Erste Fahrt nach Miskolc in Ungarn
von Cani F.A.I.R. (20.06 - 22.06.2008)

CaniFAIR: Tierschutzverein der Tieren aus Ungarn hilft

Es ist Freitag, der 20. Juni 2008. Ich habe mir diesen Tag und den folgenden Montag Urlaub genommen. Der Wetterbericht kündigt hochsommerliches Wetter an. Ich könnte also ausschlafen, in aller Ruhe frühstücken und in ein ruhiges und erholsames Wochenende gehen.

Wären da nicht 35 Hunde und viele menschliche Helfer in einem Tierheim weit im Osten Ungarns, in Miskolc ...

Es soll die erste Fahrt in unser neues Partnertierheim in Miskolc werden, um Spenden dorthin zu bringen und Hunde in ein neues Leben nach Deutschland und Österreich zu holen.

Gegen 07.30 Uhr treffe ich mich mit Sandra (Ninka) und Birgit (Behr) an der A3 bei Wiesbaden - mit einigen Spenden im Kofferraum. Die 2 haben da bereits ca. 230 km abgefahren und sind sehr früh morgens gestartet. Wir treffen uns pünktlich, auch Simone Schrader aus Frankfurt kommt dazu. Wir laden unsere und Simones Spenden in den Transporter und laben uns noch kurz an dem herrlichen Motorhaubenfrühstück von Simone. Der Kuchen, den sie extra gebacken und mitgebracht hat, geht als Reiseproviant mit in den Transporter.

Spenden einladen für das Tierheim in Ungarn

Nun aber los. Schließlich liegen noch ca. 1.200 km am heutigen Tag vor uns. Wir kommen zügig voran. Unterwegs müssen wir mehrere Tankstopps einlegen. Aufgehalten werden wir auch vom Pickerl-Kauf für die österreichischen Autobahnen und vor allem der Entrichtung der Autobahngebühr für Ungarn. Da heißt es Schlangestehen. Und das bei dem hochsommerlichen Wetter. Wir schwitzen, sind aber wohlgelaunt und die Zeit vergeht recht schnell.
Ärgerlich ist dann aber die Geschwindigkeitsbegrenzung in Ungarn: Hier dürfen wir mit unserem Transporter nur 80 km/h fahren. Wir werden regelrecht zum Verkehrshindernis, wollen aber unsere Führerscheine behalten und vor Allem die canifair-Kasse nicht mit Strafgeldern belasten. So benötigen wir schließlich 5 Stunden (!) für die Fahrt durch Ungarn, wobei wir auch das Stadtzentrum von Budapest durchqueren müssen.

Schließlich kommen wir erschöpft und im Dunkeln aber gut gelaunt gegen 22.30 Uhr in Miskolc an. Nina und ihr Mann geleiten uns dann zu dem zentral und nah beim Tierheim gelegenen Hotel 'Sárga Csikó'. Wir stellen unseren Transporter im Innenhof in einer Zeltgarage ab und checken ein. Der kleine Sohn von Nina begrüßt uns auf Deutsch (Grüß Gott) und überreicht uns dreien eine Art ungarische Mozartkugel - sehr lieb.

Nina hat derweil für Essen (leckere ungarische Pizza) und vor Allem kühle Getränke gesorgt - selten hat ein Bier so gut geschmeckt. Wir setzen uns noch zusammen in ein Hotelzimmer, essen und trinken, melden uns bei unseren Lieben in der Heimat und fallen dann müde ins Bett.

Das Bett ist hart, die Dusche angenehm und das Frühstück sehr lecker.

Tierheim in Miskolc /Ungarn Ungarisches Tierheim

Essensreste für die Tier in Ungarn

So starten wir am Samstagmorgen um 07.45 Uhr Richtung Tierheim. Der Himmel deutet auf einen heißen Tag und so wird er dann auch. Im Tierheim geht scheinbar alles seinen gewohnten Gang - was uns sehr freut. Wir wollen keinen Ehrengästeempfang oder sonst welche Verrenkungen, nur weil wir da sind. Die Helfer (2 ältere Frauen, ein rumänischer Aushilfsarbeiter und ein weiterer jüngerer Mitarbeiter) und die allgegenwärtige und aufopferungsvolle Tierheimleiterin Livia säubern die Zwinger und geben den Hunden Wasser und zu Fressen.

Ich sehe nun leibhaftig, dass verschimmeltes Brot und ausgekochte Knochen zur Grundernährung genutzt werden - das ist ein schrecklicher Anblick. Ich bin in dem Moment so froh, dass wir die Futterspenden dabei haben und den Hunden zu anständigem Fressen verhelfen können.

Sachspenden für die Tierhilfe im Ausland Spenden Ausladen im Tierheim

Als erstes laden wir den Transporter aus: Unsere ungarischen Freunde sind begeistert über das, was wir ihnen mitbringen. Übergeben können wir sogar eine gespendete Kühltruhe, Akkuschrauber, Flex, medizinisches Material, ein Sterilisationsgerät, Halsbänder, Leinen, natürlich Futter und vieles mehr.

Nach einem ersten Rundgang durch das Tierheim mache ich mich mit Rita, die die Tierambulanz des Tierheims fährt, auf zum Fressnapf. Ja, den gibt es hier auch und weitere in Deutschland bekannte Firmen, z.B. habe ich ein großes Geschäft der Baumarktkette Praktiker gesehen.

Spenden für Hunde in Not

Beim Fressnapf (die Ungarn sprechen das "Freschnapf" aus) sind ca. 800 Kg Futter aus einer Werbeaktion bestellt, die canifair dem Tierheim spendet. Verladen auf 2 Paletten lassen wir das in unseren Transporter bringen und fahren zurück ins Tierheim. Gerade vor dem Hintergrund des Schimmelbrotes eine absolut notwendige Aktion, die mich, der ich ein ganz klein wenig helfen konnte, tief befriedigt.

Futterspenden für die Tiere in Ungarn Trockenfutter für das Tierheim in Ungarn

Derweil machen Birgit und Sandra Bestandsaufnahme im Tierheim. Sie schauen sich viele Hunde an und machen Fotos. Diese Tiere werden dann - zurück in Deutschland - auf der Homepage in die Vermittlung gehen.
Etwas später fährt Birgit mit Nina zu deren Wohnhaus, wo auch noch Tierheimhunde gehalten werden. Einige davon werden inspiziert, da sie am Sonntag früh mit auf die Reise gehen sollen.

Tierheim-Hund in Ungarn Hund im ungarischen Tierheim Hund aus der ungarischen Tiervermittlung

Sandra und ich lassen uns derweil einen Hund für einen kurzen Spaziergang geben. Was für ein nettes Wesen dieser Hund doch hat - unglaublich. Er kommt immer wieder zum Kuscheln und als Sandra und ich uns kurz auf eine Bank im Schatten setzen, kriecht der Hund fast in uns hinein. Ein wunderbares Tier. Und dann erfahre ich, dass er Knochenkrebs am Hinterlauf hat. Entweder muss das Bein amputiert werden oder der süße Rüde wird in ca. 6 Monaten sterben - schrecklich ! Wir streicheln und herzen ihn viel, denn er weiß ja nicht um seine Situation ... sein Name ist Buksika.

Tiernotfall aus Ungarn Notfall aus dem ungarischen Tierheim

Zurück im Tierheim suchen wir einen der wenigen schattigen Plätze, an denen wir anfangen, die Transportboxen zusammen zu bauen. Jeder Hund, der am Sonntag auf die Reise geht, ist einer Größenklasse zugeordnet. Außerdem haben wir eine Liste der Haltepunkte mit allen Kontaktdaten der Abholer und wissen demnach auch, wann welcher Hund wo raus kommt.

Als endlich alle Boxen zusammengebaut sind (und das dauert ...) wird an jeder Box eine Klarsichthülle befestigt. Hier hinein schieben wir die Steckbriefe der Hunde mit Foto.

Hundeboxen für die Tierschutz-Fahrt

Während ich mir Gedanken mache, wie wir die Boxen vernünftigerweise ins Auto bekommen und befestigen, prüfen Birgit und Sandra alle Tierausweise und die Ausreisepapiere. Inzwischen ist auch die Tierärztin des Tierheims - Dr. Angela Gulya - eingetroffen.
Birgit und Sandra attestieren, dass die Vorarbeiten, gerade auch in den administrativen Aufgaben wie Reisepapiere etc., durch das Tierheim sehr gut erledigt wurden. Nachdem alles geprüft ist, werden die Tierausweise auch noch in die Klarsichthüllen an den Boxen gesteckt.

Ich kämpfe inzwischen mit den Transporterräumlichkeiten - schlussendlich ist aber alles an seinem Platz und gut gesichert.

Zum Ende des Tages erscheint dann noch der Amtsveterinär und muss alles prüfen. Nachdem wir ein paar mehr oder minder sinnvolle Fragen beantwortet haben, noch mal alle Tierausweise aus den Boxen geholt werden müssen und wir uns mindestens 10 gute Ratschläge in Ungarisch angehört haben, steht einer Ausreise nichts mehr im Wege.

Tierschutz-Transporter

Der Tag wurde so, wie erwartet: Heiß und anstrengend. Froh sind wir darüber, dass uns Nina immer wieder mit gekühlten Getränken aus dem Supermarkt versorgt. Das tut gut. Da für den nächsten Morgen alles gerichtet ist, fahren wir gegen 19.00 Uhr zurück ins Hotel. Die Dusche ist eine Wohltat. Gegen 20.00 Uhr holt uns Nina am Hotel ab. Wir fahren in ein sehr schönes Gartenrestaurant mitten in Miskolc. Wir freuen uns alle über das sehr leckere und reichhaltige Essen und mindestens so sehr auf die kühlen Getränke. Gegen 22.30 Uhr sind wir zurück im Hotel, bezahlen schon mal unsere Zimmer und bestellen ein Frühstückspaket für den nächsten Morgen und gehen schlafen.

Die Nacht ist kurz: Um 03.45 Uhr klingelt der Wecker. Bereits eine halbe Stunde später - die Frühstückspakete lagen für uns bereit - sitzen wir im Transporter und fahren zum Tierheim. Da wir alles am Vortag gut vorbereitet haben, sind gegen 05:15 Uhr alle Hunde verladen und nun endgültig auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft.

Beladen für die Tierschutz-Fahrt

Für diese frühe Zeit haben wir uns bewusst entschieden, weil es laut Wetterbericht ein sehr heißer Tag werden soll - und das wird er schließlich auch.

Kurz vor Budapest nehmen wir von Gizi und Imre (ehem. Mitarbeiter des Tierheimes in Cegled) unsere letzten Schützlinge auf. Wir sind sehr gut in der Zeit, haben keine Staus und Probleme. Nach wieder 5 Stunden erreichen wir die Grenze zu Österreich. Nun können wir zwar schneller fahren, müssen ob des Wetters aber unsere Pausenintervalle laufend verkürzen, damit unsere Hunde getränkt werden. Sie brauchen jetzt viel Wasser.

Der erste Übergabepunkt soll kurz vor Wien liegen. Aufgrund eines Missverständnisses in der Absprache zur Uhrzeit verlegen wir die Übergabe kurzerhand auf eine Raststätte hinter Wien.

Dorthin kommen wir aber nicht, weil ein Stau die Autobahn blockiert. Wir können Gott sei dank rechtzeitig abfahren. Da es inzwischen sehr warm geworden ist und die Sonne nahezu ihren höchsten Punkt erreicht hat, beschließen wir, uns ein schattiges Plätzchen abseits der Autobahn zu suchen und unseren Hunden die nötige Entspannung zu geben.

Kaum stehen wir ein paar Minuten, erscheint die Polizei. Ein sehr netter junger Beamter befragt uns. Wir erklären, was wir tun, wo wir herkommen und wohin die Hunde transportiert werden. Birgit bietet ihm dann noch einen Blick in die Transportpapiere an und alles ist paletti. Er notiert sich nur noch Birgits Daten und zieht von dannen. Kurze Zeit später erscheint der nächste Streifenwagen - wir sind wohl begehrt. Dem Beamten erklären wir nur kurz, dass bereits sein Kollege geprüft hat.

Pause bei der Tierhilfe-Fahrt

Nach einem kurzen Telefonat verschwindet der Mensch wortlos. Ca. 1,5 bis 2 Stunden verbringen wir an diesem Platz, tränken ausgiebig alle Hunde, holen die 2 Welpen aus ihren Boxen und liegen mit ihnen im Gras. Kurz vor 14.00 Uhr machen wir uns auf den weiteren Weg. Die Autobahn ist jetzt frei und wir kommen gut voran. Die 2-stündige Pause ist aber natürlich nicht mehr aufzuholen. Und da die Sonne immer noch brennt, verlieren wir immer weiter Zeit durch die Stopps zum Tränken der Hunde. Ohne die geht's aber nicht.

Zuhause gesucht und gefunden

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Abholer, die zum Teil lang warten mussten und natürlich an alle die, die einem Hund aus dem Tierheim Miskolc ein besseres Leben ermöglichen. Ich kann Ihnen allen versichern: Sie tun Gutes!

Auf unserer weiteren Reise entlang der A3 ziehen endlich Wolken auf und es fallen auch 10 Tropfen Regen - aber das war's dann schon. Als wir gegen 22.30 Uhr an der Raststätte Medenbach ankommen, wartet meine Frau bereits auf mich. Meine Reise ins Tierheim Miskolc geht hier zu Ende. Ich tauche wieder in mein normales Leben ein, aus dem Tierschützer wird wieder ein Bürohengst. Die Fahrt war sehr anstrengend, aber um so beglückender.
Birgit und Sandra haben noch einen weiteren Weg von mindestens 2 Stunden vor sich, bis auch die letzten unserer Schützlinge in ihre neue Welt kommen. Dafür und für die vielen gemeinsamen Stunden im Dienst der guten Sache, die ganz toll waren, hier noch mal ein ganz herzliches: Danke schön!

Am nächsten Tag erfahre ich, dass die zwei auch gut nach Hause gekommen sind, alle Abholer geduldig gewartet haben und alle unsere Hunde gut untergekommen sind. Ganz besonders freut mich, dass auch Vilmos - unser Tierheim-Opa - unbeschadet seinen neuen Platz gefunden hat.

Was bleibt? Eine wunderbare Erfahrung, viel Verantwortung für die Tiere, supertolle Reisepartnerinnen, anstrengende Tage mit sehr wenig Schlaf - Ich mache es jederzeit wieder!

Und das Wichtigste: Ein großes Dankeschön an meine Frau, die meinen Einsatz tatkräftig unterstützt.

Stefan Lühr, im Juni 2008

 

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