Fahrtbericht Februar 2015

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Hallo, ihr alle!

Mein Name ist Sila, ich bin etwa 6 Jahre jung und ich gehöre zu Tina und Stephan. Mir geht es bei den beiden echt gut, aber manchmal passieren hier Sachen, darüber muss ich einfach mal mit euch reden.

Von Zeit zu Zeit herrscht hier eine Aufregung, das ist nicht mehr schön. Tina fährt dann nämlich nach Miskolc und besucht das Tierheim, aus dem auch meine Kumpeline Betti kommt. Und ehrlich? Ich finde das gar nicht lustig.

Es ist nämlich so: Ein paar Tage, bevor es für Tina losgeht, stapeln sie und Stephan in unserem Haus jede Menge leckere Sachen (ihr wisst schon, Futter und so) - und wir dürfen da nicht dran! Wisst ihr, was das für eine Tortur ist??? Da stehen Kiloweise die leckersten Leckerchen, aber für Beauty, Betti und mich sind sie tabu. Tina sagt immer nur: "Mäuse" (damit sind wir drei gemeint *seufz*), "das ist für die Nasen in Ungarn und nicht für euch!" Damit ist für Tina das Thema erledigt und da wir brave Mädels sind, gehen wir auch nicht an die Sachen ran - aber das ist wirklich verdammt schwer!

Tja, und dann kommt der Tag vor der Fahrt und Tina packt ihren Koffer. Uns wird jedes Mal das Herz ganz schwer, wenn wir das sehen. Wir kleben deshalb auch immer den ganzen Tag wie Kletten an Tina dran, sie soll ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie sieht, wie traurig wir darüber sind, dass sie wegfährt. Insgeheim hab ich ja immer die Hoffnung, dass sie dann zu Hause bei uns bleibt ... aber was soll ich sagen, es nutzt alles nix, Tina fährt trotzdem.

Und dann ist sie weg. Und wir bleiben mit Stephan allein zu Hause. Das ist dann wieder der Teil, den wir Mädels total genießen. Denn (und das müsst ihr auf alle Fälle für euch behalten!): Wir dürfen dann auf das Sofa und nachts sogar auf das Bett! Hurraaaaa!!! Wenn Tina das wüsste, oh wei oh wei!
Aber Stephan sagt, wenn Tina uns schon allein lässt, dann machen wir es uns so richtig gemütlich. Ich sag euch, der Stephan, der ist richtig klasse!

Nicht klasse ist, dass Tina zwischendurch aus Miskolc anruft. Dann erzählt sie Stephan nämlich, wie es im Tierheim ist und was sie dort erlebt - und bei mir kommen die Erinnerungen hoch.

Wie ihr vielleicht wisst, komme ich auch aus Miskolc. Und ich erinnere mich noch gut daran, wie eisigkalt es im Winter war und wie sehr wir in der Hitze des Sommers gelitten haben. Ok, die Leute dort tun wirklich alles, um es für uns Hunde so erträglich wie möglich zu machen, aber zaubern können sie auch nicht. Es fehlt einfach an Geld, und zwar an allen Ecken.

Tina hat Stephan erzählt, dass im Moment etwa 300 Hunde im Tierheim leben. Könnt ihr euch das vorstellen? 300 Hunde, die satt werden wollen, die medizinisch versorgt werden müssen, 300 Hunde, um die sich ein paar wenige Mitarbeiter kümmern müssen. Und dann gibt es auch noch das Katzenhaus ... um ein paar Katzen müssen sich die Tierheimleute nämlich auch noch kümmern (ich hab keine Ahnung, wie die das alles schaffen, echt, Leute).

Und es ist unglaublich laut im Tierheim. Als ich damals bei Tina und Stephan eingezogen bin, konnte ich die Stille in meinem neuen Zuhause überhaupt nicht fassen! Es war soooo ruhig! Herrlich! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wundervoll es ist, wenn man als Hund (wir haben ja sehr empfindliche Ohren und hören richtig gut), endlich mal Ruhe hat! Im Tierheim kann man davon nur träumen. Aus jedem Zwinger bellt es, ständig, ohrenbetäubend, unvorstellbar laut. Es ist ganz schön stressig, dort leben zu müssen.

Deswegen wundert es mich auch nicht, dass Tina erzählt hat, dass es immer wieder zu Beißereien in den Zwingern kommt. Wisst ihr, es herrscht ständige Aufregung im Tierheim, Hund kommt einfach nicht zur Ruhe. Und ihr kennt das sicher von euch, wenn ihr mal ein paar Nächte schlecht geschlafen habt und tagsüber Stress hattet, dann seid ihr sicherlich "zum Beißen", oder? Und so geht es den Hunden in Miskolc auch. Der Stresspegel ist so hoch und wenn dann auch noch einer ein kleines bisschen quer kommt, nun, dann muss man das halt mal untereinander austragen. Das ist dann auch nicht böse gemeint, es ist einfach ein Ventil, um mal Druck abzulassen. Leider kommt es dabei aber immer wieder zu Verletzungen, die dann medizinisch versorgt werden müssen. Wie bei Dana ... Tina hat Stephan Fotos von ihr gezeigt - boah, Leute, ich bin echt froh, dass ich nicht mehr im Tierheim leben muss!

Tina hat aber auch erzählt, dass die Zwinger nicht so überfüllt sind, wie noch im letzten Jahr. Es leben nur jeweils zwei bis vier Hunde zusammen, das ist ganz ok. Je voller die Zwinger, umso mehr Stress bedeutet das nämlich.

Und dann hat Tina Fotos von den gefüllten Futternäpfen gezeigt ... sie hat gesagt, dass sie ja versteht, dass die Tierheimleute füttern müssen, was sie bekommen (schließlich sollen ja alle Hunde satt werden), aber ich weiß, dass Tina sich oft große Sorgen wegen der Futtersituation im Tierheim macht. Ich glaube, sie macht sich dabei am meisten Sorgen um die Welpen und um die alten Hunde, für die es doch ganz wichtig ist, das richtige Futter zu bekommen.

Deshalb war Tina auch sehr froh darüber, dass sie, Tonja und Leon (mit den beiden ist sie nach Ungarn gefahren, das sind ganz tolle Leute sag ich euch!) so viele Futterspenden mit nach Miskolc nehmen durften.

Gaaaaanz viel Futter ist übrigens von der Ute Schawerna gekommen und Tina hat sich riesig darüber gefreut. Fast noch größer war ihre Freude darüber, dass Ute den alten Wonder wieder zur Spendenübergabe mitgebracht hat. Wonder kommt auch aus Miskolc und ist schon 14 Jahre alt. Auf ihrer allerersten Fahrt nach Miskolc hat Tina den blinden Wonder entdeckt und ist mit ihm spazieren gegangen - bis heute hat er einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen.

Aber ich schweife ab ... Samstagabend hat Tina nämlich nochmal angerufen und sie klang diesmal richtig gut gelaunt. Das ist ungewöhnlich, denn meistens ist sie sehr traurig, wenn sie anruft (übrigens noch ein Grund, warum ich nicht mag, dass sie nach Miskolc fährt).
Nina und Angela sind mit ihren Gästen abends in Miskolc essen gewesen, aber diesmal war es wohl etwas ganz besonderes!

In Miskolc fand nämlich gerade das "Kocsonyafesztival", das Sülzenfestival, statt. Dieses Festival findet einmal im Jahr, immer Anfang Februar, statt und Tina, Tonja, Kathi (die Kathi kommt aus Österreich und ist freitags an der Grenze zu Ungarn zu den dreien dazugestoßen) und Leon waren völlig davon bezaubert.

Pati, Ninas Sohn, hat Tina erzählt, dass das Sülzenfest seit dem Jahr 2000 stattfindet und weit über die Landesgrenzen hinaus einen ganz besonderen Ruf genießt. Dementsprechend waren auch richtig viele Leute auf dem Straßenfest unterwegs. Im Zentrum von Miskolc, in dem ganz viele wunderschöne alte Gebäuden stehen, standen ganz viele Holzbuden, fast so wie bei uns auf den Weihnachtsmärkten. Tina hat erzählt, dass auch alles zauberhaft beleuchtet war und dass es viel zu sehen und zu bestaunen gab.

Es gab viele Handwerker-Buden, in denen z. B. Holzschnitzereien hergestellt wurden, und es gab natürlich ganz viele Buden, in denen man Leckereien kaufen konnte: die berühmte Miskolcer Sülze, den Laczi-Braten und Kürtöskalacs, den ungarischen Baumkuchen. Den Baumkuchen gab es zum Dessert und der war wohl richtig lecker, denn Tina schwärmt immer noch davon.

Nach dem Essen sind Nina und Pati noch mit Kathi, Tina, Tonja und Leon durch die Altstadt spaziert. Angela konnte leider nicht dabei sein, denn sie musste vom zuständigen Veterinär noch die Tracesmeldungen abstempeln lassen, ohne die wir Hunde ja nicht mehr ausreisen dürfen.

Nina und Pati haben den vieren einige wunderschöne Gebäude in der Altstadt gezeigt und dann sind sie zur Statue von Mancs gegangen. Mancs (der Name bedeutet "Pfote") war ein Deutscher Schäferhund, der von 1994 bis 2006 gelebt hat. Er war und ist der berühmteste Rettungshund in Miskolc. Ihr müsst wissen, dass Mancs ein ganz besonderes Talent hatte, Überlebende eines Erdbebens, die tief unter den Trümmern verschüttet waren, zu orten. Er konnte sogar unterscheiden, ob die Gefundenen tot oder lebendig waren; wenn er einen Toten aufgespürt hatte, lege er sich über die Fundstelle, wenn er eine lebende Person gefunden hatte, stand er auf, wedelte mit dem Schwanz und bellte.
Mancs und sein Besitzer, László Lehocki, haben an vielen Rettungseinsätzen überall in der Welt teilgenommen, u. a. in El Salvador und Indien. Berühmt wurde Mancs dann durch die Rettung eines dreijährigen Mädchens, dass 1999 nach einem Erdbeben in der Türkei 82 Stunden unter Trümmern verschüttet gewesen war. Könnt ihr euch das vorstellen? Der Mancs hatte es echt drauf.

Im Dezember 2004 wurde Mancs zu Ehren dann die Statue in der Innenstadt von Miskolc errichtet. Noch heute kommen Menschen zu dieser Statue und legen Blumen nieder. Und man sagt, wenn man über die Ohren der Statue streichelt, bringt das Glück.

Gestorben ist Mancs übrigens am 22.10.2006 an einer Lungenentzündung.

Tina kann es immer noch nicht glauben, dass die Statue von Mancs in Miskolc so verehrt wird. Während sie davor gestanden hat, ist eine Familie gekommen und hat Blumen an der Statue abgelegt. Und das kleine Mädchen der Familie hat ganz ehrfürchtig die Ohren von Mancs gestreichelt.
Es ist wirklich merkwürdig - auf der einen Seite die Verehrung von Mancs und auf der anderen Seite so viele misshandelte, gequälte und "weggeworfene" Hunde in und um Miskolc herum. Versteh einer euch Menschen.

Tina hat Stephan erzählt, dass sie gern noch mehr von Miskolc gesehen hätte. Aber am nächsten Tag mussten alle früh raus - das Einladen der Hunde sollte um 05:00 Uhr beginnen - und so war es dann Zeit, ins Hotel zurückzukehren und die Koffer zu packen.

Sonntagmorgen sind die vier pünktlich um 05:00 Uhr im Tierheim gewesen. Es war ganz schön kalt, sagt Tina, aber da mussten sie jetzt alle durch. Nach und nach sind alle Hunde in ihre Boxen gesetzt worden und dann konnte es losgehen zum Budapester Ring. Hier sollten Sylvester und Tweety, die bei Monika Zuflucht gefunden hatten, noch zusteigen. Monika hat die beiden verängstigten Chihuahuas gefunden, aufgepäppelt und freut sich nun riesig darüber, dass die beiden ein schönes Zuhause in Deutschland haben werden. Monika ... Tina sagt immer, von so lieben und herzensguten Menschen wie Monika müsste es mehr auf dieser Welt geben.

Die beiden Winzlinge waren schnell eingepackt und Tina, Tonja und Leon haben sich dann von Kathi, die nur noch bis zur österreichischen Grenze hinter dem Transporter herfahren würde (ich sagte ja schon, die Kathi kommt aus Österreich) verabschiedet. Dann ging es auch schon weiter.

Das Wetter unterwegs war, so hat Tina gesagt, eher bescheiden. Heftiger Wind, Schnee, Schneeregen und zwischendurch glatte Straßen haben die drei und ihre wertvolle Fracht nur langsam voran kommen lassen. Aber je näher sie Deutschland gekommen sind, umso besser ist das Wetter geworden und so sind die drei dem ersten Übergabeort schnell näher gekommen.

In Ansfelden sind dann Tinker und Toby ausgestiegen. Die beiden waren zusammen mit ihrer Schwester Twiggy in einer Box und damit man sie leichter auseinander halten konnte, hatten die beiden Brüder ein rotes bzw. ein grünes Halsband bekommen und Twiggy ein rotes Geschirr. Um ganz sicher zu gehen, dass auch keiner der drei ins falsche Zuhause gehen würde, hat Leon aber noch die Chipnummern ausgelesen und mit den Pässen verglichen.

in Aurach war es dann Zeit für Emödi, den Transporter zu verlassen. Für ihn hat sich Tina ganz besonders gefreut, deshalb war es für sie wunderschön, dass Emödis neue Menschen sich so über ihn gefreut haben. Das musste sie uns dann auch gleich nach der Übergabe erzählen.

Als nächstes kamen Astor und Bobi an die Reihe. Astor hat sein neues Frauchen gleich mit seiner unglaublich liebenswerten Art um den Finger gewickelt, Bobi fand ihn dagegen nicht ganz so gut. Immer, wenn Astor auch nur in seine Richtung geguckt hat, hat Bobi ihn angeknuttert.
Als Tina uns das erzählt hat, war ich unglaublich froh ... beinahe wäre Bobi nämlich bei uns zu Hause gelandet und ich steh so gar nicht auf Knutterer. Das ist echt noch mal gut gegangen *uff*

Nach und nach sind dann alle Hunde ausgestiegen und mittlerweile gibt es von vielen auch schon die ersten Berichte aus ihrem neuen Zuhause. Darüber freut sich Tina immer ganz besonders und oft erwische ich sie, wie sie sich beim Lesen der Texte oder Ansehen der eingestellten Videos verstohlen die eine oder andere Träne wegwischt. Ihr Herz läuft dann über vor Glück, sagt sie ... und dann kommt sie immer zu uns dreien und knutscht uns ab, weil sie sooo glücklich ist, dass sie uns hat - ihr Menschen seid manchmal ganz schön komisch.

Ach so, da gibt es noch was, warum ich es total doof finde, wenn Tina nach Ungarn fährt ... ich muss immer fürchten, dass sie uns noch einen Hund ins Haus schleppt! Letztes Jahr im März hat sie Vega-Robi mitgebracht. Der war gar nicht so verkehrt, auch wenn er wegen seiner vielen (krankheitsbedingten) Ticks sehr nervig war, aber letztlich bin ich mit dem prima ausgekommen. Und jetzt im März soll der Finn kommen ... boah, solange Tina nach Ungarn fährt, wird das wohl nie aufhören!

Deshalb hab ich hier eine ganz ganz dringende Bitte an euch: Guckt doch bitte alle mal, ob ihr nicht noch ein Plätzchen für eine Miskolc-Nase frei habt! Guckt auch, ob ihr nicht jemanden kennt, der jemanden kennt ... ihr wisst schon, was ich meine.
Die Miskolc-Hunde sind echt klasse (seht ihr ja schon an mir!) und je mehr davon in ein tolles Zuhause vermittelt werden, umso weniger muss ich hier daheim um meine Ruhe fürchten.

In diesem Sinne sage ich Tschüs und vielleicht bis bald mal,
eure Sila

Ganz ganz viele Fotos von der letzten Fahrt könnt ihr euch übrigens hier angucken:


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