Ungarnfahrt 11 – 14. April 2013

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Ungarn Fahrt vom 11. - 14. April 2013
CaniFAIR e.V. fährt ins Tierheim Miskolc
Ich fange den Bericht mal ein wenig anders an.
Zuerst einmal möchte ich sagen, dass die Eindrücke und das Erlebte mir nie hätte jemand so sagen und erklären können. Das muss man einfach erlebt haben. Es war einmalig und ich werde es nie vergessen. DANKE, dass ich dabei sein durfte.
So und jetzt kann es losgehen.
Als Sandra mich im Februar fragte, ob ich mit nach Ungarn fahren möchte, sagte ich spontan ja. Ich musste nicht lange überlegen. Die Zeit verging wie im Fluge und schwupp die wupp ging es auch schon Donnertags morgens pünktlich um 5 Uhr bei Sandra in Menden los.
Als ich das Navi startete und die Route berechnet war, wurden uns gute 1400 km Fahrtstrecke angezeigt. Die Ankunftszeit war 19 Uhr, die Tankstopps waren natürlich noch nicht mitberechnet. Puh, das wird eine lange Zeit, dachte ich mir.
Aber die Zeit bis zu unserem ersten Stopp in Weiskirchen, wo dann auch Stefan zustieg, verging sehr schnell. Stefan und Elke hatten noch den Kofferraum voll mit Sachspenden, die schnell verladen waren – hier ein ganz herzliches Dankeschön an das Tierheim Mainz für die vielen, tollen Futterspenden! - und weiter ging die Fahrt Richtung Ungarn. Sandra und Stefan „ zwei alte Hasen“ hatten viel zu erzählen, erklärten mir viel und machten noch nebenbei für mich den Reiseführer.
Wir wechselten uns mit dem Fahren ab und so verging die Zeit sehr schnell bis wir Ungarn erreicht hatten.
Gegen 21 Uhr erreichten wir unser Hotel in Miskolc und wurden von einer leckeren Pizza und einem kühlem Bier erwartet. Danke nochmals an Nina. (Ich bin ehrlich, noch länger hätte die Fahrt nicht dauern dürfen. ;-)) Nun noch eine Dusche und dann ins Bett, damit wir fit sind für den nächsten Tag.

Nach dem Frühstück ging es los ins Tierheim.
Wir wurden von strahlenden, freundlichen Gesichtern und vielen Hunden erwartet. Ich kann nur sagen, der erste Moment, als wir durch das Tor fuhren, war für mich total überwältigend und ich musste schlucken. Der erste Hund, der mich begrüßte war Hedi, eine ältere Vizsla-Dame, die wir auch mit auf die Reise nach Deutschland nehmen durften. Hedi ist ein ganz toller Hund und total verschmust.

Schnell luden wir die vielen tollen Spenden aus und dann kam der ersehnte Rundgang zu aktuell 330 Hunden. Groß, klein, jung, alt, hell, dunkel, langes Fell und kurzes Fell. Hier würde wirklich jeder Besucher den richtigen Hund finden. Viele Hunde sind leider schon viele Jahre hier und haben sich teilweise einfach aufgegeben und kommen auch gar nicht mehr zum Gitter, um sich ein Leckerli abzuholen.

Sandra und Stefan erkannten sofort einige Fellnasen wieder, was sie natürlich nicht glücklich macht, sie immer noch dort zu sehen.

Nach zwei Stunden hatten wir unseren Rundgang beendet, viele Fotos gemacht und viele Infos zu den Hunden erhalten. Ich hatte mein Herz an verschiedene Hunde verloren und mir vorgenommen, einer kleinen jungen Dame namens Katie bei der nächsten Fahrt die Freiheit zu schenken. Bei dieser Fahrt durfte die hübsche BRI mit mir ausreisen. Sie ist mein Pflegehund und sucht ein liebevolles zu Hause. (Nachtrag: Bri hat sehr schnell ein neues Zuhause gefunden!)
Nun waren wir für heute fertig und fuhren noch schnell ein paar Kleinigkeiten für unsere Kids besorgen. Versprochen ist versprochen, sie mussten ja auch 3 Tage auf ihre Mamas verzichten.
Am Abend waren wir mit Nina, Angela und Judith zum Essen verabredet. Es war ein toller Abend für uns, mir wurden wieder viele Fragen beantwortet und ich konnte spüren, mit welchem Herzblut alle Beteiligten dabei waren. Es wurde berichtet, überlegt und geplant. Die Situation im Tierheim ist momentan leider nicht gut. Statt 200 Hunden leben 330 dort, entsprechend hoch sind die Kosten. Ob Energiekosten, Futterkosten oder die medizinische Versorgung. Alles kostet mehr, als zur Verfügung steht und Canifair wird in Deutschland ebenfalls planen und überlegen, wie hier noch mehr geholfen werden kann.

Besonders gut gefällt mir, dass es hier nicht darum geht, möglichst viele Hunde nach Deutschland zu bringen, sondern dass an der Nachhaltigkeit gearbeitet wird, an der Veränderung und Verbesserung der Situation vor Ort und daran, den Menschen in Ungarn den Tierschutz näher zu bringen und sie zum Umdenken zu bewegen. Viele Hunde werden kastriert, es wird ein Gassigeh-Tag im Tierheim veranstaltet und ganz langsam merkt man, dass immer mehr Leute kommen, um mit anzupacken.
Z.B. wird im Juli eine Gärtnerin aus Rheinland-Pfalz mit 2 Kollegen anreisen und 2 Wochen lang die freien Flächen im Tierheim bepflanzen. Das ist eine ganz tolle Aktion und ich hoffe, dass noch viele folgen werden.

Am Samstag war dann leider schon unser letzter Tag in Ungarn und wir bereiteten unseren Transporter für die Rückfahrt vor. Die Boxen wurden mit frischen Handtüchern ausgestattet und die Steckbriefe der Hund an der jeweiligen Box befestigt. Natürlich wurden auch nochmal alle Hunde besucht, von einigen Hunden wurden Einzelfotos gemacht und einzelne Hunde wurden aus den Zwingern geholt.
Das Sorgenkind „Pluto“ kam auch heraus, damit wir ein Video von ihm machen konnten. Pluto ist krank, er hält seinen Kopf ganz schief und Stefan und Sandra haben spontan entschieden, dass Canifair die Kosten für ein CT übernehmen wird, damit es eine Diagnose und damit eine größere Chance auf ein Zuhause gibt. Seine traurigen Augen werde ich so schnell nicht vergessen. Es wäre schön, wenn man ihm helfen könnte, denn seine Krankheit wird von seinen Mitbewohnern teilweise ausgenutzt und er wird öfter von ihnen angegriffen und kann sich nicht wehren.

Allen Hunde, die aus ihren Zwingern herauskamen, konnte man ansehen, dass sie sich freuten. Sie konnten sich endlich mal richtig bewegen und schnuppern, die Welt kurz mal von einer anderen Seite sehen.

Was mich besonders beeindruckte war ein älterer Mann, der mit seiner Enkeltochter kam. Sie brachten ein wenig Futter mit und waren dann 2-3 Stunden da, um mit den Hunden spazieren zu gehen. Da wusste man nicht, wer sich mehr freute: Hund oder Mensch. Einfach toll.

Auch die Arbeiter im Tierheim waren toll. Sie haben so viel zu tun, arbeiten momentan Tag und Nacht und haben doch zwischendurch immer wieder kurz Zeit, um einen kleinen Umweg zu einem Hund zu machen, ihn kurz zu streicheln und dann weiter ihrer Arbeit nachzugehen. Die Hunde haben keine Angst vor den Helfern und das ist beruhigend zu wissen.

2 traurige Fälle haben wir am Samstag leider auch gesehen. Eine wunderschöne, sehr ängstliche Schäfermixhündin, der man seitlich links in den Nacken geschossen hatte. Gott sei Dank war es ein Durchschuss, die Austrittswunde ist rechts und alles muss nun täglich gespült werden bis die Wunden verheilen. Ihre seelischen Wunden werden so schnell nicht heilen. Sie liegt frei, nicht eingesperrt, ohne Box und bewegt sich keinen Meter von ihrer Decke herunter.

Dann kam ein Hund, der am Tag zuvor von der Polizei gebracht wurde. Ihm hatte man mit Draht den Kopf, die Schnauze, den Hals und die Beine zusammen gebunden und ihn dann bei ca. 70 km/h aus dem Auto geworfen. Er war total verstört, ließ sich aber anfassen. Unglaublich, dass diese Tiere uns Menschen immer noch vertrauen.

Wir fuhren dann nachmittags zurück ins Hotel, um uns für unsere Nachtfahrt vorzubereiten. Etwas ausruhen musste reichen, schlafen war eigentlich geplant, aber mir persönlich ging noch zu viel durch den Kopf und hinzukam, dass das Zimmer extrem hell war.
Gegen halb neun ging es dann zum Tierheim, wo bereits die Hunde von einem befreundeten Tierschutzverein warteten, die wir mit nach Deutschland nehmen sollten. Danach waren unsere Hunde an der Reihe und kamen in ihre Boxen. Sandra kontrollierte währenddessen alle Ausweise und die Papiere und las bei allen Hunden die eingeladen wurden die Chips aus und verglich die Nummer mit den Pässen. Für mich war das sehr interessant, aber auch sehr bewegend und ich musste des Öfteren schlucken, dass wir so viele Hunde zurück lassen mussten.

Nach einem herzlichen Abschied mit vielen Umarmungen, ging es um 21.30 Uhr los Richtung Budapester Ring wo wir noch mal 4 Hunde in Empfang nahmen. Alles verlief gut und wir lagen gut in der Zeit. Stefan fuhr uns und die Hunde sicher Richtung Heimat, so dass wir versuchten, mal kurz die Augen zu schließen. Kurz hinter Wien kam der erste Stopp zum Tanken und dann ging es für mich ans Steuer. Stefan machte kurz die Augen zu und Sandra versuchte mich mit Ihrer Musik wach zu halten (funktionierte extrem gut ) und so kamen wir Deutschland immer näher.
Gegen 6:30 Uhr, sehr pünktlich, waren wir an unserem ersten Stopp angekommen, wo die ersten Fellnasen ihre neuen Frauchen und Herrchen begrüßen konnten. Strahlende Augen und sehr dankbare Hunde. Mit einer Verspätung von einer halben Stunde ging es weiter zum nächsten Stopp. Dort wurden wir mit Semmeln und Kuchen, kalten Getränken und Kaffee erwartet. Das war schon toll.

Beim nächsten Halt würde uns Stefan leider verlassen und auch dort wurden wir mit Kaffee und Kuchen versorgt. Die Hunde wurden begrüßt und die weiterreisenden Hunde bekamen Wasser.
Sandra brachte uns dann bis zur Ohligser Heide - unser letzter Stopp bevor es Richtung Heimat ging. Wir waren so gut durchgekommen, dass uns der kurze Stau auch nicht mehr umhaute. An der Ohligser Heide stieg um 13:30 Uhr auch die kleine Grini aus, die so tapfer war, da sie nicht mehr die jüngste ist.
„Heimat - wir kommen“ hieß es und ich brachte das Auto wieder zum Rollen. In Menden um 15:30 Uhr angekommen, hieß es für die letzten 10 Hunde aussteigen und Sonne und Freiheit genießen.
Ein Tierschutzverein aus Menden, für den wir 6 Hunde transportierten, holte seine Tiere ab und zu guter Letzt begrüßte uns noch das Veterinäramt mit einer Kontrolle. Die Dame war sehr nett und freundlich und schien ganz zufrieden, dass alles so gut organisiert war und der Transporter mit eingebautem Boxensystem, Lüftung und Klimatisierung im Laderaum, allen notwendigen Transportrichtlinien entspricht.

So ging eine tolle Fahrt zu Ende und ich hoffe, ich konnte Alles in meinem Bericht wiedergeben. Danke nochmals an Sandra und Stefan, ihr seid so tolle Mitfahrer gewesen, ich würde gerne nächstes Jahr wieder die Tour mit Euch machen.

Silke Becker
April 2013


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