Ungarnfahrt im Dezember 2011

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Reisebericht Miskolc (Ungarn) vom 16.12. – 18.12.11 von Cani F.A.I.R.

Eine Nachricht hat mich im Vorfeld der Reise nach Ungarn sehr gefreut. Endlich nicht mehr Startseite der Homepage für die beiden Hündinnen Caramell und Gömböc. Die beiden Hündinnen waren die letzten Bewohnerinnen des alten Tierheims und allein der Gedanke, dass die beiden den kalten Winter dort verbringen, machte das komplette Team traurig. Aber es gab einen Lichtblick am Horizont für die beiden Hundedamen. Es hat sich eine Pflegestelle gemeldet, die den Gewohnheiten der beiden Rechnung trägt. Die Freude aller war riesengroß.

Im Vorfeld einer Fahrt nach Miskolc verfolge ich mit Spannung die Reiseliste und war hocherfreut, dass wir zu guter Letzt keine freie Hundebox mehr vorhanden hatten. Es begleiteten uns 20 Hunde aus Miskolc, drei Hündinnen aus Cegled und zwölf Hunde eines befreundeten Vereins. Es freut mich für jeden Hund, der eine Chance auf ein Leben in Deutschland bekommt, aber besonders waren dieses Mal die beiden Hundedamen, der blinde Rüde Mazli, der dreibeinige Rüde Szandro, Seniorin Csöpi und nicht zu vergessen Bruno, der sein Hundeleben bisher im Tierheim verbrachte.

Am Freitag, 16.12.2011 startete unser Mitfahrer Heinz zu seiner ersten Fahrt nach Miskolc in Dortmund und musste gleich mit sehr schlechtem Wetter (Eis und Schnee) kämpfen. Die Straßenverhältnisse waren grauenhaft und Heinz kämpfte sich bis zu uns nach Wiesbaden durch. Bei mir zuhause luden wir weitere Sachspenden und Thomas und mich ein. Unser nächster Stopp sollte die Raststätte Weiskirchen sein. Hier wurden wir sehnsüchtig von Simone Schrader mit Sachspenden erwartet. Nach einem kurzen Halt wollten wir unsere Fahrt fortsetzen, jedoch der Transporter nicht. Er gab keinen Mucks mehr von sich und wir riefen den ADAC an. Dort vermittelte man uns an ein Abschleppunternehmen, das die Infos benötigte, in welche Werkstatt wir geschleppt werden wollten. Dank eines netten Mitarbeiters der carexpert Sachverständigen GmbH bekamen wir die Telefonnummer einer IVECO Werkstatt in Aschaffenburg. Ein hilfsbereiter, zuvorkommender Mitarbeiter dort konnte uns am Telefon hilfreich zur Seite stehen und mit seinen Tipps bekamen wir den Transporter wieder zum Laufen. Wir haben uns schon die Nacht im Transporter schlafend gesehen, weil Freitagsnachmittags die Möglichkeiten einer Reparatur in einer Werkstatt bestimmt nicht von großem Erfolg gekrönt sind.
Erleichtert verabschiedeten wir uns von Simone und weiter ging es in Richtung Süden. Die Wetterverhältnisse waren nicht optimal. Die Ausläufer des starken Sturms und ständiger Regen waren unsere Begleiter. Unsere Reise ging durch Bayern nach Österreich und weiter nach Ungarn. Aufgrund der späten Stunde sind wir durch Budapest gefahren und waren überrascht wie viele Menschen dort nachts auf den Straßen unterwegs waren. Die Straßen waren jedoch freier als sonst gegen Abend. Budapest beindruckt durch große Bauten und eine traditionsreiche Geschichte. Morgens um vier Uhr erreichten wir unser Endziel das Hotel in Miskolc und fanden schnell den Weg in unsere Zimmer.

Nach einer kurzen Nacht trafen wir uns um 9.00 Uhr zum Frühstück und kurz vor zehn Uhr nahmen wir im Transporter Platz, um zum Tierheim zu fahren. Das Hotel liegt sehr zentral und man erreicht das Tierheim
in fünf Minuten. Das Tierheim befindet sich in einem Industriegebiet und liegt neben einem Fluss. Dort gab es erst einmal ein großes Hallo: Livia, Nina, Ester und Susanne und die anderen Helfer begrüßten uns. Leider spielte das Wetter dieses Mal nicht mit und es regnete den kompletten Tag manchmal ein wenig oder aber auch in Strömen. Also passten wir unsere Kleidung entsprechend an, um trocken durch den Tag zu kommen.

Gemeinsam mit den Helfern entluden wir den Transporter und die Sachspenden wie Medikamente, Verbandsmaterial, Hunde/Katzenfutter und weiteres und räumten es entsprechend ein. Über diese Gaben freuen wir uns immer besonders und die Helfer vor Ort sind begeistert von dieser Unterstützung.

Jetzt führten uns Susanne und Ester durch das Tierheim und zeigten uns die Hunde. Die beiden konnten uns zu jedem Hund etwas sagen und die ersten Leckerchen wurden freudig von den Hunden genommen. Meist herrscht helle Aufregung, wenn wir die Zwingergebäude entlang gehen. Viele Hunde springen an den Zwingern hoch und warten sehnsüchtig auf eine Berührung/ein Streicheln von uns. Das Tierheim ist sehr voll mit Hunden ebenso Welpen und Junghunde. Einige Hunde habe ich bedauerlicherweise bei meinen letzten beiden Besuchen in diesem Jahr bereits kennengelernt und hoffe inständig darauf, dass sie bis zu meinem nächsten Besuch eine Chance auf ein neues Leben in einer Familie in Ungarn/Deutschland/Österreich haben. .

Die Fertigstellung des dringend benötigten zweiten Zwingergebäudes geht voran --- aufgrund der erhöhten Baumaterialkosten schleppend. Man ist zuversichtlich, die Fertigstellung in 2012 zu realisieren. Das bedeutet für die Belegung der einzelnen Zwinger, dass ggf. nicht mehr bis zu vier oder mehr Hunde in einem Zwinger leben. Weiterhin möchte man den dringend nötigen Hundeauslauf in 2012 in Betrieb nehmen, um den Hunden die Gelegenheit der Bewegung, des Tobens und des Abbaus von Zwingerkoller zu geben.
Aufgrund des starken Regens bildete sich ein Rinnsal zwischen den beiden Zwingergebäuden und es war nicht möglich, Einzelfotos und Videos von den Hunden außerhalb des Zwingers zu erstellen. Wir setzten unseren Rundgang fort und suchten die Katzen im Katzenzimmer auf, die Hunde in der Krankenstation, verteilten Streicheleinheiten und Leckerchen.

Am Nachmittag verließen wir das Tierheim, fuhren kurz tanken und einkaufen. Gegen 18 Uhr traf Nina an unserem Hotel ein, um uns zur Weihnachtsfeier der Tierheimhelfer abzuholen. Gemeinsam mit den Helfer/innen um Livia und Nina kehrten wir in einem Lokal ein. Nina bedankte sich bei allen für ihr Engagement und bei Canifair für die aktive Hilfe und freut sich auf eine weiter segensreiche Unterstützung. Gegen 21 Uhr brachte uns ein Taxi in das Hotel und wir gingen zu Bett.

Besonders traurig stimmt mich die große Anzahl der Welpen in Zwingern oder in der Krankenstation. Diesem Elend der unkontrollierten Vermehrung der Hunde muss Herr geworden werden. Sie liebe Leserinnen und Leser haben die Möglichkeit, uns hierbei zu helfen, in dem Sie Spender/in einer Kastration werden. Dies unterstützt den nachhaltigen Tierschutz vor Ort sehr. Bei der Überweisung ist es möglich, sich einen Hund auszusuchen und dessen Namen als Verwendungszweck zu vermerken. Sollte dieser Hund in Ungarn vermittelt werden, ist er bereits kastriert und kann nicht mehr für Nachwuchs sorgen.

Am Sonntagmorgen starteten wir um fünf Uhr mit dem Einladen der Hunde und es waren wie immer sehr emotionale Momente. Sissy (Pflegestelle von Poci) nahm tränenreich Abschied von ihrem Zögling; die anderen Hunde wurden von den Helfern mit liebevollen Gesten und Worten verabschiedet. An einer Raststätte bei Budapest warteten bereits die Helfer aus Cegled auf uns; auch Monika hatte besondere Vorkehrungen für ihre Pflegehündin Csöpi getroffen. Die Seniorin bekam Futter mit und wir besondere Anweisungen, dass wir sie mehrfach zum Pipi machen raus lassen sollten. Weiterhin wurde sie besonders zugedeckt und die Box zugehängt.

Die Straßenverhältnisse waren gut und so kamen wir pünktlich zu unserem ersten Übergabetreffpunkt kurz vor Wien. Hier erwartete uns neugierig und gespannt das neue Frauchen der Rottweilerhündin Rozi. Die Hündin war zuletzt bei Budapest eingestiegen und die Erste, die kurz vor ihrem Ziel in einem neuen Zuhause war. Um ihr den Ausstieg zu erleichtern und sie zu unterstützen, wurde sie mit der Hundebox ausgeladen. Ebenerdig stieg sie gelassen aus der Box und erkundete mit ihrem neuen Frauchen vorsichtig die Umgebung.

Weiter ging unsere Reise durch Österreich nach Deutschland, nur unterbrochen von kurzen Tankstopps. Am späten Nachmittag erreichten wir unser nächstes Halteziel und die beiden Dackelwelpen Aby und Belly wurden freudig von ihren neuen Dosenöffnern empfangen. Kurzeitig machte uns Schneetreiben und Regen zu schaffen. Aber wir blieben im Zeitplan und erreichten gegen 22.00 Uhr unser Endziel an der Ohligser Heide. Hier wartete eine Menschenansammlung auf uns und die Hunde freuten sich auf ihre neuen Frauchen und Herrchen und darauf endlich den Transporter verlassen zu können. Die ersten gemeinsamen Fotos wurden geschossen und dann schnellstmöglich der Nachhauseweg angetreten. Die Reise für die beiden Hundedamen Caramell und Gömböc ging weiter bis Mönchengladbach, wo sie auf der Mon Ro Ranch ihr Domizil bezogen.
Ich gab meinem Pflegehund Dixie die Möglichkeit, sich zu erleichtern und während dessen hielt ein Polizeiauto und zwei Polizisten näherten sich den restlichen Übernehmern und dem Transporter. Sie sind von einem Passanten gerufen worden, um nach dem Rechten zu sehen. Nachdem sie Petra Schubert
ausführlich informierte, verließen sie zufrieden die Raststätte. Thomas Brill und ich starteten unsere Rückfahrt ins Rhein-Main-Gebiet. Unterwegs stellten wir zu unserem Bedauern fest, dass zwei Schnellrestaurants nicht mehr geöffnet waren. Unsere Freude auf einen Burger war groß! Nahmen aber mit unserer Verpflegung vorlieb und erreichten gegen ein Uhr nachts Wiesbaden.

Es war eine ereignisreiche, emotionale Fahrt. Besonders traurig stimmt mich, wenn Hunde aus den Zwingern geholt werden und alle anderen lautstark bellen und die Hunde mobben, wenn sie wieder zurück in den Zwinger kommen. So eine Reise geht nicht spurlos an einem vorbei und es dauert einige Zeit bis die Eindrücke und Emotionen verarbeitet sind. Es ist aber ein Ansporn hier weiter zu helfen und sich zu engagieren. Die Freude der Tierärztin Ester über die Unterstützung mit medizinischen Hilfsmitteln wie Verbandsmaterialien, Einmalhandschuhen, Desinfektionslösungen und Medikamenten ist ein besonderer Augenblick. Die Umarmung der Helfer und die Dankesworte für die Hilfe sind weitere Gelegenheiten der Freude. Die Verabschiedung der Helfer/Tierärzte von den einzelnen Hunden, wenn sie ihnen auf Ungarisch etwas zu flüstern ist ein besonderer Moment. Die freudig wartenden Abholer und Pflegestelle, die es kaum abwarten können, geben einem so viel Freude und machen die Strapazen wieder wett.

Ich wünsche mir

für viele Hunde eine Chance auf ein neues schönes Zuhause
für die Helfer/innen vor Ort die finanziellen Möglichkeiten, vielen Hunden und Katzen zu helfen und die Bedingungen in den einzelnen Haushalten zu verbessern, das Verständnis der Ungarn zu Tieren nachhaltig zu verändern
für uns vom Team weiterhin die Möglichkeit, mit unserer Hilfe vor Ort positives zu bewirken, für alle ein schönes Weihnachtsfest, einen guten und gesunden Start in 2012

Ich freue mich auf meine nächste Fahrt nach Ungarn und die Begegnungen mit Mensch und Tier und sage ein herzliches Danke an meine beiden Mitfahrer.

Martina Schmidt


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