Einmal MISKOLC und zurück

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Es war Sonntagmittag und ich hatte gerade von meiner neunzehnjährigen Tochter erfahren, dass sie abends nicht mit mir in den gebuchten Urlaub in die Türkei fliegen würde. Sie hatte wohl in der davor liegenden Nacht in der Disco den Typen ihres Lebens kennengelernt. Dass sie das schon mehrmals gedacht hat, brauche ich dabei wohl nicht zu erwähnen.
Kurze Zeit später klingelt das Telefon bei mir. Sandra von der Tierschutzorganisation CANIFAIR fragt mich, ob ich Zeit und Lust hätte, kurzfristig als Mitfahrer nach Miskolc in Ungarn einzuspringen, die geplante Mitfahrerin musste wegen der Erkrankung ihres Hundes absagen. Zur Erklärung: Ich hatte im Dezember 2009 von CANIFAIR Welpen aus Ungarn zur Weitervermittlung bekommen. In den Sommermonaten hatte ich immer Hunde aus Griechenland per Flugpaten erhalten, für die ich ein Zuhause gesucht habe. In den Wintermonaten aber gibt es keine Flugpaten und so konnte ich CANIFAIR in dieser Situation damals helfen. Inzwischen hatte ich aber auch schon zweimal das Hundetreffen von Canifair im August besucht.
Wieso man für die Fahrt aber ausgerechnet auf mich gekommen ist, war mir schleierhaft.



Ich brauchte in dieser Situation gar nicht überlegen, sondern sagte sofort zu. Die Vorstellung, diese ganze Woche mit meiner pubertierenden Tochter zu verbringen, die gerade unseren Urlaub gecancelt hatte, löste in mir größte Abneigung gegen ein Zuhause bleiben aus.
Nach einigen kurzen Gesprächen lud Sandra mich ein, bereits am Mittwochabend mit dem Zug ins Sauerland anzureisen und ich bedanke mich hiermit noch einmal ganz besonders, dass ich dort übernachten durfte, weil wir ja auch schon Donnerstagmorgen ganz früh losfahren wollten.
Nach zwei Flaschen Bier abends mit dem Herrn des Hauses verschwand ich im Gästezimmer, nicht ohne die Warnung zu erhalten, dass mich eventuell zwei Katzen des Nachts besuchen würden. Sollte das geschehen sein, dann habe ich nichts davon gemerkt, so gut habe ich geschlafen.
Der Wecker klingelte um halb fünf und schon um kurz vor fünf fuhren wir mit dem bereits mit Hilfsgütern beladenen IVECO auf die Autobahn.
In Hagen luden wir dann noch für einen anderen Verein einen Hund ein, der nach Nürnberg gebracht werden musste. Um 7.50 Uhr stieß Stefan hinter Frankfurt zu uns. Ich war schon sehr auf ihn gespannt, weil man doch fast vier Tage eng zusammenleben würde. Er entpuppte sich als witziger, humorvoller Mensch, den ich sofort sympathisch fand.

Um ein Viertel vor zwölf waren wir bereits in Österreich und um 15 Uhr in Ungarn. Dort hieß es dann eigentlich 80 km/h auf der Autobahn einhalten, da unser Gefährt dort als LKW galt. Stefan hielt das auch weitgehend ein, während ich das Risiko einging, den Inhalt meiner Brieftasche teilweise auf’s Spiel zu setzen. Da die liebe Sandra sich unbedingt die grauen, tristen Fassaden der alten Gebäude in der Budapester Innenstadt ansehen wollte (……..hier lasse ich etwas Platz für empörten Widerspruch! ), fuhren wir nicht auf dem Budapester Ring, sondern mitten durch die Hauptstadt. Alle Bitten des Navis endlich mal links abzubiegen wurden ignoriert, da man bei einer früheren Fahrt auch bis zum bitteren Ende die Innenstadt durchquert hatte.
Es war dann halb neun, ehe wir in Miskolc einliefen..
Das Hotel entpuppte sich als nettes Drei-Sterne-Hotel. Die Zimmer waren schön groß und Sandra bekam sogar ein Zimmer mit einer Badewanne, während wir Männer uns mit Duschen begnügen mussten. Etwas gewöhnungsbedürftig waren die dünnen Matratzen, bei denen man jede einzelne Feder körperlich spüren konnte. Die Rückenschmerzen am nächsten Tag hatte ich auf mein zunehmendes Alter geschoben. Inzwischen weiß ich aber, dass die Matratzen die Schuld daran trugen.
Ach ja! Unser Alter! Sandra war eine flotte Mittdreißigerin, Stefan ein jugendlicher Mittvierziger und ich war der Opa der Gruppe. Mit 68 Jahren, das älteste Mitglied von CANIFAIR, das jemals Miskolc lebend erreicht hat.
Zu erwähnen wäre noch, dass der freundliche Rezeptionist uns am Abend der Ankunft die Bar noch einmal öffnete, damit wir unseren Durst löschen konnten.
Am nächsten Morgen freuten wir uns auf das Frühstück, das wir im Hotel einnahmen. Mein Tee war in Ordnung, aber ich sehe die entsetzten Gesichter meiner Mitfahrer noch vor mir, die ihr Tässchen Kaffe mit heißem Wasser etwas aufpeppen wollten. Das heiße Wasser entpuppte sich als ziemlich kalt. Kalter Kaffe zum Frühstück! Igitt!
Dann endlich die lang erwartete Fahrt um die Ecke zum Tierheim. Mein erster Eindruck war, hier hat man aber etwas wirklich Gutes geschaffen. Ein Verwaltungsgebäude mit Büro, Küche, einer medizinischen Station und einer Krankenstation.. Dazu dann das erste Gebäude für die vielen Hunde. Die Käfige darin großzügig gebaut, nicht so eng wie man es sonst oft kennt, aber hoffnungslos überbelegt. Das zweite Gebäude, ein Abbild des ersten, ist fast fertig, aber es muss noch ein Boden eingezogen werden, der sich leicht säubern lässt und angenehm für die Hunde ist. Wir haben ein ganz neues Material aus Deutschland mitgebracht, das testweise ausprobiert werden wird. Weil es so viel Hunde im Moment gibt, hat man noch einige der alten Käfige aufbauen müssen, um möglichst viel Hunde unterbringen zu können.

Es existiert ja sogar eine Warteleiste von Leuten in Miskolc, die ihre Hunde gerne wieder abgeben möchten. So haben wir jede Familie misstrauisch beäugt, die kam, um sich einen Hund auszusuchen. Besonders Sandra sah man die Sorge und die Überlegungen an, die sie anstellte. Wurde ein großer Hund ausgesucht, war sofort der Gedanke da, der arme Kerl wird bestimmt an der Kette draußen leben müssen. Bei kleineren Hunden hoffte man schon, dass er drinnen leben dürfte, aber wie lange würde z.B. die Tochter Spaß an dem kleinen Kerl haben? Sandra merkte man an, sie hätte die meisten Leuten am liebsten weggeschickt und keinen Hund rausgerückt, aber natürlich prüfen auch die Tierschützer aus Miskolc die Leute, auch wenn manchmal die Bedingungen eben nicht so wie in Deutschland sind. Aber ohne Vermittlungen ist keine Tierheimarbeit möglich.
Aber zurück zum Eintreffen im Tierheim. Für mich war ja alles neu, aber Sandra und Stefan kannten alle, die dort arbeiteten und dementsprechend fiel die Begrüßung besonders herzlich aus. Aber genau so herzlich wurden alle bekannten Hunde begrüßt, die es leider noch nicht geschafft hatten vermittelt zu werden. So drehte sich anfangs alles um „Müller“, über den aber in dem letzten Bericht bereits geschrieben wurde. Aber nach allem was ich mitbekam war es so, dass Müller große Fortschritte gemacht hatte.

Dann gab es ja auf dem Gelände noch den Hundeauslaufplatz.. Im Moment ist es noch ein Stück Gelände mit teilweisem Graswuchs. Das soll aber mal dazu dienen, den Hunden in Gruppen Auslauf zu gewähren. Im Moment sieht dieser „Auslauf“ so aus, dass immer einige Hunde an Metallheringen mit dünnen Ketten festgemacht werden und da etwas hin und her laufen können, um auch mal aus den Gitterkäfigen heraus zu kommen. 7 – 8 Hütten stehen dort auch, in denen einige Hunde leben dürfen. Ich sage bewusst leben dürfen, da sie dort viel mehr zu beobachten haben als im Inneren des Tierheimes. Was ich so mitbekommen habe, wird dieser Auslaufplatz recht teuer, denn das Gelände gehört noch dem Staat und da fällt zusätzlich eine Steuer an, die das Tierheim zahlen muss, wenn sie das Gelände nutzen will.

Nachdem ich feststellen musste, dass in meiner Kamera keine Speicherkarte steckte, meine Tochter hatte sie wohl entfernt, damit ich ihre Discoaufnahmen nicht sehen sollte, musste ich mir die Kamera von Sandra leihen. Peinlich!
Bevor ich aber beginnen konnte zu fotografieren, musste erst einmal der IVECO entladen werden.
Zu Mittag wurden wir von Livia, der Tierheimleiterin zum Essen eingeladen. Sie hatte uns drei verschiedene Sorten Pasta gemacht, um uns zu verwöhnen. Das ist ihr auch tatsächlich sehr gut gelungen.
Nach dem Essen wurden dann alle Boxen mit Steckbriefen bestückt. Hört sich doch leicht an, aber es muss die Größe der Hunde eingeschätzt werden. Braucht er nur eine S-Box, eine M-Box oder sogar eine XL-Box? Die Hunde, die wir aus Miskolc mitnehmen würden, konnten wir uns ja ansehen. Aber was war mit den zwölf Hunden aus Cegled, die auf der Rückfahrt dazu kommen würden? Es sind ja fast nur Welpen, beruhigten wir uns.

Dann endlich Zeit für einen längeren Rundgang und für mich die Möglichkeit, Fotos zu schießen. Sandra hatte es ein weißer Hund mit schwarzen Flecken angetan, der einen erbärmlichen Eindruck macht. Ihr mütterliches Mitleid war geweckt. Orin! Sie hat ihn die restliche Zeit dort nicht aus dem Kopf bekommen und ich denke auch heute noch nicht. Wird er in zwei Monaten dabei sein?

Dazwischen wurde immer wieder hektisch hin und her telefoniert. Finden wir für den weißen Westi noch eine Pflegestelle oder wird er sogar direkt vermittelt? Können wir Fiete, Stefans Liebling, noch mitnehmen?
Am späten Nachmittag endlich Feierabend. Sandra will unbedingt zu CORA, einem riesigen Supermarkt, um da für ihren Nachwuchs etwas zu kaufen. Ich hatte auch vor, für jemanden etwas Nettes zu kaufen. Also auf zu CORA. Wir ignorieren sämtliche näher liegenden Verbrauchermärkte, denn …………Sandra will zu CORA. Der Wunsch einer schönen Frau ist uns Befehl und irgendwann finden wir den Markt auch. Nach gewissen Zweifeln, wie man da bezahlt, denn wir haben keine Forint, löst sich das Problem, in dem wir mit Karten bezahlen. Am Abend werden wir von Nina, die wohl eigentlich Ninya heißt, in ein tolles Restaurant ausgeführt. Nina gefällt mir auf den ersten Blick.

Sie hat Temperament und ihre Augen strahlen die ganze Zeit. Und wir strahlen, als wir die Speisekarte sehen. Einfach erstklassig. Wir hatten zwar großen Hunger, aber es war so reichlich, dass es dann nicht einmal mehr für ein Dessert reichte. Als ich später merkte, dass Nina alles bezahlen würde, hatte ich Skrupel, dass mein Essen zu teuer gewesen sein könnte.
Als wir müde, satt und erschöpft ins Hotel kommen, ist leider der nette Rezeptionist nicht da. Der, der an diesem Abend Dienst hat, bedeutet uns, dass die Bar seit 20 Uhr geschlossen habe und er nicht gewillt sei, Ausnahmen zuzulassen. Ohne Absacker verabschieden wir uns in unsere Zimmer.

Am Morgen wieder Frühstück und ich beobachte innerlich grinsend, wie meine Teamkollegin und mein Teamkollege um ihren Kaffee kämpfen. Fast hätte es auch geklappt. Aber dann beschließen sie den Kaffee mit Milch zu verlängern. Das war der Fehler! Die Milch war so kalt, dass sie wie am Vortag wieder kalten Kaffee in ihren Tassen hatten. Jetzt taten sie mir doch etwas leid.
Nina holte uns dann am Vormittag ab und brachte uns zu einer Art Büdchen auf dem Parkplatz von TESCO, wo sie diverse Sorten Salami verkaufen. Wir kauften einige ein und fuhren dann zum Bauernmarkt. Alte Weiblein, die dort ihr Gemüse, ihren Salat und Blumen verkaufen Dazwischen natürlich auch die professionellen Händler. Ein buntes, schönes Bild, das aber auch teilweise Armut widerspiegelte.
Inzwischen war es richtig kalt geworden und es begann zu allem Überfluss leicht an zu regnen.
Jetzt aber zurück ins Tierheim. Ein großer Rundgang durch das Tierheim. Welche Hunde sollen wir schnellstens auf die CANIFAIR-Homepage setzen? Welche Hunde sollten dringend vermittelt werden?

Eine kleine Hündin fällt uns auf, die von den Mitbewohnern des Käfigs richtig gemobbt wird. Sie tut uns so leid und wir notieren ihren Namen und machen selbstverständlich Fotos, damit sie beim nächsten Mal mitkommen kann und vielleicht auch schon eine Familie hat.

So durchkämmen wir einen Käfig nach dem anderen auf der Suche nach den passenden Hunden. Passend ist da eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Passen würden sie alle!

Mit dem Auto des Tierheimes wird eine kleine Hündin zur Tierklinik gefahren. Sie stand vorher hilflos und schwach in der Transportbox des Autos, bewegte sich nicht und der Speichel tropfte ihr aus dem Maul. Nach einer Stunde ist sie wieder da – tot! Sie war nicht mehr zu retten.
Um 15 Uhr machen wir Schluss. Wir wollen uns noch etwas hinlegen, denn wir werden die Nacht durchfahren. Bei dieser Vorstellung fühlte ich mich so unwohl, dass ich dann in meinem Zimmer nicht mehr schlafen konnte. Die ganze Nacht und den ganzen Tag durchfahren ohne Schlaf? Geht das?
Um 19 Uhr essen wir noch eine Pizza, fahren mit dem IVECO zur Tankstelle und dann zum Tierheim.

Jetzt müssen die Pässe und die dazugehörigen Hunde kontrolliert werden. Stimmen alle Daten? Ist das der richtige Pass zum richtigen Hund. Stimmt also die Chipnummer? Ein Hund nach dem anderen verschwindet in seiner Box im Auto. Natürlich müssen jetzt doch noch Boxen getauscht werden, wenn der Hund unerwartet doch zu groß oder zu klein ist. Glücklicherweise kommen ja fast ausschließlich Welpen später aus Cegled hinzu……………denken wir.
Um 21.45 Uhr sind wir fertig und die Verabschiedung beginnt. Noch ein letzter Blick auf diejenigen, die da bleiben mussten und es geht los.
Stefan fährt und ich verrate es jetzt schon. Er wird die ganze Nacht bis morgens sieben Uhr in diesem Nieselregen allein am Lenkrad sitzen. Danke, Stefan! Das war eine großartige Leistung,
Aber wir mussten ja noch die Welpen von Cegled abholen. Man wartete auf einem Rastplatz in der Nähe von Budapest auf uns. Nach einem Blick in die noch freien Boxen hörten wir nur: Zu klein, zu klein, zu klein! Wir schauten uns jetzt erst die Welpen an und erschraken: Zu groß, zu groß, zu groß! Sie sollten zwischen vier und sechs Monate alt sein. Aber welche Eltern müssen sie gehabt haben? Schöne Tiere, zugegeben, aber mit solchen Prachtexemplaren hatten wir nicht gerechnet. Also alles wieder neu sortieren. Hunde samt Pässe und Beschreibung verlegen oder zusammenlegen. Irgendwann hatten wir alles umgesiedelt.

Unterwegs durften wir noch erleben wie unser Vereinstransporter die 100.000 km erreicht hat, was natürlich sofort im Bild festgehalten wurde.

Als es wieder Tag wurde und die Sonne wieder aufging, merkten wir, dass wir auch wieder munterer wurden. In Deutschland angekommen, wurden auf diversen Rastplätzen dann die ersten Hunde abgeholt und es machte richtig Spaß zu sehen, wie sehr sich die neuen Besitzer oder auch die Pflegefamilien über ihren Zuwachs freuten.

Stefan verließ uns dann wieder bei Frankfurt und dafür stieß Inka zu uns. Um 13:45 Uhr war die Fahrt auf dem Rastplatz Ohligser Heide endgültig zu Ende.
Ich möchte nur noch eines sagen: Vielen Dank, Sandra! Vielen Dank, Stefan! Ihr habt mir sehr geholfen! Hoffentlich konnte ich Euch auch helfen!

Klaus Franke

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