Fahrbericht 05.09. – 07.09.2014

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Die Jubiläumsfahrt
Endlich war es wieder soweit. Die Fahrt nach Miskolc konnte beginnen, im Team mit Tina
und Léon, also mit den Menschen, die ich schon jahrzehntelang kenne. Und bei denen man
weiß, dass man auf einer Wellenlänge ist und das gleiche Ziel verfolgt. Am Samstag würde
noch Kathi aus Österreich dazukommen. Ebenso hatte sich Corinna angemeldet, die mit
ihrem Mann in Ungarn ihren Urlaub verbrachte und das Tierheim kurz besuchen wollte, um
vor Ort auch noch Bilder zu machen.

Die Hinfahrt verlief bis auf zähfließenden Verkehr bei Wien sehr zügig. Zwischendurch
konnten wir noch medizinische Spenden einladen. Gerade diese werden vom
ungarischen Team dringendst benötigt, denn nur mit genügend Material können sie die
vorhandenen Verletzungen versorgen und die notwendigen Operationen durchführen.
Wir waren kurz vor Beginn der Dunkelheit in Budapest und Léon wollte uns Mädels einen
besonders schönen Teil der Stadt präsentieren. Somit fuhren wir ein Stück an der Donau
entlang und das was wir sahen, kann man mit Worten – wenn man sonst eher die
zerfallenen oder kleinen armselig wirkenden Häuser entlang der Autobahn kennt – nur
schwer beschreiben. Wir sahen so wunderschöne und gigantische Bauwerke, dass Tina
und ich aus dem „Aaah“ und „Oooh“ nicht rauskamen und Bilder über Bilder machten.
Diese könnt Ihr / können Sie im Anhang finden.

Im Hotel bekamen wir , nachdem wir auch die restliche zweistündige Fahrt geschafft
hatten, noch die weltbeste Pizza , und dieses Empfinden liegt nicht an dem Hunger und
dem Zur-Ruhe-Kommen nach der langen Fahrt, sondern tatsächlich an dem Geschmack!!
Irgendwann war dann auch die nötige Bettschwere da. Und dennoch bin ich nachts
immer mal aufgestanden, ans Fenster gegangen und habe versucht „zu orten“ ob das
Bellen, das man hören konnte, zu einem unserer Miskolc-Hunde gehörte.
Nina hatte uns am Vorabend gebeten, erst um 10.00 Uhr ins Tierheim zu kommen, da
sowohl sie als auch Livi zuvor mit Tracesbestätigungen, etc. beschäftigt wären. Was für
eine Überwindung für uns, nicht wie zuvor geplant, dort um 9.00 Uhr auf der Matte zu
stehen, um ja genug Zeit mit den Tieren verbringen zu dürfen. Jede Minute ist kostbar.
Also hielten wir uns länger beim Frühstück auf (puh, was für ein Kaffee, was für
Brötchen…) und wurden immer kribbeliger. Aus Langeweile – oder purer Verzweiflung,
weil die Uhr so langsam lief – entdecken wir dies: Wenn man die Außentreppe /
Feuerleiter bis zur obersten Etage des Hotels hochläuft, sich dann weit übers Geländer
beugt, am Kamin der nachbarschaftlichen Firma vorbeischaut, kann man das Dach und
den Schriftzug des Tierheims sehen. Tadaaa.

Beim Anblick des Tierheims wieder Gefühlschaos: Vorfreude auf das Team, auch wenn man
sich erst eine Woche vorher beim Jahrestreffen in Burscheid gesehen hatte. Vorfreude auf all
die Tiere mit dem Wunsch, tolle Bilder für Vermittlungen zu machen, allen eine
Streicheleinheit geben zu dürfen und für jeden ein Leckerchen parat zu haben. Die Angst vor
Bildern, die man nicht mehr vergessen wird…..

Die Begrüßung war wieder sehr herzlich. Man ist sich nicht fremd, das gibt ein gutes Gefühl.
Man spürte die Freude des Teams über unser Kommen. Das, was wir als erstes sahen,
waren einige Transportboxen voller Welpen unterschiedlichster Art: Klein, flauschig, hell.
Gedanke: Gott sei Dank, die sind ganz schnell vermittelt. Niedliche kleine Flauschbälle.
Dann aber die Transportbox mit den kleinen schwarzen Welpen mit größeren Pfoten.
Gedanke: Oh nein, die werden schwarz und groß und werden es somit schwer haben, einen
Platz zu finden.

Die Spenden wurden ausgepackt, vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben.

Geschenke wurden verteilt. So erhielt z. B. die Tierärztin des Tierheimes Szuszi , da sie
deutsch lernt, eine deutsche Hundezeitung. Auch Kathi kam schon im Tierheim an, den
Wagen beladen mit Futterspenden durch die von ihr eingerichtete Seite bei Amazon.
Ebenfalls Corinna und ihr Mann.

Es wurde um zwei Katzentests gebeten, die als erstes durchgeführt werden. Einen hatten
Léon und ich gewünscht für Fátra, eine Hündin, die mir seit der Fahrt im vergangenen
September nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Und für die ich unbedingt die Chance auf
ein Zuhause erhöhen wollte und schon einige Pflegestellen genervt hatte, ob sie das Mädel
nicht als Pflegi zu sich nehmen wollen. Beim Katzentest kümmerte sie sich wenig um die
Katzen, dafür mehr ums Katzenfutter und um mich. Außerdem legte sie sich ins Katzenklo, so
als wolle sie sagen: „ Auf eine Katze mehr oder weniger bei euch daheim kommt es doch
nicht an….!“. Ich greife vor: Jedesmal wenn ich an diesem Tag an ihrem Zwinger vorbeiging
und sie mich sah, begann sie furchtbar zu weinen und so gab es eine spontane Nr. 21 auf
der Ausreiseliste. Tja, die Waffen eines felligen Mädchens….

Diese Fahrt war eine besondere Fahrt, denn wir durften den 1.000 Hund mitbringen.
Bedeutet, dass in den sieben Jahren der Fahrten des Vereins nach Miskolc schon viele,
viele Fellknäuel mit in Endstellen und Pflegestellen gebracht werden durften.
Herzlichsten Dank an alle, die mit Plätzen für die Hunde dafür gesorgt haben, dass diese
Fahrten überhaupt stattfinden konnten.
Nach dem Vorbereiten des Transporters für den Folgemorgen gingen wir zum nächsten
„Tagespunkt“ über.
Viele Bilderwünsche wurden Tina zuvor von Vermittlern geschickt, so dass nach Plan
fotografiert werden konnte. Der Knaller war dann Kathi. Wir hatten uns zuvor nur flüchtig
kennengelernt und ich denke, wir waren alle überrascht, dass es ein wandelndes
Canifair-Lexikon namens Kathi gibt. Sie scheint die Namen – und dazugehörigen
Gesichter, und garantiert die Geschichte – eines jeden Hundes zu kennen. Auch sie
hatte noch eine lange Liste an Hunden, von denen Bilder gemacht wurden. Mit
verschönernden Accessoires sind sehr hübsche Fotos entstanden.

Man sieht hierbei das Verhalten der Hunde, sieht die bei manchen vorhandene Angst. So
bleibt nach wie vor ein Problemfall die Hündin Lane. Warum sie noch kein Zuhause hat ist
unverständlich. Ob es bei ihr auch an der oben erwähnten Kombination groß und schwarz
liegt? Lane befindet sich bei Junghunden im Zwinger, scheint dort zumindest nicht gebissen
zu werden. Aber man sieht und merkt ihr die Traurigkeit so sehr an. Der Welpe Ecora ist
inzwischen gewachsen. Dennoch erwartet man ein lebendiges, fröhliches, sich
welpenentsprechend verhaltendes Mädel. Nein, sie verhielt sich geduckt, man spürte ihr
Unbehagen und ihre Angst. So ein junges Ding, es soll nicht geschädigt werden fürs Leben.

Die Anspannung im Tierheim war nicht so stark wie bei den Fahrten zuvor, so dass wir
wirklich jedem einzelnen Hund ein Leckerchen geben und alle Tiere, wenn sie sich nicht in
den Holzhütten versteckten, kurz berühren konnten. So viele Hunde, so wenige Stunden.

Wie gerne würde man sich für jedes einzelne Geschöpf richtig viel Zeit nehmen. In den
Zwingern und an Ketten bekannte Gesichter, neue Gesichter. Geschöpfe, deren Geschichte
und Schicksal man aus dem Internet kannte.

Auf dem Weg über das Grundstück entdeckten wir einen Hund, der sich in dem Moment
selber in die Seite biss. Es floss Blut. Szuszi, die Tierärztin, erklärte uns, dass schon
aufgrund des Selbstbeißens der Schwanz amputiert worden ist und dass man schon viel
probiert hätte, um Ronald von seinem Verhalten zu heilen, es bisher aber noch keine
Lösung hierfür gegeben hätte.

Über Euthanasie wurde in dem Zusammenhang gesprochen. Dies hat uns sehr getroffen.

Denn Ronald wurde, wenn man ihm Aufmerksamkeit schenkte, schlagartig ein anderer
Hund. Schmusig, lieb. Nicht auf uns losgehend. Und er ist bildschön. Wir hoffen so sehr,
dass sich für ihn ein geeigneter Platz findet und wir wünschen ihm so sehr, dass sich sein
Verhalten durch Liebe oder durch medizinische Behandlung verändern lässt.

Tina hat sich selber auch noch in Hugo verliebt, der ihrer Hündin Sila so ähnlich sieht.
Verlieben ist menschlich und geschieht dort so leicht.

Bald kommt die kalte Jahreszeit. Tiere mit kurzem Fell oder mit Verletzungen gehören an
einen warmen Ort. Wir hoffen auf eine hohe Zahl an Vermittlungen vor dem Winter. Bei
Minusgraden gingen und gehen meine Gedanken automatisch nach Ungarn. An die
Situation im Heim, an die frierenden Hunde und an das zugefrorene Trinkwasser. An die
Zustände vor ein paar Jahren, als bei der Fahrt noch ein Hilferuf gestartet wurde, weil die
Kälte lebensbedrohlich war.
Auch eine Flut an Katzenwelpen fällt auf. Viele Katzenboxen stehen in den Gängen und die
Kleinen miauen jede Person, die an den Käfigen vorbeigeht, an. Für mich als
Katzenliebhaberin ein schwer zu ertragender Zustand.

Am Abend – der Tag verging wieder viel zu schnell – luden uns unsere ungarischen
Gastgeber zum gemeinsamen Essen ein. Patti, der Sohn von Nina, erzählte uns viel über
die finanziellen Hintergründe der Ungarn. Die geringe Höhe der Einkommen, die im
Vergleich enorme Höhe der Ausgaben. Die Frage, wie man so überleben kann. Ob es
Menschen gibt, die ihre Tiere lieb haben, aber es sich nicht leisten können, für sie in
Notfällen aufzukommen und sie deshalb vor die Tür setzen und ihrem Schicksal
überlassen?! Auch dies kommt sicherlich vor. Ansonsten war es ein superschöner,
lustiger und entspannter Abend. Wir hätten noch länger zusammen sitzen und schwatzen
können, aber die Betten riefen nach Tina, Kathi, Léon und mir.
Um 4.45 Uhr nämlich haben wir begonnen, unsere Weggefährten für die nächsten 1.400
km einzuladen. Der Anblick der Halsbänder und Geschirre, die mit Namen versehen vor
dem Büro lagen, sorgte bereits für eine Gänsehaut. Die Hunde die gebracht wurden,
wurden uns schon durch das Bellen der anderen Hunde in den Zwingern angekündigt.
Wir sind uns sicher, dass die meisten Fellnasen, die schon in Österreich und Deutschland
erwartet werden, genau wissen, dass es ihnen bald besser gehen wird. Manche kommen
entspannt und freudig zu dem Transporter und lassen sich ohne Probleme in die Box
setzen.

Für Léon und mich war es nicht nur eine besondere Fahrt, weil wir spontan unsere Fátra
mitnahmen, sondern auch, weil wir – wie schon vorher geplant – für unsere Freunde
Rana und Claus Familienzuwachs mitbringen durften. Uns war klar, dass Hanni hiermit
einen Glücksgriff gemacht hat. Auch wenn sie das zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste.
Genauso ging es Tina, denn Marvin würde ein neues Daheim bei ihren Freunden
Monika und Thomas finden .
Die Rückfahrt konnte starten. Es war eine Fahrt mit vielen Stops. Am Budapester Ring
nahmen wir noch die kleine Lia auf, welche von Monika, bei der sie bisher versorgt und
verwöhnt wurde, mitsamt Lieblingskissen und –spielzeug abgegeben wurde. Ebenso
nahmen wir noch für einen befreundeten Tierschutzverein den Boxer Bruno mit. Ihn hörte
man immer sobald man die Tür des Transporters öffnete. An seinem tiefen „Wuff“ hatten
wir echt viel Spaß – Boxer halt…
Wie schön, dass wir schon in Österreich die ersten Hunde übergeben durften. Und somit
hatten wir öfter diesen tollen Moment der ersten Begegnungen zwischen Menschen und
Tieren.

Kathi verließ uns hier, da sie in ihrem Heimatland angekommen war. Kathi, wir hätten dich
gerne mitgenommen.
Für uns noch amüsant, dass die sehr nette Verkäuferin eines Geschäftes, die uns auch
bei dieser Fahrt mit Futterspenden versorgt hatte, uns ein paar Tage zuvor erzählt hatte,
dass eine Bekannte von ihr einen Hund aus Italien bekommen würde. Dass sie sich
vertan hatte, und genau diese Bekannte in Siegburg Celeste übernahm, stellte sich erst
vor Ort heraus.
An der Ohligser Heide, der letzten Station, warteten wie üblich die meisten Abholer. Was
für ein Gefühl, diese freudigen und erwartungsvollen Gesichter zu sehen – selbst bei den
erfahrenen Pflegemuttis. Ich durfte unseren Freunden Hanni überreichen. Und es war
keine Überraschung darüber vorhanden, dass wir selber auch noch unsere Fátra
mitgebracht hatten ;-)))). Was eigentlich eine Überraschung sein sollte…..

Es war eine tolle Fahrt mit einem tollen Team bei tollen Menschen und Tieren.

Ohne schreckliche Ereignisse. Halt so, wie man sich eine Jubiläumsfahrt vorstellen und
wünschen würde.

Die nächste Fahrt für uns? Ich kann sie nicht erwarten !

Auf die nächsten 1.000 Hunde,

Eure / Ihre Tonja


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