Fahrtbericht März 2014

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Sicher wartet ihr schon auf den Fahrtbericht von unserer Märzfahrt.
Ich werde versuchen meine Eindrücke und Emotionen so gut es geht zu Papier zu bringen.
Ganz vorneweg möchte ich nochmals ein ganz großes und herzliches Dankeschön an meine beiden Mitfahrer Tina und Leon sagen, die mich „nur“ als Proviantmeister mitgenommen haben, sich das Fahren geteilt haben und mir somit die Möglichkeit gaben alles vor Ort und „Live“ erleben zu dürfen. Wir hatten viel Spaß zusammen (Tankstellen Stopp-Kuscheltiere – Insiderwissen), und ich hoffe, ihr nehmt mich wieder mit auf Tour.

Nach dieser Reise wird mein Bemühen, ein tolles zu Hause für unsere Fellnasen zu finden und sie aus der Enge und dem Lautstärkepegel des Tierheims, der unvorstellbar hoch ist, herauszuholen, noch größer sein.
Mit fiel immer bei meinen Pflegis und auch meinen eigenen Ungarn auf, dass sie abends, wenn man sich ins Körbchen legte, die ersten Tage auf die Stille lauschten und ein fast ungläubiges „Staunen“ in ihren Augen zu sehen war, nun verstehe ich auch warum. Sie können diese Stille gar nicht so recht fassen.

Aber kommen wir zum Anfang.
Meine Aufregung in der Woche vor der Fahrt hielt sich noch in Grenzen. Es gab noch einiges zu tun und abends war ich so müde, dass mir Gott sei Dank die Augen zufielen. Der Schreck dann am Donnerstagmorgen: Heftige Bauchkrämpfe, leichtes Fieber und Übelkeit quälten mich, aber ich wollte doch unbedingt dabei sein! Die Fahrt abzusagen kam für mich überhaupt nicht in Frage. Also nach der Arbeit mit Tabletten ins Bett und Ruhe gehalten, morgen würde es bestimmt besser sein. Den Wecker auf 4.00 Uhr gestellt , damit ich alle Vorbereitungen für unsere Obst- und Gemüsebar herrichten konnte und wirklich ging es mir am nächsten Morgen bedeutend besser. Ohne Stress und Hektik konnte ich alles erledigen und mit Maria pünktlich zum verabredeten Treffpunkt losfahren. Wir hatten noch Zeit einen Kaffee zu trinken, bevor Tina und Leon angefahren kamen.
Schnell wurden die Spenden von lieben Tierfreunden umgeladen, meine Reisetasche eingepackt und los ging meine erste Fahrt nach Miskolc.

Die Fahrt verging wie im Flug, wir hatten uns viel zu erzählen und ich glaube Leon wäre froh gewesen, wenn unsere „ Plappermäuler“ mal stillgestanden hätten. Ruck Zuck durch Österreich (wo waren die Berge geblieben?) und schon waren wir an der Grenze zu Ungarn. Budapest am frühen Abend, wunderschön (danke Leon, dass du extra durch Budapest gefahren bist!) und schon kam Miskolc, worauf ich natürlich sehr gespannt war. Würde man das Tierheim schon sehen? Mit rekordverdächtiger Ankunftszeit ( 20.15 Uhr) fuhren wir auf den Parkplatz des Hotels.

Dank Nina waren unsere Zimmer reserviert und wir konnten uns ein wenig ausruhen, das Bett umgestalten, (danke Tina für den Tipp, hat meinem Rücken gut getan! ) und uns etwas später treffen und in der Hotelbar einen Schlummertrunk zu uns nehmen. Natürlich ließ Nina es sich nicht nehmen, uns mit Abendessen zu versorgen und so ließen wir uns Pizza und Salat schmecken. Wir besprachen den kommenden Tag und allmählich merkten Tina und ich die Wirkung des Feierabenbieres und verschwanden bettschwer auf unseren Zimmern. Meine Aufregung hielt sich dank Schlummertrunk immer noch in Grenzen und ich konnte sofort tief und fest einschlafen.

Gegen 4.30 Uhr wurde ich allmählich wach und öffnete das Fenster um die Stadt zu „hören“. Ich hörte Hundebellen und fragte mich, ob es wohl „unsere“ Hunde waren, die da im Tierheim den neuen Tag begrüßten. Die Aufregung , die Vorfreude und auch ein bisschen Angst, was mich alles erwarten würde, stürmten nun auf mich ein und ich konnte es kaum noch erwarten ins Tierheim zu kommen. Fertig gerüstet für den Tag trafen wir uns endlich zum gemeinsamen Frühstück mit seltsam aussehenden Kaffee.

Nun ging es endlich los!

Da sah ich es, erst das rote Dach und dann standen wir schon davor, das Tierheim von Miskolc, „unser“ Tierheim.

Von der Mitte meines Körpers stieg ein Gefühl der Freude auf und Tränen füllten meine Augen, selbst wenn ich heute an diesen Moment denke, kommen die selben Gefühle wieder hoch. Es war einfach wunderbar, endlich einmal selbst davor zu stehen, alles fassen und aufnehmen zu können. Meine Freude war riesengroß und als ich dann auch gleich noch Bubu und Agnetha und Kalle sah, wars um mich geschehen. Ich kann dieses großartige Gefühl gar nicht in Worte fassen, einfach riesig.

Der erste Eindruck vom Tierheim war wow! Es war alles sauber und ordentlich. Welch eine Leistung bei all den Tieren! Und mein anfängliches Bauchgrummeln “was wird mich erwarten“ war im Nu verschwunden. Dann kamen auch schon alle uns herzlich zu begrüßen und ihre Freude über unseren Besuch war ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Spenden wurden unter großem Hallo ausgeladen, alle halfen mit und freuten sich sehr für ihre Schützlinge. Danke nochmals allen lieben Spendern!

Der Vormittag verging wie im Flug und Livi bereitete uns ein leckeres Mittagessen zu, welches wir zusammen einnahmen. Dabei sprachen wir über viele Dinge des Tierheimalltages und die Schützlinge. Danach war es Zeit, den Transporter für den kommenden Tag vorzubereiten, das hieß Steckbriefe anbringen, überlegen, wer passt am besten in welche Box u.s.w. . Für mich war alles neu und spannend und hat mir sehr viel Spaß gemacht , denkt man dabei doch an die Fellnasen, die ins Glück reisen können. Zwischendurch konnte ich mich immer mal wieder zu Bubu und Agnetha davonstehlen. Beides ganz liebe Fellnasen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein paar Streicheleinheiten. Es wäre endlich an der Zeit, dass auch sie ein zu Hause bei lieben Menschen finden!!! Beide haben natürlich mein Herz gestohlen.

Als der Transporter startklar für unsere kostbare Fracht war, konnten wir uns teilen und jeder hat seine Aufgabe übernommen. Ich durfte mit einigen Fellnasen spazieren gehen, und es war eine besondere Freude, ihnen einige Momente der Ruhe und Entspannung zu schenken und nur für sie da zu sein.

Emotional sehr schwer, mit einer der schwersten Momente für mich, zurück zu kehren und sie wieder an die Kette zu machen ( bei denen die draußen ihr Häuschen haben), mir liefen dabei die Tränen. Als ich mit Bubu zurück kam, der wirklich etwas Besonderes ist, hat mir Leon diese schwierige Aufgabe abgenommen.

Auch die anderen Schönheiten, im Zwinger untergebracht, habe ich nicht vergessen und mir alle angeschaut und wenigstens ein kurzes Hallo und eine liebe Streicheleinheit haben auch sie bekommen. Wunderbare, wunderschöne Hunde. Ich bin absolut sicher, wenn dieses Tierheim in Deutschland wäre, hätten 2/3 der Fellnasen nach kurzer Zeit ein zu Hause.

Am späten Nachmittag , die Päckchen für einige „ viele“ Langzeitinsassen waren verteilt,

gingen wir mit Livi zu den jungen Rüden, die draußen an der Kette leben. Zwei von ihnen fielen uns besonders auf, der eine von ihnen, ein schokobrauner Rüde - Livi erzählte uns, dass sie ihn von Zigeunern übernommen hatten - rannte rastlos im Kreis umher. Auch er sehr lieb, aber er blieb nur einige wenige Sekunden stehen, um sich kurz streicheln zu lassen und rannte dann auch schon weiter seine Kreise. Man konnte den Radius um seine Hütte genau sehen.

Der andere, auch wunderschön und wir glauben ganz fest, dass er bei seinen Menschen ein toller und treuer Begleiter sein wird, leidet sehr im Tierheim und knabbert sich selber blutig. Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen.

Die Zeit rannte davon und es wurde langsam Zeit uns zu verabschieden. Eine Weile saßen wir noch mit den Mitarbeitern und Livi im Büro, sahen mitgebrachte Fotos an, beobachteten Vega-Robi, den kleinen süßen ohne Ohren, der bei Tina ein Pflegezuhause? gefunden hat.
Zeit ins Hotel zurück zu gehen, sich frisch zu machen und fertig fürs Abendessen mit Nina, Angela (eine der Tierärztinnen) und Ninas Sohn. Es schmeckte vorzüglich und wir haben viel gelacht. Aber auch ernste Dinge besprochen, wie z. B. dass dringend Hilfe für anfallende Handwerkerarbeiten benötigt wird, oder dass auch die finanzielle Lage wie voriges Jahr vor der 1% Spende sehr angespannt ist und unserer Hilfe bedarf.

Gegen 22.00 Uhr zurück ins Hotel und todmüde ins Bett gefallen, aber an Schlaf war lange nicht zu denken, immer wieder kamen Bilder von Bubu, Agnetha und den anderen tollen Fellnasen. Aber irgendwann fielen mir doch die Augen zu. Lange vor dem Weckerklingeln war ich schon wieder wach und lauschte auf das Bellen der Hunde, traurig dass ein tolles Wochenende zu Ende geht, traurig so viele tolle Fellnasen zurück lassen zu müssen. Ich bin so froh, dass wir nicht vor Ort entscheiden müssen, wer bleibt und wer darf reisen, sondern dass alles vorher festgelegt ist, denn das wäre eine zu starke emotionale Belastung für alle Beteiligten.

Die Sachen waren eingepackt, wir hatten ausgecheckt und ab ging es ins Tierheim, wo wir bereits erwartet wurden. Wir halfen Livi die Halsbänder zu sortieren, und los ging es. Einer nach dem anderen wurden gebracht und kontrolliert, herzlich von Livi verabschiedet und in der Box platziert. Der coolste war Müller: Als ob er gewusst hat, dass er jetzt endlich dem Tierheim den Rücken kehren darf und ein tolles zu Hause auf ihn wartet, sprang er in den Transporter und steuerte genau auf seine Box zu, ging hinein und legte sich zur Ruhe. Einfach klasse der Junge! Was haben wir über ihn gelacht und uns für ihn besonders, aber auch für alle anderen gefreut. Tränenreich wurde Tiggi von seinem ungarischen Pflegefrauchen verabschiedet, die ihn als Welpe fand und ihn solange in ihrer Bar beherbergt und beschützt hatte, bis auch er in eine sichere Zukunft nach Deutschland reisen durfte.

Tränenreiche Verabschiedung auch bei mir von Bubu, Agnetha und Mogli, dem ich fest versprechen musste, im Mai mitkommen zu dürfen und los ging die Fahrt ins Glück für unsere Fellnasen. Es fiel mir sehr schwer, Bubu und Agnetha zurück lassen zu müssen.

Die Hunde waren ganz entspannt und ruhig, sie konnten endlich mal in Ruhe schlafen. Ehe wir uns versahen war der 1. Übergabepunkt erreicht, nach einem kleinen Umweg - bedingt durch eine Autopanne von Elvis Menschen, die ganz aufgeregt waren, dass es nun vielleicht nicht klappen könnte und sie ihren Elvis nicht mit nach Hause nehmen können. Elvis, schön und stattlich, durfte aber dann doch aussteigen. Die Freude auf beiden Seiten war sehr groß und Elvis genoss sichtlich seine Familie.

Und schon ging es weiter, denn Berrys Pflegefrauchen wartete ja auch. Dann waren Milan und Talky an der Reihe und auch hier war die Freude sehr groß. Für Milan haben wir uns auch sehr gefreut, drohte doch in letzter Minute sein Traum von der großen Reise zu platzen. Vielen Dank an seine liebe Pflegefamilie, die ihn kurzfristig bei sich aufgenommen hat.

Jetzt kam schon Weiskirchen und damit das Ende der Reise für mich. Mit mir stieg Müller aus und auch Spike wurde von seinem Herrchen sehnsüchtig erwartet. Die beiden nahmen sich alle Zeit der Welt auf dem Rücksitz von Herrchens VW-Bus, um sich kennenzulernen und um ausgiebig beschmust zu werden. Es war einfach schön mit anzusehen. Da hatten sich zwei gesucht und gefunden.

Ich nahm Mezi und Tiggi mit, Mezi wurde noch zu ihrem Frauchen und Hundefreundin Heidi nach Rauenthal in den Rheingau gebracht und Tiggi kam erst mal mit zu mir. Ein toller junger Hundemann.
Für Leon und Tina ging die Fahrt nun zu zweit weiter und alle Übergabepunkte wurden pünktlich erreicht und alle mit großer Freude erwartet.

Nach dieser Reise wird mein Bemühen ein schönes zu Hause für unsere Fellnasen zu finden noch ein bisschen größer sein. Ich hoffe Tina und Leon werden mich wieder mit auf Tour nehmen und dieses Mal werde ich bis zum Ende Ohligser Heide dabei sein, denn das besondere Feeling dort möchte ich gern erleben.

Nochmals danke an meine beiden Mitfahrer.


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