu heiß. So hatte ich Zeit und konnte immer wieder beobachten, wie ruhig und bedacht Livi ihre Arbeit macht, sich immer wieder Zeit für die kleinen Katzenbabys nimmt, um diese alle 2-3- Stunden mit der Flasche aufzuziehen.
Nachmittags sind wir dann nochmals ins Hotel, haben versucht zu schlafen, damit wir für die Nacht fit sind, was mir aber nicht so ganz gelungen ist - ich war viel zu aufgeregt.
Gegen 20:00Uhr waren wir wieder im Tierheim Livi und viele ihrer Mitarbeiterinnen waren immer noch am Arbeiten.
Wir haben den Transporter vorbereitet, die Boxen mit Handtüchern ausgelegt und die „Steckbriefe“ an den Türen angebracht und Wasser eingeladen.

Das Einladen der Hunde hat sich dann um fast eine halbe Stunde verzögert, da die Tierärztin mit Verspätung kam und auch das Anziehen des Sicherheitsgeschirrs zusätzlich Zeit in Anspruch genommen hat.

Diese Geschirre wurden zwar tags zuvor schon ausgesucht und die Größe überprüft, aber von den Tierheimmitarbeitern jedem Hund direkt vor dem Transport angezogen und der Sitz nochmals kontrolliert. Ich hatte die Aufgabe die Chipnummern auf den Ausweisen mit dem Lesegerät zu vergleichen und Stefan und Heiko haben die Hunde in die für sie vorgesehenen Boxen gebracht.

Dann ging es los, alle Hunde verhielten sich die ganze Nacht über völlig ruhig, als ob sie wüssten, dass jetzt ein neues Leben beginnt.
Die Autobahn war fast leer, keine Staus, nur in Österreich etwas Regen.
In Deutschland auf dem ersten „ABHOLER-“-Rastplatz angekommen, haben wir dann unseren Basset an seine neue Familie übergeben. Es war sehr schön miterleben zu können wie glücklich die neue Besitzerin über diesen Hund war - wie sehr sie sich gefreut hat.

Am zweiten Rastplatz wurden wir von einem Herrn von der Husky-Nothilfe erwartet, der uns schon etwas länger zu beobachten schien. „Sein“ Husky, der abends ganz majestätisch in seine Box gesprungen war, stieg genauso majestätisch aus dem Transporter wieder aus. Das weiße Fell war auf den ersten Blick makellos sauber, er wirkte als ob er gerade vom Hundefriseur gekommen wäre und ging grazil und leicht tänzelnd mit seinem neuen Herrchen mit, bewundert von einigen Damen und Herren auf den Nachbarparkplätzen. „Oh ist der SCHÖN“-„Wo kommt der her“- „Was, aus Ungarn ?“, Was macht ein Husky in Ungarn ?“-die gleiche Frage hatte sich der Herr von der Husky Nothilfe wohl auch gestellt.

In Medenbach angekommen streikte unser Auto, zum Glück erst in Medenbach und nicht schon nachts irgendwo in Ungarn oder Österreich. 3 nette junge Männer (mit Migrationshintergrund) halfen uns sofort beim Anschieben des Riesenmonsters, sodass wir trotz zusätzlicher Zeitverzögerung wieder weiterfahren konn

Heiko stieg hier aus, aber Stefan und ich bekamen Unterstützung von Marika und konnten auf den nächsten beiden Rastplätzen ohne Zwischenfälle die vielen anderen Hunde an ihre neuen Besitzer oder in die Obhut ihrer Pflegestellen übergeben.
Danke, dass ihr alle so geduldig gewartet habt - es hat Spaß gemacht, liebe Hunde an glückliche Herrchen/Frauchen zu übergeben.
Fazit: Wetter zu heiß, Aufenthalt zu kurz, Auto zu groß und vor allem zu unbequem –
ABER WIR KOMMEN WIEDER.
Elke Kissel

PS. Das Katzenhaus ist zu klein und die Kettenhunde brauchen dringend einen natürlichen Sonnenschutz
(Wie Heiko schon gesagt hat: Schnell wachsende, große Kronenbildende Bäume an der richtigen Stelle—ich übernehme die Kosten für den ersten Baum, unter dem dann bitte auch Beni wohnen soll)
Liebe Grüße
Elke Kissel


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