Ungarnfart im Februar 2012

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Liebe Cani F.A.I.R. Freunde und Ihr, die es werden wollt!

Diese Ungarnfahrt startete bereits am Donnerstag, 09.02.2012, da wir drei unbedingt ein bisschen mehr Zeit im Tierheim mit den Hunden verbringen wollten. Wir, das sind Petra Schubert, Tina Mros und ich, Simone Schrader. Obwohl ich ein Cani F.A.I.R. Mitglied der ersten Stunde bin und auch schon das Tierheim in Miskolc besucht habe, so war dies doch meine erste ‚richtige’ mit Spenden hin und mit Hunden zurück Ungarnfahrt. Ich zählte zuerst die Tage und dann die Stunden, bis es endlich los ging.
Selten habe ich mich über das Klingeln meines Weckers so gefreut, wie an diesem Donnerstag. Raus aus den Federn, fertig machen, Brote schmieren, letzte Sachen packen und mit Chauffeur Claus (meinem Mann) ab auf die Autobahn. Petra und Tina, die schon im Rheinland losgefahren waren, sammelten dann wenig später meine mitgebrachten Sachspenden und mich an der Raststätte Weiskirchen auf und endlich ging es richtig los!

Ein wenig später hielten wir noch einmal an der Raststätte Spessart Süd, um weitere tolle Sachspenden für’s Tierheim und Süßigkeiten für uns von Frau Schawerna in Empfang zu nehmen, die Sie uns netterweise an die Autobahn gebracht hatte. Auf der Rückfahrt würden Sie noch mal treffen und dann ‚etwas’ für sie dabei haben, denn der liebe, blinde Wonder hat das Glück, bei Familie Schawerna ein Zuhause zu finden

Trotz der Eiseskälte verlief die Fahrt reibungslos und zügig. Da drei Mädels mit insgesamt 12 Hunden sich problemlos über 13 Stunden hinweg non-stop unterhalten können, wurde es uns auch kein bisschen langweilig. Beim Tanken und Vigniettenkauf für Österreich und Ungarn konnten wir uns ein bisschen die Füße vertreten, mehr Pausen waren auch nicht nötig. Die Autobahnen waren salzig, trocken und frei, bis auf eine etwas verschneite, feuchte Passage durch höhere Lagen Österreichs

So gegen 22:45h erreichten wir das Hotel Károly in Miskolc. Wenn man das Fenster öffnete, konnte man schon die Hunde des Tierheims bellen hören. Obwohl wir es kaum erwarten konnten, endlich die Menschen und Hunde im Tierheim zu treffen, war es doch spät und wir redlich müde, daher fielen wir recht schnell in die Betten. Durch den Parkplatzblick unserer Zimmer hatten wir den Transporter immer ‚im Auge’. Trotz der erwartungsvollen Aufregung, was der nächste Tag bringen würde, verbrachten wir eine recht erholsame Nacht

Der Freitag startete mit einem interessanten Frühstück und mit dem letzten Schluck Kaffee kam Nina, eine der Leiterinnen des Tierheims, durch die Tür, um uns abzuholen. Wir kennen die unglaublich patente, liebenswerte Nina und ihre KollegenInnen ja nun schon fast vier Jahre lang, daher war die Wiedersehensfreude riesengroß! Erste Neuigkeiten wurden dann natürlich gleich an Ort und Stelle ausgetauscht. Dann ging es los, ins nur wenige hundert Meter entfernt liegende Tierheim. Meine Aufregung war mir mittlerweile deutlich anzumerken und ich konnte sie auch nicht mehr ‚weg kalauern’.

Im Tierheim angekommen, begrüßten uns die größte Tierfreundin unter der Sonne, Livia, die die operative Leitung des Tierheims inne hat; Eszter, die jüngere der beiden Tierärztinnen; Katika, die sehr erfahrene, langjährige, wunderbare Tierpflegerin des Heims und natürlich Zoltan, Tierpfleger und Mann der alles kann. Es war ein spannendes Erlebnis, das Tierheim endlich einmal in Betrieb zu erleben, da ich die Räumlichkeiten von der Eröffnungsfeier bisher nur leer kannte und es der Fantasie überlassen war, sich die Funktionen der Räume vorzustellen.

Jetzt war Leben in der Bude – und wie! Im Büro wuselten mehrere kleinere Hunde herum, die dort ihre Körbchen, Snacks und Wasser stehen hatten (Livias eigene Hunde, ein junger Wilder, dessen Namen wir leider nicht kennen, die kleine zauberhafte Kormi, der bildhübsche Hugo mit einem Hauch von silber im blonden Fell, Lara, die mit uns fahren würde und Baby Martina – ganz entzückend!).
Das hundige Begrüßungskomitee wurde natürlich gleich erst einmal ausgiebig geschmust

Dann folgte ein kleiner Rundgang durch das Erdgeschoss des Hauptgebäudes, durch die überfüllte Krankenstation mit vielen pflegebedürftigen Schätzen, das Katzen-’Zimmer’ – eigentlich der Flur, das Welpenzimmer, Lager usw. Der Besuch in der Krankenstation hat mich fast umgehauen: Jede Box war belegt und weitere Patienten mussten in zusätzlichen Gitterboxen, die sogar aus Platzgründen gestapelt wurden, auf ihre Genesung warten. Beim Betreten des Raumes setzte sofort ohrenbetäubendes Bellen und Jaulen ein und durch die vielen Hunde und deren Versorgung herrschte hier eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit, obwohl oft frische Luft hineingelassen wird.

Das Dachgeschoss ist leider noch nicht ausgebaut und der von Nina sehnlich gewünschte Schulungsraum für z.B. Kindergartengruppen und Schulklassen muss wohl aus finanziellen Gründen noch eine Weile warten. Wir haben ja schon oft darüber berichtet, dass das ungarische Tierheimteam sehr rührig ist, wenn es um die Aufklärung der Bevölkerung in Sachen Tierhaltung und Tierschutz und um Nachhaltigkeit geht. Ninas Traum ist es daher, schon bei den jungen Menschen anzusetzen und ihnen den liebe- und respektvollen Umgang mit Hund, Katze & Co. beizubringen. Kinder sollen ins Tierheim eingeladen werden und unter Aufsicht die Gelegenheit bekommen, Tiere richtig kennen zu lernen, zu streicheln, zu füttern und zu erleben, wie großartig das Zusammensein mit Tieren ist, wenn man sie gut behandelt. Es ist so wichtig diesen Teufelskreis zu unterbrechen und zu verhindern, dass Kinder nur das oftmals grauenvolle Verhalten der Erwachsenen Tieren gegenüber kopieren.
Der Rundgang ging dann draußen weiter: Im zweiten, noch im Bau befindlichen Zwingergebäude soll ebenfalls ein großes Lager für Futter, Decken, Bettchen usw. entstehen, mit Wänden vom Fundament hinauf bis zum Dach, damit keine zerstörerische Ratte sich Zugang verschaffen kann und diese Dinge endlich trocken gelagert und gut aufgehoben werden können. Momentan werden diese Dinge aus Platzmangel in jeder nur freien Ecke abgestellt und es wird Zeit, dass die Zimmer des Hauptgebäudes wieder mehr Raum für ihren eigentlichen Bestimmungszweck bieten.

Obwohl wir darauf brannten, endlich mit unserem großen Hunderundgang anzufangen, so beherrschten wir uns mit Mühe und machten uns an den nächsten Punkt im Pflichtprogramm: Ausladen und Transporter für die Reisegäste vorbereiten.

Zuerst wurden die mitgebrachten Spenden ausgeladen, eine defekte Box im Transporter ausgetauscht und alle Passagierplätze mit dicken Decken gepolstert und mit Handtüchern darüber ausgestattet, damit die Hunde es trotz der kalten Temperaturen in ihren Boxen gemütlich haben würden. Als nächstes wurden die Boxen den mitreisenden Hunden zugeordnet, deren Steckbriefe in den jeweiligen Plastikhüllen an den Boxentüren verstaut und alles gut verzurrt. Zoltan half uns noch dabei, die kleine Fensterscheibe zwischen Fahrerkabine und Laderaum herauszunehmen, damit während der Rückfahrt warme Luft zu den Hunden nach hinten strömen kann. Durch die lähmende Kälte und steif gefrorene Finger dauerte alles deutlich länger, als Petra und Tina es bisher gewohnt waren.
Beinahe hätte ich’s vergessen: während wir mit dem Transporter beschäftigt waren, kam noch sehr wichtiger Besuch ins Tierheim! Ein Reporter einer lokalen Zeitung kam vorbei, um Nina zu interviewen und Fotos zu machen: vom Tierheim, unserem Transporter und von Nina und Petra mit Wuffis auf dem Arm. Und natürlich: wir von ihm.

Dann endlich war dieses wichtige Pflichtprogramm erledigt und nach einer kleinen Aufwärmung mit heißem, leckerem Tee und Gebäck im Büro zogen wir mit unseren Kameras, Fleischwurstwürfeln und anderen Leckerlis für die Hunde los zu den Zwingern.

Unser Erscheinen erregte natürlich helle Aufregung und die felligen Bewohner des Tierheims hopsten wild durch ihre Wohneinheiten und sausten zu uns ans Gitter, um Leckerlis und Streicheleinheiten zu ergattern. Keine Frage, die gab es natürlich für alle und nicht zu knapp.

Es ist für mich immer wieder herzerweichend, wie lieb wirklich alle Wuffis dort sind! Egal ob groß oder klein, egal ob Rasse (bzw. welche) oder Mix, ob in kleinen Gruppen im Zwinger oder leider noch einzeln draußen an der Kette.

Alle Bewohner dort sind wunderbare, tolle Typen und das trotz der oftmals sehr schlechten Erfahrungen und Behandlungen, die sie durch Menschen in ihrem ‚ersten Leben’ erleben und erleiden mussten. Mindestens fünf der Tierheimbewohner hätte ich sofort vom Fleck weg adoptieren können. Sie waren für mich, als Fan von großen, langhaarigen, Herdi-ähnlichen Hunden, einfach der Traum auf Pfoten.
Bei dieser Reise musste ich mich allerdings noch beherrschen und durfte keinen Lieblingsschatz einpacken, denn zu Hause braucht unser drittes Fellkind (ein Kraski Ovcar Mix - natürlich auch ein Ungar) noch sehr viel Aufmerksamkeit, Pflege und Trauma-Arbeit, um die Vergangenheit zu überwinden und ein sicherer, wesensfester Erwachsener zu werden.
Der Nachmittag mit den Hunden ging viel zu schnell herum. Es wurde zu dunkel zum Fotografieren und wir mussten zurück ins Hotel, um uns für das Abendessen mit Nina umzuziehen und … um diverse Mails zu schreiben.

Da viele Welpen mit uns auf Tour gehen sollten, die sich eine Transportbox teilen, hatten wir noch Platz für ein paar weitere Mitreisende. Angesichts dieser Tatsache und da diese unglaublich kalten Temperaturen auch in den Zwingern den Tieren wirklich alles abverlangen, mobilisierte Petra noch am Abend das gesamte Cani F.A.I.R. Team. Alle möchten bitte noch mal checken, ob sie nicht noch eine liebe Pflegestelle finden, die noch dem einen oder anderen Hundchen die Ausreise ermöglichen kann. Wo ist noch ein warmes Bettchen frei?

Eigentlich sollte die Tierärztin Angela, die ebenfalls zur Leitung des Heims gehört, abends dann mit von der Partie sein. Jedoch hatte sie noch ein dringendes Treffen mit dem Amtsveterinär wegen der Ausreisepapiere unserer hundigen Passagiere. Wenigstens am Samstag sollten wir Angela dann treffen, denn die wunderbare Veterinärin ist immer rund um die Uhr im Einsatz und immer zu Stelle, wenn ein Tier behandelt werden muss.
Also ließen wir den Abend dann nur zu viert in einem schönen Restaurant mit ausgezeichneter Küche ausklingen und tauschten uns über die ersten Eindrücke des Tages und die aktuellen Projekte und Probleme der ungarischen Tierschützer aus.

Ich kenne keinen anderen Ort, als das Tierheim in Miskolc, an dem Freude und Leid für mich so dicht beisammen liegen. Freude, denn die Tiere, die es hierher geschafft haben, sind sicher und für sie wird fortan gesorgt. Natürlich nicht, wie in einer eigenen Familie, aber sie bekommen genug zu essen, werden medizinisch betreut, sie haben einen Schlafplatz und werden beschützt. Gleichzeitig sieht man das Leid, das sie erlebt haben, ganz deutlich in ihren Augen.

Viele haben noch sichtbare Wunden und Narben – von den Seelischen mal ganz abgesehen. Und dann gibt es da die Bilder von den Fundorten und dem Zustand, in dem die Schützlinge abgegeben oder aufgefunden wurden - oft mehr tot als lebendig. Wie z.B. die zauberhafte Kaukasen-Mix Hündin Maci, die es gerade so geschafft hat. Sie ist eine der absoluten Lieblinge von Petra und mir und Petra hat ihr ‚Finde-Foto’ auf der Homepage mit eingestellt. Bitte schaut es Euch an, dann wisst Ihr, was ich meine.
Sorgen und Probleme gibt es im Tierheim auch zur Genüge: angefangen bei den zu kalten Temperaturen, die gegenwärtig ein Weiterbauen am zweiten Zwingergebäude unmöglich machen (das Geld für die Fertigstellung ist jetzt endlich beisammen – juhu!). Dann bekümmert die Tierschützer der bereits jetzt auftretende Schimmel in den Wänden des Haupthauses (durch die Feuchtigkeit, die z.B. in der Krankenstation immer entsteht) und natürlich ganz besonders die lange Warteliste der Hunde, die abgegeben werden sollen. Unglaublich aber wahr: leider haben die Besitzer oft keine Geduld mehr und setzen die Tiere dann doch aus oder töten sie. Dieses Thema macht (uns) allen sehr zu schaffen, doch das Tierheim ist im gegenwärtigen Zustand mit nur einem großen Hundehaus und einer Reihe kleiner, notdürftiger, provisorischer Zwinger, sowie einiger Hütten an der absoluten Belegungs-Obergrenze angekommen. Eine noch dichtere Besetzung der Zwinger führt zu noch mehr Stress, Beißereien und Todesfällen unter den Bewohnern und ist daher keine Lösung.

Ziemlich erschöpft und grübelnd, wie man diesen Problemen möglichst rasch beikommen kann, kehrten wir in das Hotel zurück und waren sehr froh darüber, noch den ganzen nächsten Tag (Samstag) im Tierheim und mit den Hunden verbringen zu können.

Am nächsten Morgen kletterten wir nach dem Frühstück von Unruhe getrieben wieder in unseren Transporter und tuckerten (nur zwei mal links abbiegen) zum Tierheim, wo uns Livia das Tor öffnete und wir auch diesen Tag mit Kuscheleinheiten der kleinen ‚Office-Gang’ begannen.

Für unsere Hundebesuche hatten wir uns für diesen Samstag einen anderen Plan zurecht gelegt: Um möglichst viel Zeit mit den Fellnasen verbringen zu können und viele gute, auch für die Vermittlung geeignete, Bilder machen zu können, teilten wir uns auf. So konnten wir recht sicher sein, alle Hunde einmal vor die Linse zu bekommen. Jede von uns startete in einer anderen Zwingerreihe und Petra hatte die tolle Idee, einen Zwingerrundgang zu filmen. Diese Videos und die zwei von den ‚Kleinheimern’ im Büro, kennt Ihr sicher schon. Der Link wurde bereits am 14.02. auf der Homepage veröffentlicht, unter der Überschrift ‚Ein kleiner Eindruck’. Wenn Ihr es noch nicht geschafft habt, die Filmchen anzuschauen, holt das bitte unbedingt nach – es lohnt sich!
Wir legten also los - nach Plan B: Leckerli verteilen, schmusen, knipsen und wieder schmusen. Und bei jedem Zwinger fiel es schwer, dann zum nächsten weiter zu rücken, so einzigartig und lieb sind die Bewohner.
Um uns herum lief der normale Tierheimalltag ab: vier zu Sozialstunden verurteilte Männer reinigten die Zwinger und halfen dem Tierheimteam beim Füttern.

Aufgrund der eisigen Temperaturen ist bereits die wichtige und eigentlich unspektakuläre Aufgabe, das Bereitstellen von Wasser, eine schwierige und aufwändige Angelegenheit. Mehrmals am Tag macht ein Mitarbeiter mit einer großen Gießkanne angewärmten Wassers die Runde und füllt die Trinknäpfe. Wer nicht gleich trinkt muss oftmals bis zur nächsten Runde warten, da das Wasser in kürzester Zeit in den Näpfen gefriert.
Auch das Fotografieren stellte immer wieder eine Herausforderung dar. Denn natürlich wollte jeder Zwingerbewohner lieber geschmust werden, als sich ein paar Meter entfernt fotogen in Pose zu bringen. Ich versuchte Überzeugungsarbeit zu leisten und erklärte den Schnuffels, dass es ganz wichtig ist, den lieben Menschen in Deutschland zu zeigen, wie toll sie sind, damit sie alle bald schon mit uns reisen und ein schönes Zuhause bekommen können. Die besonders liebevollen und anhänglichen Schätze hörten nicht auf meine Worte. Für sie zählte nur der Augenblick: schmusen, lieb reden, Leckerchen futtern und weiter schmusen, was das Zeug hält.

Also versuche ich es jetzt auch bei Euch, liebe Leserin, lieber Leser: bitte schaut genau hin, schaut in die Augen dieser großartigen felligen Freunde und verliebt Euch, wie wir, in diese meist vierbeinigen, ungarischen Traumtypen!

Unsere Zwingerbesuche wurden von einem gemeinsamen Mittagsimbiss zusammen mit allen Mitarbeitern und Helfern unterbrochen. Eine gute Gelegenheit, alle, dieser großartigen Menschen, dank Ninas Übersetzungen und Erzählungen ein wenig besser kennen zu lernen. Wir werden in den kommenden Newslettern noch mehr über die ungarischen KollegenInnen berichten, die sich täglich der Herausforderung Tierschutz stellen.

Der gnadenlosen Alltagsrealität und Härte der Aufgabe ‚Tierschutz in Ungarn’ mussten wir uns wenig später selbst stellen: Kurz bevor wir am späten Samstag Nachmittag im Tierheim aufbrechen wollten, wurde von Zoltan ein kleiner Notfall abgeholt: ein süßes, kleines, hellbraunes Junghunde-Mädel, das schreckliche Grausamkeiten von Menschenhand erleben musste und bereits vier Tage lang am Straßenrand lag, bis endlich jemand die Tierschützer informierte. Der kleine Schatz, sie wurde eilig ‚Hope’ getauft, wurde geschwind in die Krankenstation gebracht, stand auf dem OP Tisch und ließ sich geduldig untersuchen und streicheln. Unglaublich freundlich und sanft trotz der quälerischen Dinge, die ihr von Menschen angetan wurden.
Ihr Anblick verschlug uns allen den Atem und Tränen schossen uns in die Augen. Die kleine Süße war Opfer eines unglaublichen Verbrechens geworden und die Hölle ging weiter: Ignorante Menschen, die sie schwer verletzt neben der Strasse liegen sahen, nahmen erst vier (4!!!!!!) Tage später das Telefon zur Hand und riefen im Tierheim an!
Liebe Tierfreunde, wir werden in einem separaten Bericht auf der Homepage noch einmal darauf eingehen, nicht ohne eine Warnung für zarte Nerven voran zu schicken. Daher haben wir beschlossen, Euch hier in diesem Bericht kein Foto davon zu zeigen und auch nicht zu sagen, was genau der Kleinen angetan wurde. Uns drei verfolgt es immer noch und wird es wahrscheinlich auch noch sehr lange tun.
Den Tierschützern in Miskolc erging es beim Anblick des Hundekindes nicht anders als uns, gleichzeitig sah man deutlich an den routinierten Handgriffen, dem eingespielten Teamwork bei der Erstversorgung, dass auch solch unglaubliche Misshandlungen leider kein Einzelfall sind. Wir sind diesen Menschen unendlich dankbar, dass sie sich täglich erneut diesem Schmerz und Leid stellen und den Kampf gegen die Windmühlen unermüdlich weiter führen.
Was konnten wir tun? In dieser Situation erst einmal nicht viel, außer den felsenfesten Entschluss zu fassen, für den kleinen Schatz sofort das beste Zuhause zu finden, das ein Hundekind nur haben kann, um einen Teil dazu beizutragen, dieses gewaltige Leiden zu lindern und ihm ein schönes Leben mit viel Liebe und Schutz zu ermöglichen.
Wir erlebten einen Ausschnitt des alltäglichen Grauens, dem die Tierschützer so oft ausgesetzt sind und konnten mit ansehen, wie ruhig und gefasst sie Hilfsmassnahmen einleiten, obwohl auch sie jedes Mal erneut zutiefst erschüttert sind.
Geschockt, entsetzt, aber zu diesem Zeitpunkt noch voller Hoffnung, dass diese kleine Fellnase wieder genesen würde und wir dazu beitragen können, dass für sie ein neues, glückliches, sicheres Leben anfangen würde, fuhren wir zum Hotel zurück.
Nina und ihr Sohn Peti warteten am Hotel auf uns. Nach einem deutlich stilleren Abendessen als am Tag zuvor und in sehr bedrückter Stimmung, ging es noch weiter zu einem kurzen Pflichtbesuch auf einem Konzert, dass mit einer Plakataktion und einem Spendenaufruf für das Tierheim angekündigt wurde.
Als wir, zugegebenermaßen noch recht früh, dort ankamen, lagen nur zwei, drei Sachspenden auf dem dafür vorgesehenen Tisch. Es ist ein weiter und steiniger Weg, der gegangen werden muss, um das Gros der ungarischen Bevölkerung zum Umdenken zu bewegen und Tiere mit Liebe und Respekt zu behandeln. Das konnte man auch an dieser Aktion deutlich ablesen.
Nina besprach sich mit den Organisatoren und würde später noch einmal hinfahren, da der Abend dort gerade erst begonnen hatte und alle auf mehr Gäste und Spenden hofften.

Bei einem letzten Stopp im Tierheim, um die Papiere für die am nächsten Tag mitreisenden Hunde vorzubereiten, erfuhren wir, dass das schwer verletzte Fellkind ‚Hope’ in die Tierklinik verlegt wurde. Nach sorgfältigen Untersuchungen war sicher, dass die Kleine nicht überleben würde, da bereits zu viel Gewebe unheilbar zerstört und tief entzündet war. Der kleine Schatz wurde dort von den Tierärzten von ihrem Leiden erlöst. – Unfassbar und ein Riesenschock für Petra, Tina und mich. Die Nachricht löste in uns allen eine ohnmächtige, unsagbar traurige Wut aus und es war ein fürchterlicher Abschluss des Tages und unseres Aufenthalts im Tierheim Miskolc. Wir werden die Kleine niemals vergessen.
Auch wenn die kleine Hope nie ihren Platz auf unserer Couch haben konnte, so hat sie ihn doch für immer in unseren Herzen!
Da für Petra, Tina und mich bereits um 04:00 Uhr in der Frühe die Nacht zu Ende sein würde und wir möglichst fit und ausgeruht sein mussten, um unsere hundigen Fahrgäste heil nach Deutschland zu bringen, brachte Nina uns zurück ins Hotel, wo wir uns schweren Herzens und voller Trauer von ihr verabschiedeten.

Ein klein wenig Balsam auf unseren Seelen war die Tatsache, dass unsere Cani F.A.I.R.-Teamkolleginnen in Deutschland in der Zwischenzeit gemeinsam mit Adoptanten und Pflegestellen sehr aktiv waren und wir am nächsten Morgen mit insgesamt 47 Hunden aus Miskolc und Umgebung, sowie Cegled den Heimweg nach Deutschland antreten würden!
47 wunderbare Fellkinder, die sich mit uns auf den Weg in ihr neues, glückliches Leben machen werden. Herzlichen Dank an Euch alle! Es ist grandios, dass Ihr noch so vielen Wuffis die Ausreise ermöglicht habt!
Am Sonntag Morgen kamen wir um 05:00 Uhr am Tierheim an. Mit vor Kälte klammen Fingern wurden die Transportboxen geöffnet und Hund um Hund nahm nach der Chip-Kontrolle auf den vorbereiteten Kuschelbettchen Platz. Einige der mitfahrenden Hunde wurden von befreundeten Tierschützern aus einem Tierheim in der Nähe gebracht. Dann kam zu jedem Hund das ‚Nummernschild’ (Heimtierausweis) in die Plastikhülle zum Steckbrief und los ging es nach einem sehr emotionalen Abschied vom ungarischen Tierheim-Team, der uns dreien sehr schwer fiel.
Die anfängliche Unruhe und Anspannung löste sich glücklicherweise schon nach wenigen Minuten auf der Autobahn. Wir waren froh, dass die meisten hundigen Passagiere nun an Bord waren, wir nur mit leichter Verspätung aus Miskolc abfuhren und auch die Hunde beruhigten sich schnell durch das monotone Fahrgeräusch auf der Autobahn. Die kleine Yorkshire-Hündin, Solange (Mausi) hatte den Prinzessinnenplatz in einer Tasche bei den Beifahrern auf dem Schoss. Die kleine süße Maus genoss die Wärme und Streicheleinheiten in vollen Zügen und schaute immer mal wieder keck aus ihrer Tasche.
Nach etwa 150km hielten wir noch einmal an einer Raststätte, um unsere letzten Mitfahrer aufzunehmen: die Schnauzerhündin Dora und ihre neunköpfige schwarz und blonde Rasselbande, die bei Monika gepflegt wurden und weitere Schnuffels aus Cegled, die von Kathi und Tibor zu ihrer großen Heimreise nach Deutschland gebracht wurden.

Alles lief ‚wie geschmiert’ und wir waren im Nu wieder auf der Autobahn und brausten in Richtung Deutschland. Unter-wegs wurden noch zwei Stopps eingelegt, um die Welpen zu füttern, den Hunden Wasser anzubieten und den Transporter zu betanken.
Auch die Rückfahrt verlief reibungslos auf trockenen Autobahnen durch das klirrend kalte Ungarn und Österreich nach Deutschland.

Die kleine Yorki-Dame ‚Solange’ war dann auch die Erste, die wir an einem Autohof bei Regensburg an ihre neue, glückliche Familie übergeben durften.
Wir haben die kleine Prinzessin auf der Weiterfahrt sehr vermisst. Sie war eine so entspannte Beifahrerin und hat diese Reise sehr souverän mitgemacht.

Es folgten weitere Stopps auf der A3 in Aurach…Es folgten weitere Stopps auf der A3 in Aurach…Würzburg.....
… und schließlich Weiskirchen, wo nicht nur drei Babys von Dora und der liebenswerte Wonder unsere Reisegruppe verließen, sondern auch ich aussteigen musste. – Ja, unglaublich aber wahr: musste. Auch nach fast 14 Stunden Fahrt wäre ich am liebsten auch noch bis zur Endstation Ohligser Heide mitgefahren und hätte mich mit den aussteigenden Hunden und ihren neuen Familien gefreut.

Denn diese Momente sind wahrlich Herz erwärmend, wenn die ungarischen Hundewaisen das erste Mal von ihren neuen Familien zärtlich in die Arme geschlossen werden und dann mit ihnen in ein schönes Leben und liebevolles Zuhause fahren.

Zurückblickend kann ich nur sagen: diese Reise war ein ergreifendes Erlebnis und ich bin jederzeit wieder mit von der Partie. Es war zugleich schön und schrecklich mit wunderbaren und auch unsagbar traurigen Momenten. Es hat uns wieder einmal darin bestärkt, mit aller Kraft weiterzumachen, die wichtige und wertvolle Arbeit der Tierschützer in Miskolc zu unterstützen und in Not geratene Fellnasen in ein liebevolles Zuhause zu vermitteln.

Herzlichen Dank auch Euch allen für Eure Unterstützung durch Spenden, zur Verfügung stellen von Pflegeplätzen, der Adoption von ungarischen Hunden und Katzen und einem stets wachsamen Blick für die Not der Tiere!
Bitte begleitet auch weiterhin unsere Arbeit und das Tierschutzprojekt im ungarischen Miskolc, denn nur durch Eure Hilfe kann der Traum vom nachhaltigen Tierschutz und einer liebevollen Familie für so viele Hunde und Katzen wahr werden!
Wir hoffen, wir sehen uns alle auf dem Hundetreffen am 25.08.2012 in Burscheid. Ebenfalls würden wir uns riesig freuen, bei dieser Veranstaltung auch ein Wiedersehen mit einigen Hunden zu feiern, die jetzt noch in den kalten Zwingern sitzen und Euch, ihren neuen Familien!
Wir verabschieden uns für heute mit von Herzen kommenden Grüssen!

Petra + Tina + Simone
Team Cani F.A.I.R. e.V.

Fotos Teil 1

Fotos Teil 2

Einzelfotos einiger Hunde

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