Ungarnfahrt 07.-09.06.2013

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Meine Fahrt nach Miskolc und wie es dazu kam.
Die Initiatorin dieser Fahrt war Tina, die mit uns, Tonja und mir, Léon, befreundet ist. Die beiden Mädels kennen sich schon seit ca. 20 Jahren und sind beste Freundinnen, die schon jede Fahrt, die Tina gemacht hat, zusammen (mental) erlebt haben. Nun war die Fahrt für Tonja gekommen, in der sie nicht nur in Gedanken sondern real mitfahren sollte. Lange hat sie diesem Tag entgegengefiebert und sich jeden und jeden Tag mit der Canifair-Seite und dem Zuwachs der mitzunehmenden Hunde beschäftigt. Sogar der Fahrbericht wurde schon vor der Fahrt begonnen, weil es ja schon so viel, was sie vor der Abfahrt durchgemacht hat, gab. Und genau dieser Mensch, für den es über lange Zeit kein wichtigeres Thema als die FAHRT im Fokus des täglichen seins rückte, musste sich in der Nacht vor der Abfahrt mit einer Magen-Darm Erkrankung ausschalten lassen.
Kurzes Krisengespräch zwischen Tina, Tonja und mir mit dem Ergebnis, dass Tina und ich alleine fahren, weil es ist ja alles vorbereitet und 32 Hunde darauf warten, dass wir sie auf der Rückfahrt irgendwo an der Raststätte übergeben werden.
08.06.2013, 5.30 Uhr Nörvenich, wir sehen uns in 3 Tagen wieder. Unsere Fahrt war jetzt nicht mehr zu stoppen, Miskolc wir kommen. Okay, stoppen nicht mehr, aber erschweren kann man sie bestimmt! Und genau das durften wir erleben in Form von Müdigkeit von einer gestressten Arbeitswoche und dem immer wieder wach werden in der Nacht vor der Fahrt (Magen-Darm) sowie einer bayrischen Umleitung für das Autobahnstück
um Passau, welches wegen des Hochwassers nicht befahrbar war.
Der Zeitverlust für diese Strecke war mehr als zwei Stunden, die sich
jedoch wegen der mehr oder weniger schönen Landstraße wie
min 5 Stunden anfühlten.

Aber egal wie schlimm man die Störungen auf einer Strecke auch findet,
irgendwann ist man dann doch am Ziel! Das war auch bei uns um
ca. 22.30 Uhr der Fall. Schnell einchecken und endlich die Beine hoch
und schlafen.
Sa. 09.06, 9.00 Uhr, frühstücken und kurze Besprechung, was wir heute alles erledigen sollen/möchten/wollen.
10.00 Tierheim! Wir sind da und ich bin auf dem ersten Blick total begeistert über den Zustand des Tierheims. Klar, wir hatten ein Wetter, dass einfach nur gelungen war und dementprechend sieht alles schön und ungetrübt aus. Neuer Auslauf und neue Gebäude im Sonnenlicht, einfach toll, aber alle Boxen sind offen und keiner der Hunde hat die Möglichkeit, sich in einem geschlossenen Raum aufzuhalten. Wie mag das hier im Winter sein, wenn die Tiere sich in einem Gitterkäfig mit Dach (also von oben trocken) befinden, aber der Wind und die Kälte der Feind für mehrere Monate wird? Das Wasser und das Futter in den Näpfen festfriert, die Atemluft sich als Eisbärte über Tage und Monate nicht mehr von den Hunden trennen mag, dass ist nicht die perfekte Lösung.

So los geht’s, raus mit den Spenden. Futter, Handtücher, Körbchen, Näpfe und Medizin füllten einen großen Bereich der Hausfront. Schön zu sehen, welche Mengen wir da mitgebracht haben! Mengen?? Ja für ein oder zwei Tiere Zuhause ein riesen Berg, aber für ein Tierheim mit fast 300 Hunden???

Die nächste Aufgabe war es, ein paar Hunde zu Modells zu machen. Also Hund raus in die Sonne und los geht das Fotoshooting, ohne Schminke, ohne Haarspray …. ! Tja Hunde sind von Natur aus schön! Das war für mich dann auch der erste Kontakt zu den Hunden, sorry, nein die Bürohunde waren die ersten. Voller Stolz halte ich den Hunden das Leckerchen entgegen und machte die tolle Erfahrung, dass Liebe und Zuneigung für die Hunde an erster Stelle stehen. Ein tolles Gefühl, sofort und bedingungslos akzeptiert zu sein und einen neuen Freund zu haben, den man leider bei dieser Fahrt nicht mitnehmen kann.

So, jetzt müssen wir schnell den Transporter fertig machen, Handtücher in jede Box und überlegen, welcher der Hunde in welche der Boxen kommt. Steckbrief an die Box und schon hat jeder der Passagiere eine eigene Einzimmerwohnung.

Der schöne Teil des Tages kann beginnen, alle Pflichten liegen hinter uns und vor uns die Tiere des Tierheims, alle!!
Jeder Hund musste unser Gesicht ertragen, während wir mit Leckerchen und Kamera vorbeizogen. Unglaublich war es für mich zu sehen, dass keins der Tiere eine aggressive Haltung uns gegenüber aufzeigte, hier habe ich in hiesigen Heimen andere Erfahrungen gemacht. Jeder Hund hat es verdient, seine jetzige Bleibe gegen ein neues liebevolles Zuhause einzutauschen. Bei dem Durchgang sieht man nicht nur die Tiere, sondern auch ihren Käfig und ihr Futter, welches sich nicht wirklich als
Tierfutter erkennen ließ. Jedoch hatte jedes Tier Futter, welches
wir optisch nicht tiergerecht fanden, aber mit welchem Recht

erlauben wir uns etwas zu kritisieren, was in ausreichenden Mengen für 300 Tiere zur Verfügung steht? Es entspricht bestimmt nicht unserer Vorstellung von Tierfutter aber ist das der Standard der immer gilt?
Zwischendurch haben wir uns noch ein hübsches Mädel, bei dem, bedingt durch einen Verkehrsunfall, eine komplette Beckenringfraktur, die bereits operiert und verheilt ist, angesehen. Leider ist bei der Süßen doch ein Schaden geblieben, der sich in Form einer Peronaeusparese wiederspiegelt. Das heißt, dass der Nerv, der für die Fußhebermuskulatur zuständig ist, beschädigt ist. Dadurch tritt sie auf dem Rückfuß auf und läuft sich diesen dann natürlich auf, so dass sie hier immer eine offene Stelle am Fuß hat. Diese Problematik kenne ich aus meinem täglichen Berufsleben beim menschlichen Fuß, dort haben wir mehrere Möglichkeiten zu helfen. Seitdem bin ich gedanklich immer wieder dabei, ein Hilfsmittel zu bauen.

Upps, jemand hat an der Uhr gedreht, der Tag im Tierheim ist vorbei! Schnell ins Hotel, frisch machen und mit Nina und Angela zum Essen. Ein sehr schöner Abend mit leckerem Essen und netten Gesprächen und viel Witz liegt hinter uns.
Sonntag 5.30 Uhr, Ankunft am Tierheim, um jetzt alle Passagiere für die Reise in ihre Einzimmerwohnung einzuladen. Alle Hunde werden von den Lieben aus dem Tierheim eingeladen. Es ist ihre Art sich von ihren liebgewonnenen Gästen zu verabschieden, dies ist wirklich immer wieder sehr emotional und für mich sehr schön zu erfahren und zu sehen, wie liebevoll und menschlich oder tierisch sie sich trennen müssen und möchten. 6.30 Uhr geladen und bereit zur Abfahrt.
Zwischenstopp auf einer Raststätte auf dem Autobahnring rund um Budapest, um die verbleibenden noch nicht belegten Wohnungen mit Hunden von befreundeten Tierschützern zu belegen. So, jetzt ist unser Reisemobil kmpl. ausgebucht.
Wieder die bekannte Umleitung um Passau mit demselben 2 stündigen Zeitverlust.
Die erste Stelle sollte Raststätte Bayrischer Wald sein, ja sollte, aber leider konnten wir diese nicht anfahren, da sie in dem gesperrten Bereich der Autobahn war. Kurze Absprache mit der Abholerin Fr. Rottmeier und der Treffpunkt war verlegt und der erste Kaffee für diesen Tag bestellt. An dieser Stelle herzlichen Dank an Frau Rottmeier, die den Kaffee pünktlich zu unserer Ankunft in ihren Händen hielt und uns diesen geschenkt hat. Ganz ehrlich, es ist nach 12 Stunden Fahrt ein Genuss, einen Kaffee zu schlürfen.
Ab hier wurden die Hunde im 1- bis 2-Stundentakt an die neuen Besitzer bzw. Pflegestellen übergeben. Es ist ein tolles Gefühl, jeden einzelnen Hund aus seinem Apartment zu bitten und ihn an die jeweiligen Abholer zu übergeben. Einfach toll, wie die zwei sich eigentlich völlig fremde Erdbewohner ansehen, begrüßen und sich bedingungslos akzeptieren. Immer und immer wieder durfte ich dieses Glück erleben und es lässt einem keinen Platz für den Streß, den man ja eigentlich hat. Für das alleine ist es schon unabdingbar weitere Fahrten zu machen, aber nicht nur dafür! Das gesamte Paket dieser Fahrt mit allem was ich erlebt habe ist ein Geschenk an meine Erinnerung, Gedanken und Bilder, die mir keiner mehr nehmen kann.

Gerne würde ich an dieser Stelle den Lesern die noch nicht gefahren sind, so eine Fahrt unbedingt nahe legen, aber leider macht das keinen Sinn für mich! Jeder der diese Fahrt machen möchte, nimmt mir meinen zukünftigen Stammplatz weg. Dies ist nicht zu akzeptieren! :)
Miskolc ich will wieder zu Deinen Tieren.
Lieben Gruß Léon

Vielen Dank an Canifair, den Lieben in Miskolc und besonders an meine tolle Begleiterin Tina.
@Tonja, Du hast mir sehr gefehlt, bei der Fahrt, die wir zusammen erleben wollten.

Bilder


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