Ungarnfahrt im August 2011

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Niemand begeht einen größeren Fehler, als derjenige, der nichts tut,
nur weil er meint, dass er wenig tun könnte...
(Verfasser unbekannt)

Hallo liebe Leser,
dies ist der Bericht der August Fahrt nach Miskolc, wo die Fahrer das große Glück hatten so tolle Kerle wie mich kennen zu lernen. Neue Freundschaften wurden geschlossen – sogar mit Handschlag, wie man unschwer erkennen kann – und Hoffnungen aufrechterhalten, dass auch bei der nächsten Fahrt wieder viele von uns glücklich gemacht werden!! In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Lesen und vielleicht lernen wir uns ja auch einmal persönlich kennen…

In diesem Sinne – alles Liebe Euer Müller.

Erst einmal möchte ich den Vermittlern danken, dass wir das große Glück hatten so viele wunderbare Tiere mit nach Deutschland zu nehmen und Ihnen somit ein schönes Leben gegeben werden kann! Aber natürlich auch allen Pflegestellen und neuen Herrchen und Frauchen, die einen Hund aus Miskolc aufgenommen haben!

11.08.2011/ 04.55 Uhr in Essen – endlich geht es los!! Der Tag ist noch nicht in Sicht aber dafür der Transporter, beladen mit Spenden (danke dafür) für das Tierheim in Miskolc. Mit Schwung werfe ich (Annika Pototzki) mich auf den Sitz, Licht an und der Motor surrt wie ein Kätzchen… Nun denn, dann kann ja nix mehr schief gehen. Auf zur A 40, meiner liebsten Autobahn, aber um die Zeit in den Ferien, sollte das kein allzu großes Hindernis werden – wurde es auch nicht. An der A 45 konnte ich endlich die zweite Fahrerin einsammeln: Sandra Ninka. Nach dem verstauen des Gepäcks ging es auch gleich weiter Richtung Hessen, um unsere männliche Unterstützung Stefan Lühr aufzugabeln. Nachdem auch das vollbracht war sollte uns eigentlich nichts mehr aufhalten –dem war aber leider nicht so: Im Raum Frankfurt erwartete uns ein fruchtbarer Stau und damit verloren wir eine Stunde. Gott sei Dank hatten wir ausreichend Verpflegung mit an Bord, so dass niemand Hunger leiden musste (Brötchen, selbstgebackene Wurstbrötchen, Sandwiches und diverser Süßkram machte unsere Mägen froh). Nachdem wir den Stau überstanden hatten, lief die Weiterfahrt reibungslos. Wir sausten gen Südost und waren guter Stimmung, schließlich sollten wir auf der Rückfahrt eine Menge Tiere mitnehmen und das beflügelte uns geradezu. Eigentlich wollten wir gar nicht anhalten, sondern wie am so schön sagt „durchbrettern“. Aber der Transporter wollte natürlich auch verpflegt werden uns so mussten wir doch ein paar Mal zum Tanken stoppen. Nachdem wir Österreich hinter uns gelassen hatten, musste das Tempo gedrosselt werden: In Ungarn dürfen wir mit dem Transporter nur 80 km/h fahren. Leider hat dies den Unmut – ganz besonders den eines osteuropäischen LKW Fahrers – anderer Verkehrsteilnehmer auf uns gezogen. Wüstes Hupen und ausgiebiges Betätigen der Lichthupe gehörte zum Programm. Besagter LKW Fahrer hätte uns am liebsten von der Straße gekegelt – aber wir hatten einen extrem souveränen Fahrer, der sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen ließ!! Irgendwann erreichten wir Budapest und wir fuhren über die Donau mitten durch die Stadt – im Dunkeln wunderschön anzusehen. Nach Budapest hatten wir unser Ziel schon vor Augen, aber die Strecke zog sich gefühlte 50 Stunden dahin. Als wir endlich bei Nina zu Hause ankamen, wurden wir herzlichst begrüßt und selbstverständlich gab es auch ein spätes Abendbrot (nicht dass wir Hunger gehabt hätten…). Vollgefuttert und hundemüde fielen wir anschließend nur noch ins Bett. Sandra und ich durften im Gartenhaus einziehen und hatten dort ein Reich für uns (mit Schlafzimmer, Bad und Küche). Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Stefan nächtigte im Haupthaus und auch ihm fehlte es an nichts.
Am nächsten Morgen - nach einen leckeren Frühstück – fuhren wir endlich zum Tierheim. Wir freuten uns schon sehr darauf die Hunde persönlich kennen zu lernen und ein paar Streicheleinheiten zu verteilen. Nach dem Ausladen der vielen Spenden, machten wir unseren ersten Rundgang. Der erste Hund der uns auffällt ist Princess, die aufgrund der vollen Zwinger, an der Kette sein muss und die die ganze Zeit auf und ab läuft. So kann sie natürlich nichts ansetzen. Eine ganz liebe Maus ist sie und wenn sie einmal ein bisschen zur Ruhe kommt, schafft sie es sogar den Kopf auf dem Schoß abzulegen und sich krabbeln zu lassen.

Und dann war da er: Müller. Unser ganz spezieller Liebling. Ein absolut freundlicher Kerl, ein Sonnenschein und großer Schmuser! Müller hatte eine Augenverletzung und diverse Bissspuren. Da er unser Herz im Sturm eroberte, übernahmen wir spontan die Kosten für die tierärztliche Versorgung der Wunden. Und noch heute denke ich oft an den Charmeur Müller.

Der eine neue Familie sicherlich sehr glücklich machen würde.

Die Runde ging weiter und an den Zwingern angekommen, wurde der Tumult riesig. Fast jeder Insasse wollte unsere Aufmerksamkeit und sich ein paar Streicheleinheiten abholen, wie gerne hätten wir die Mäuse raus genommen, so richtig durchgeknuddelt und vor allem mitgenommen…

Einige Tierheimbewohner leiden sehr unter der Situation und müssten dringender in eine neue Umgebung als andere – da wäre zum Beispiel die schüchterne Betti, sie wollte so gerne Kontakt mit uns aufnehmen hat sich letztlich aber dennoch nicht getraut und lieber wieder
Schutz in der Hundehütte gesucht:

Oder aber Charry - ein verschüchtertes, super liebes kleines Hundemädchen, das am liebsten in den Menschen reinkriechen würde und mit dem Tierheimleben gar nicht klar kommt:

Hope, die bisher auch kein Glück in ihrem jungen Leben hatte und dann auch noch eine schwere Verletzung durch einen Autounfall erleiden musste. Das Bein schont sie noch immer, es behindert sie aber nicht. Hope ist eine liebe, schüchterne Hündin mit super weichem Fell (auch ohne Perwoll!), da macht das Schmusen noch mehr Spaß:

Elza, warum will die süße Maus keiner haben? Sie ist wunderschön, hat ihren eigenen Kopf, ein Schatz ist sie aber trotzdem:

Maxi/Shello, auch eine große Schmusebacke, die noch etwas verschüchtert durchs Leben läuft, da sie die guten Seiten bisher noch nicht kennen gelernt hat - es wird Zeit, dass ihr diese gezeigt werden!! Maxi hat ganz tolle Locken! Da werden so manche beim Spaziergang vor Neid erblassen…

Juli, die gerne auf dem Tierheimgelände herum läuft und super gelehrig ist - sie hört sogar schon auf deutsche Kommandos und hätte sicherlich viel Spaß an Hundesport und kniffeligen Denksportaufgaben.

Natürlich nahmen wir die potenziellen Nachfolger von Buksi 5 dem Reporter der Ungarn News noch einmal unter die Lupe und haben 5 ganz tolle Kerle kennen gelernt. Gerade Bruno hat uns bezaubert, er ist ein wenig unterwürfig aber auch ein ganz großer Schmuser, er verteilt gerne das ein oder andere Küsschen:

King, den wir uns viel größer vorgestellt haben. Auch er ist ein unkomplizierter Kerl, der dringend mehr Abwechslung benötigt, damit er endlich glücklich sein kann:

Demi und Rosita sind zauberhafte Geschöpfe, die wahrscheinlich nur noch im Tierheim sind, weil sie schwarzes Fell haben:

Und wenn man ganz ehrlich ist – sind natürlich alle anderen Tierheim Insassen ganz toll und jeder einzelne hat eine Chance auf ein schönes Leben verdient!!!

Ausführlichere Steckbriefe und noch mehr Bilder der Schützlinge sind natürlich auf der Homepage zu finden und bei Bedarf werden weitere Informationen eingeholt.


Leider sind aufgrund des Platzmangels einige Hunde in den wiederaufgebauten alten Zwingern untergebracht.

Das ist natürlich nur vorübergehend und hat uns trotzdem wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass das neue Zwingergebäude noch vor dem Winter fertig gestellt werden kann. Hier möchten wir noch mal auf die Möglichkeit von Zwingerpatenschaften hinweisen.

Als perfekte Gastgeberin hat uns Nina aber auch zu anderen Plätzen in Miskolc geführt, so sind wir in die Berge zum Forellen essen gefahren und haben dem Miskolcer Markt einen Besuch abgestattet, dort gab es neben Unmengen von Paprika, auch wilden Safran, viele Pilze (doppelt geprüft) und diverse andere Köstlichkeiten.

Unser Ungarnbesuch neigte sich so langsam dem Ende zu und wir versuchten vor der Nachtfahrt noch ein wenig Schlaf zu finden – was uns so ziemlich misslang. Unsere Gedanken kreisten um die Schützlinge und die bevorstehende Fahrt, so dass wir schließlich resignierten und nach einer Stärkung mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen wieder zum Tierheim fuhren. Nach dem ausgiebigen Check aller nötigen Papiere machten wir einen letzten Rundgang, um uns von den Schätzen zu verabschieden, das letzte Mal den Transporter prüfen. Kurz vor unserer Abfahrt wurde noch eine ganz arme Maus ins Tierheim „eingeliefert“, der Zustand war katastrophal. Die Augen - oder was davon übrig war - waren völlig vereitert. Das Tierheim ist für dieses kleine Wesen nun sicherlich der bessere Ort.

Dann ging es los, die Mitreisenden fanden nacheinander Platz in der entsprechenden Box. Nachdem alle gut verstaut, die Spanngurte fest gezogen und sogar Maci, als größter und schwerster der Reisegruppe, untergebracht war, verabschiedeten wir uns von den Tierheimmitarbeitern, Eszter und unseren Gastgebern Nina + Sohn. Dann ging es ab in Richtung Heimat, diesmal aber mit einer sehr wertvollen Fracht! Zwei Mal mussten wir in Ungarn noch halten – zum einen brachte Monika noch Hunde aus Cegled zu einem Parkplatz in der Nähe des Budapester Flughafens und zum anderen ereignete sich ein schwerer Unfall, der den Verkehr einige Minuten zum Stillstand brachte. Wir hatten aber Glück und wurden durch die Unfallstelle gelotst, so dass unsere Fahrt anschließend ohne Komplikationen weiter gehen konnte. Wir düsten durch die Nacht und erzählten uns alles Mögliche, um uns wach zu halten. Irgendwo in Österreich begann dann endlich der Tag und wir freuten uns sehr, dass die Nacht überstanden war! Zügig ging es weiter. Es wurde nur im Notfall gehalten, soll heißen, wenn der Tank gefüllt werden musste oder einer von uns Fahrern die Toilette aufsuchen musste (wir haben uns in dieser Angelegenheit aber sehr zurück genommen). Der erste Halt war in Donautal. Dort konnten Buksi 5 und die 3 Katzen als den Transporter verlassen und ihr neues Leben beginnen :-). Die Abholer – wie auch viele weitere an den anderen Rastplätzen -- hatten für unser leibliches Wohl gesorgt und Frühstück mitgebracht, welches wir leider gar nicht würdigen konnten (lieben Dank trotzdem!!). Donautal ist bekannt für seine Zollkontrollen und das wollten wir den Hunden nun wirklich nicht zumuten – also, nach der Übergabe schnell wieder auf die Bahn. Unsere Müdigkeit war so gut wie verschwunden und wir wollten schnellstmöglich alle Schützlinge übergeben. Die Temperaturen stiegen stetig an und wir mussten einige Male anhalten, um unseren Schützlingen Wasser anzubieten. Im Großen und Ganzen verlief die Rückfahrt aber gut – nachdem Buksi 5 und Britney (bei dem Namen musste mit Gesang gerechnet werden) raus waren, wurde es auch zunehmend ruhiger. Ein kleiner Stau im Raum Köln hielt uns noch auf, aber nachdem wir diesen passiert hatten, konnte uns nichts mehr aufhalten!! Alle Hunde und auch die Katzen wurden übergeben und die Freude bei den neuen Besitzern, den Pflegestellen und auch bei allen Canifairꞌlern war riesengroß!!!!!

Die Fahrer sehnten sich anschließend nur noch nach einer Dusche bzw. einem Bad und einem kuscheligen Bett!

Es war eine anstrengende, aufregende, lustige, rührende und vor allem wichtige Fahrt – zu der ich rückblickend sagen kann: Immer wieder gerne!!!

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